Im menschlichen Körper besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Säure-Basen- und dem Elektrolythaushalt. So kann eine Übersäuerung (Azidose) zu einem erhöhten Kaliumgehalt im Blut (Hyperkaliämie) führen, ohne dass zusätzlich Kalium aufgenommen wird. Die Hyperkaliämie gilt dabei als wichtigste und gefährlichste Folge einer Übersäuerung.

Dennoch sollte beachtet werden, dass Kalium ein wichtiges Elektrolyt für den menschlichen Körper ist. So ist es in menschlichen Zellen das häufigstes Elektrolyt und erfüllt dort lebenswichtige Aufgaben. Probleme entstehen nur wenn übermäßig Kalium aus den Zellen heraus ins Blut gelangt. So befinden sich normalerweise 98% des Kaliums in der Zelle, während nur ca. 2% im Blut zirkulieren. Aber auch ein zu niedriger Kaliumgehalt im Blut ist gefährlich und hat ähnliche Folgen wie eine Hyperkaliämie.

Begriffserklärung und Enstehung einer Azidose

Eine „echte“ Azidose von der Mediziner sprechen, kann nicht durch Ernährungseinflüsse entstehen und ist so, von der in Homöopathie, Naturheilkunde und alternativen Heilmethoden oftmals genannten „Übersäuerung“ abzugrenzen. Genauso wenig hat eine Azidose etwas mit Sodbrennen oder einem saurem Geschmack im Mund zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Senkung des pH-Wertes des Blutes, welcher sich üblicherweise im Bereich 7,37 bis 7,45 bewegt.

Einer Azidose können dabei vielfältige Ursachen zugrunde liegen. So können Medikamente (Metformin), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder chronische Nierenerkrankungen zu einer Azidose führen. Auch länger anhaltende Durchfälle, können durch den Verlust von basischen Bikarbonationen zu einer Übersäuerung führen.

Über CO2, welches im Blut zu Kohlensäure werden kann, ist auch das Atmungssystem an den Säure-Basen-Haushalt gekoppelt. So können Atemstörungen, wie sie bei chronischen Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis oder Lungenemphysem vorkommen, zu einem erhöhten CO2-Gehalt im Blut und damit auch zu einer sogenannten respiratorischen Azidose führen.

Vorrübergehend kann es auch bei Sportlern bei starker Belastung zu einer Laktatazidose kommen. Diese wird vom Körper schnell kompensiert und hat dadurch zunächst keine negativen Folgen.

Zusammenhang Azidose – Hyperkaliämie

Kommt es also zu einer Senkung des Blut-pH-Wertes versucht der Köper dies auszugleichen. Dazu werden Wasserstoffionen (H+), welche bei einer Azidose zu gehäuft vorkommen und die Übersäuerung entscheidend bedingen vom Blut in die Körperzellen verschoben. Diese Verschiebung gelingt nur, wenn das Wasserstoffion im Austausch mit einem Kaliumion über die Zellmembran verschoben wird. So gelangt Kalium aus der Zelle ins Blut und führt dort zu einer Hyperkaliämie.

Eine Niereninsuffizienz kann nicht nur wie bereits erwähnt über eine Azidose und zu einer Hyperkaliämie führen, sondern hat auch direkten Einfluss. So erfolgt die Kaliumausscheidung über 90% durch die Niere. Eine Störung dieser Ausscheidungsfunktion erhöht also auch direkt den Kaliumgehalt im Blut und kann so zu einer Hyperkaliämie führen.

Eine Hyperkaliämie führt üblicherweise zu Funktionsstörungen in reizleitenden Körperstrukturen wie Nerven und Muskeln. So kann es zu Gefühlsstörungen und „Ameisenlaufen“ kommen. Auch Muskelzuckungen oder Muskelschwäche sind typische Folgen. Gefährlichste Komplikation sind Herzrythmusstörungen. Insbesondere bei vorgeschädigtem Herzen kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Kammerflimmern oder Asystolie kommen.

Behandlung

Eine geeignete Therapie orientiert sich üblicherweise an der Ursache der Azidose. Werden diese behoben, so kommt es zum unmittelbaren Absinken des Kaliumspiegels im Blut. So können Atemhilfen eine respiratorisch bedingte Azidose therapieren. Auch das Absetzen potentiell auslösender Medikamente oder die adäquate Einstellung des Blutzuckers sind gegebenenfalls geeignete Therapiemaßnahmen.

Im Akutfall kann eine Hyperkaliämie auch symptomatisch behandelt werden. Durch Gabe von Glukose und Insulin wird die Wiederaufnahme von Kalium in die Zelle und damit aus dem Blut gefördert. Zur Therapie der Azidose können auch basische Stoffe wie beispielsweise Natriumbikarbonat gegeben werden, die zu einer Neutralisierung führen. Eine weitere Therapieoption ist die Gabe von sogenannten Kathionenaustauscherharzen. Diese werden geschluckt und führen dazu, dass im Darm Natriumionen gegen Kaliumionen ausgetauscht werden. Das überschüssige Kalium wird dann mit dem Stuhl ausgeschieden. In Fällen von schwerer Niereninsuffizienz kann auch eine Dialyse hilfreich sein.

Wichtig ist ein zügiger Therapiebeginn durch einen geeigneten Arzt um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Sowohl Azidose, als auch Hyperkaliämie sollten nicht selbst behandelt werden, sondern erfordern immer ärztliche Kompetenz.

Quellen

  • AllEx – Alles fürs Examen – Das Kompendium für die 2. ÄP; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2014; Band 2; S. 422
  • Internisten im Netz: „Blutbild – Erklärung“; http://www.internisten-im-netz.de/de_ph-wert_1382.html / 21.05.2015
  • Duale Reihe: „Innere Medizin“; Georg Thieme Verlag Stuttgart 3. Auflage 2013; S.451
  • J. Huppelsberg: „Kurzlehrbuch Phyiologie“; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2009; S. 174
  • G. Herold und Mitarbeiter: „Innere Medizin“; Köln 2012; S. 574