Der pH-Wert als bedeutender Messwert im Blut

Der sogenannte pH-Wert (pH = lat. pondus Hydrogenii) ist ein Maß dafür, wie gut der menschliche Organismus das Säure-Basen-Gleichgewicht im Gewebe aufrecht erhalten kann. Mehr zum pH-Wert können Sie hier lesen. Der Idealbereich liegt bei Messung im Blut (meist aus einer Arterie) zwischen pH 7,37 und 7,45. Innerhalb dieses engen Wertebereichs laufen die Stoffwechselarbeiten des Körpers in der Regel ungestört ab, sofern keine anderen Schäden wie zum Beispiel genetische Erkrankungen vorliegen. Eine Verschiebung des Gleichgewichts entweder hin zum oberen, also basischen Ende dieses Bereichs (Alkalose) beziehungsweise hin zum unteren, sauren Bereich (Azidose) kann verschiedene Beschwerdebilder verursachen. Eine kurzfristige Verschiebung aus dem Normbereich des pH-Wertes, wie sie beispielsweise bei der Geburt häufig auftritt, wird oftmals gut vertragen und muss nicht zwingend Spätfolgen nach sich ziehen.

Die Azidose als Anzeichen der Stoffwechselentgleisung bei der Geburt – Ursachen und Risiken

Die Geburt ist für Mutter und Kind ein enormer Stressfaktor, der sich auf verschiedene Organsysteme sowie den Stoffwechsel auswirkt. Während dem natürlichen Geburtsvorgang kann es, ebenso wie bei Geburtskomplikationen (Geburtsstillstand, Nabelschnurumschlingung etc.), zu einer zeitweiligen Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff kommen. In dieser Phase der Sauerstoffunterversorgung produziert der kindliche Stoffwechsel als Reaktion auf den Stress vermehrt Laktat, das Salz der Milchsäure. Laktat ist ein saurer Stoff, der den pH-Wert des Blutes sinken lässt. Es kommt also während der Geburt in fast allen Fällen zu einer mehr oder minder stark ausgeprägten Übersäuerung oder auch Azidose. Der pH-Wert wird im Rahmen der nachgeburtlichen Versorgung des Neugeborenen routinemäßig aus zum Beispiel Nabelschnurblut kontrolliert. Ein pH-Wert des Neugeborenen von bis etwa pH 7,2 wird von Neugeborenenmedizinern in der Regel ohne größere Sorge wahrgenommen, obwohl er unter dem Optimalbereich von pH 7,37 bis 7,45 liegt. Bei Werten von pH 7,2 bis hinunter zu 7,0 wird das Neugeborene intensiviert überwacht und bei Werten unter pH 7,0 spricht man von einer relevanten Azidose des Kindes.

Eine länger anhaltende Sauerstoffunterversorgung des Neugeborenen mit einhergehender Azidose kann zu Schädigungen bestimmter Organe führen. Am schnellsten leidet das zentrale Nervensystem mit dem Gehirn des Neugeborenen unter einer Sauerstoffschuld. Prinzipiell können aber auch Nieren, Leber und andere lebenswichtige Organe Schaden nehmen. Wird eine Azidose mit pH-Werten unter pH 7,0 sowie eine Schädigung eines Organs beim Neugeborenen festgestellt, spricht man von einer sogenannten perinatalen Asphyxie (perinatal = im Rahmen der Geburt, Asphyxie = Erstickungszustand oder wörtlich „Pulslosigkeit“). Wird eine solche bedrohliche perinatale Asphyxie nicht schnell genug erkannt beziehungsweise kann sie nicht effizient genug behandelt werden, drohen dem Kind potentiell langanhaltende Schäden.

Zur effektiven Erkennung bedrohlicher Zustände des neugeborenen Kindes wurden verschiedene standardisierte Messverfahren und Bewertungsmaßstäbe etabliert. Zu den bekanntesten zählt der sogenannte APGAR-Score, der den Bewusstseinszustand, die Aktivität, Reflexe, Muskelspannung sowie das äußere Erscheinungsbild des Neugeborenen bewertet.

Die Behandlung einer Azidose bei der Geburt

Fällt das neugeborene Kind zum Beispiel als lethargisch, blass, schlapp und stumm auf oder ist die direkte Messung des pH-Wertes aus Nabelschnurblut auffällig, können verschiedene Maßnahmen bereits im Erstversorgungsraum eingeleitet werden. Oberstes Ziel jeder Behandlung eines auffälligen Neugeborenen ist die Sicherung der lebensnotwendigen Körperfunktionen. Hierzu zählt in erster Linie die Atmung und Sauerstoffversorgung sowie die Kontrolle der Körpertemperatur. Alle diese Faktoren spielen direkt oder indirekt eine Rolle für den pH-Wert des Kindes. Je nach Ausprägung der Azidose des Neugeborenen können auch verschiedene Blutsalze oder einfach nur Flüssigkeit über einen venösen Zugang etc. zugeführt werden.

Zu beachten

Eine Übersäuerung im Rahmen einer Geburt ist ein häufiges Ereignis und in aller Regel reguliert sich der Säure-Basen-Haushalt des Kindes schnell wieder zu Normalwerten.

Bedrohliche Übersäuerungszustände können dank standardisierter Verfahren meist zeitnah erkannt und behandelt werden. Das Thema perinatale Asphyxie ist zudem seit geraumer Zeit Gegenstand der geburtsmedizinischen Forschung, sodass immer neue Behandlungsverfahren zur Minimierung von Risiken zum Einsatz kommen.

Vorab vermutete Risikogeburten, wie sie zum Beispiel bei besonders jungen oder alten Müttern, bei Mehrlingsschwangerschaften oder bei bereits vorher aufgetretenen Geburtskomplikaktionen auftreten können, werden meist bereits vom betreuenden Frauenarzt an spezialisierte Geburtskliniken mit viel Erfahrung überwiesen.

Die gemachten Angaben sollen als Orientierungshilfe zu Folgen und Gefahren einer Übersäuerung dienen, können jedoch den Rat eines Arztes nicht ersetzen. Bei Unsicherheit im Umgang mit einer Übersäuerung sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Quellen