Der umgangssprachlich häufig verwendete Begriff Übersäuerung meint in der Medizin die Azidose. Sie zählt zu den Störungen des Säure-Basen-Haushaltes und tritt dann in Erscheinung, wenn es zu einem Abfall des pH-Wertes im Blut unterhalb des Normbereiches kommt. Der pH-Wert ist ein Maß für den sauren Charakter einer Lösung und im menschlichen Körper innerhalb enger Grenzen streng reguliert. Die Regulation des pH-Wertes zählt zu den elementarsten Aufgaben des Körpers und ist für den Organismus von enormer Wichtigkeit. Durchfall (Diarrhö) kann mit einer bestimmten Form der Übersäuerung, der sogenannten metabolischen Azidose in Zusammenhang stehen. Dabei ist jedoch nicht Durchfall die Folge, sondern die Ursachen der metabolischen Azidose.

Medizinische Fakten

Störungen des Säure-Basen-Haushaltes können unterschieden werden in Azidose und Alkalose, je nachdem ob ein Überschuss an Säure oder Alkali vorliegt. Im Falle der Azidose wird, anhand der zugrunde liegenden Ursache, die respiratorische Azidose (durch die Atmung/Respiration verursacht) von einer zweiten Form, der metabolischen Azidose (durch Störungen im Stoffwechsel/Metabolismus verursacht) unterschieden.

Auch diese kann, anhand der zugrundeliegenden Ursache, weiter unterteilt werden. Eine metabolische Azidose wird häufig verursacht durch Verluste an Bicarbonat (ein basisches Salz, welches im Körper an der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts beteiligt ist). Diese Verluste können renaler (durch die Niere bedingt) oder gastrointestinaler (den Magen-Darm-Trakt betreffend) Natur sein.

Eine weitere Ursache kann ein gesteigertes Anfallen endogen (im Inneren/im Körper) erzeugter Säuren sein, wie es beispielsweise bei einer Laktat- oder Ketoazidose der Fall ist. Typisches Symptom der metabolischen Azidose ist eine sogenannte Kussmaul-Atmung, mit vertieften, teilweise beschleunigten Atemzügen. Weniger charakteristische Symptome, wie Appetitlosigkeit, Schwindel und Übelkeit können in weiterer Folge ebenfalls auftreten. Schwere metabolische Azidosen können zu Herzrhythmusstörungen führen, da es in deren Verlauf häufig zu einem Anstieg der Konzentration an Kalium-Ionen im Körper kommt. Chronische metabolische Azidosen, selbst in milder Form, führen zu einem erheblichen Kalziumverlust aus dem Knochen, sowie zu Muskelabbau. Durchfall kann eine mögliche Ursache der metabolischen Azidose sein.

Durchfall ist ein Ungleichgewicht zwischen Sekretion, der Absonderung von Flüssigkeit und Elektrolyten, und Resorption, der Aufnahme von Wasser und Elektrolyten, im Darm und kann durch unterschiedlichste Ursachen hervorgerufen werden.

Behandlung

Bei chronisch metabolischer Azidose ist eine Bikarbonatsubstitution häufig sehr sinnvoll. Diese kann mit Bikarbonat- oder Zitratsalzen durchgeführt werden. Natriumbicarbonat z.B. hat jedoch den Nachteil, dass es zu einer vermehrten Kohlendioxid- (CO2) Produktion im Magen und damit zu einer Überblähung führen kann. Natriumzitrat, ein Vertreter der Zitratsalze, ist hier in der Regel besser verträglich.

Die Therapie der metabolischen Azidose richtet sich dagegen meist nach der zugrundeliegenden Erkrankung, da nur dies zu einer dauerhaften Korrektur der Azidose führt. So besteht zum Beispiel bei der Ketoazidose, welche eine Komplikation des Diabetes darstellen kann, die primäre Therapie in Volumensubstitution (Maßnahme zum Ausgleich verlorengegangener Flüssigkeit) und Insulingabe.

Ist eine Durchfallerkrankung die Ursache, so kann auch diese zur Beseitigung der Problematik therapiert werden. Im Vordergrund steht hier die symptomatische Behandlung. Typische Therapiemaßnahmen sind die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten und die Gabe von Antidiarrhoika (Arzneimittel gegen Durchfall), wie zum Beispiel Loperamid haltige Präparate.

Das ist zu beachten

Eine metabolische Azidose ist eine häufige Komplikation bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (Nierenunterfunktion). Ketoazidosen können bei z. B. Bei Typ-1-Diabetikern als Folge eines lang anhaltenden absoluten Insulinmangels auftreten.

Die chronischen Formen der Azidose stellen den größten Anteil der auch ambulant therapiebedürftigen Störungen des Säure-Basen-Haushaltes dar. Gerade hier ist ein rationaler Zugang entscheidend, wo dann, wie bereits erwähnt, durch Behandlung des Grundleidens therapeutisch vorgegangen werden sollte. Die oft irrationalen Ernährungsempfehlungen zu „basischen“ Nahrungsmitteln und diätetischen Einschränkungen zur „Vorbeugung“ basischer Defizite zeigen die große Verunsicherung in der Bevölkerung im Zusammenhang mit dieser Thematik.

Quellen

  • M. Sander, K. Gerlach: „Leitlinien akuter Durchfall“, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin 2013
  • O. Witzke, U. Heemann: „Diagnose und Therapie von Störungen des Säure-Basen-Haushaltes“, Springer Medizin Verlag 2006