Der reibungslose Ablauf sämtlicher Körperfunktionen hängt von einem weitgehend stabilen inneren Milieu des Körpers ab. Ein maßgebender Faktor, der dieses innere Milieu des Körpers beschreibt, ist das Säure-Basen-Gleichgewicht. Mittels Blutuntersuchung und Bestimmung des sogenannten pH-Wertes (pH – lat. pondus Hydrogenii) kann festgestellt werden, ob das eigene Gleichgewicht von Säuren und Basen womöglich hin zur Übersäuerung (Azidose) verlagert ist. Ideal ist ein pH-Wert im Bereich von 7,37 bis 7,45. Schon kleinere Schwankungen in diesem fein ausbalancierten System können zu Befindlichkeitsstörungen führen, die im besonders Bereich der Naturheilkunde viel Beachtung erfahren.

Der Säure-Basen-Haushalt wird maßgeblich durch molekulare und auch atomare Kleinstbausteine des Lebens bestimmt; hierzu zählen vor allem Wasserstoff, Blutsalze wie Kalium oder Kalzium sowie Blutgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2). All diese Partikel bilden die Grundlage für beispielsweise Signalübermittlungsvorgänge von Nervenzellen zu Muskelfasern, oder für den Informationsaustausch zwischen einzelnen Nervenzell-Zusammenschlüssen im Gehirn. Entsteht ein Ungleichgewicht in diesen Systemen, können verschiedene Störungen des Wohlbefindens auftreten. Diese Störungen sind meist eher unspezifisch, das heißt sie lassen meist nicht sofort an eine Übersäuerung als Ursache denken. Häufig treten Koordinationsstörungen, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Muskelzuckungen, Schlafbeschwerden oder ein Unruhegefühl auf.

Ursachen für Ungleichgewichte im Säure-Basen-Haushalt können Stress oder eine ungesunde Ernährung mit viel säurebildendem Fleisch, Fast Food, Alkohol oder wenig Gemüse und Obst sein.

Die Lymphbahnen als Transportsystem des Körpers

Neben dem Blut ist auch die Lymphe, also das Gewebswasser, eine Transportflüssigkeit im menschlichen Körper. Ebenso wie das Blut fließt die Lymphe durch ein geordnetes Bahnsystem, die Lymphgefäße (Vasa lymphatici). Flüssigkeit aus dem Körpergewebe wird mitsamt kleiner Partikel (Schadstoffe) über Sammelstationen des Lymphsystems (Lymphknoten) in immer größer werdende Lymphbahnen bis in den Milchbrustgang (Ductus thoracicus) der linken Körperhälfte beziehungsweise den sogenannten Ductus lymphaticus dexter der rechten Körperhälfte transportiert. Milchbrustgang und Ductus lymphaticus dexter münden in das herznahe Venensystem des Körpers und geben hier ihre transportierte Flüssigkeit mitsamt Schadstoffen ab. Lymphbahnen haben nur eine schwach ausgeprägte Wand-Muskulatur, sodass der Flüssigkeitstransport sehr träge abläuft und manchmal auch zum Stehen kommen kann. Eine gezielte Anregung des Lymphflusses kann zum Weitertransport von Lymphflüssigkeit mitsamt darin enthaltener Partikel förderlich wirken.

Der Lymphfluss als Möglichkeit zur Entsäuerung (Potamos)

Nach naturheilkundlichem Verständnis bewirkt eine Übersäuerung des Gewebes eine gewisse Zähflüssigkeit der Lymphe, sodass diese nicht gut über die Lymphbahnen abfließen kann. Dieser Zustand wird „acidotische Lymphblockade“ genannt. Die acidotische Lymphmassage soll dazu dienen, den wichtigen Flüssigkeitsstrom wieder gezielt anzuregen. „Potamos“ ist das griechische Wort für „Fluss“ und steht als sinnbildliche Metapher für die Mobilisierung zäh gewordener Lymphe in ihren gesunden, flüssigen Zustand.

Die acidotische Lymphmassage beschreibt eine körperlich aktivierende, sanfte Form der Massage. Sie soll Energieströme (in Form der Lymphe) zum Fließen bringen und ein wohliges Gefühl der Entspannung erzeugen. Zum bestmöglichen Erfolg sollte die acidotische Lymphmassage in regelmäßigen bei einem geschulten Therapeuten erfolgen.

Zu beachten

Im Verständnis der naturheilkundlichen Medizin ist die acidotische Lymphmassage nur einer der Pfeiler zur erfolgreichen Therapie einer Übersäuerung des Körpers. Neben der gezielten Mobilisierung der Lymphflüssigkeit stellen auch eine bewusste Ernährung mit Konzentration auf basenbildende Lebensmittel, eine bewusste Lebensführung mit Verringerung oder sogar Verzicht auf Gifte wie Alkohol und Nikotin sowie Sport wichtige Elemente der ganzheitlichen Therapie einer Übersäuerung dar.

In speziellen Schulungsprogrammen können Betroffene auch selbst die Grundlagen der Lymphmassage erlernen, um diese gezielt für sich selbst einzusetzen.

Die acidotische Lymphmassage versteht sich nicht als alleinwirksame Wunderwaffe gegen Ungleichgewichte im Säure-Basen-Haushalt. Vielmehr soll sie einen hilfreichen, unterstützenden Bestandteil der Behandlung einer Übersäuerung darstellen. Ernstzunehmende organische Ursachen einer Übersäuerung, wie Stoffwechselerkrankungen oder Ähnliches, sollten von einem Arzt ausgeschlossen werden.

Die gemachten Angaben sollen als Orientierungshilfe zur acidotischen Lymphmassage bei Übersäuerung dienen, können jedoch den Rat eines Arztes nicht ersetzen. Bei Unsicherheit im Umgang mit einer Übersäuerung sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

 

Quellen:

  • Thomas DuBose Jr. et al.: Harrisons Innere Medizin. Azidose und Alkalose, ABW Wissenschaftsverlag, 2012, S. 391ff.
  • Rainer Klinke et al.: Physiologie. Säuren-Basen-Haushalt. Thieme, 2010, S 316 ff.
  • Gerd Herold et al.: Innere Medizin. Säure-Basen-Haushalt. Herold, 2015, S. 589 ff.
  • J. Fanghänel et al.: Waldeyer Anatomie des Menschen. Mechanismus und Organe der Immunabwehr. deGruyter, 2003, S. 88 ff.
  • Rosemarie Holzer: „POTAMOS Acidosecentrum“, http://www.acidose.de/i_leitfaden.html, online 22.05.2015