Hinter der Abkürzung pH-Wert verbirgt sich der lateinische Ausdruck ‚pondus hydrogenii‘, was so viel bedeutet wie ‚Gewicht des Wasserstoffs’. Gemeint ist damit die Konzentration von Wasserstoffionen (H+) in einer wässrigen Lösung. Diese Konzentration wird als negativ dekadischer Logarithmus der Wasserstoffionenkonzentration dargestellt und ihr Wert liegt zwischen 0 für ‚stark sauer‘  und 14 für ‚stark basisch‘. Saure Lösungen (Säuren, z. B. Schwefelsäure, Salzsäure) haben einen pH-Wert < 7, basische Lösungen (Laugen, z. B. Natronlauge, Ammoniak) einen pH-Wert > 7. Als neutral gilt ein pH-Wert von 7. Das Blut hat einen annähernd neutralen pH zwischen 7,36 und 7,44. Bei diesem Wert können die meisten Zellen und Enzyme effizient arbeiten (pH-Optimum). Es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die dazu führen können, dass der Körper in einen Zustand der Übersäuerung gerät. Dies zieht wiederum verschiedene negative Auswirkungen auf die Gesundheit nach sich. Im Folgenden werden die Entstehungsmechanismen dieser Folgeerscheinungen besprochen sowie Maßnahmen, die einer langfristigen Übersäuerung entgegenwirken können, vorgestellt.

Medizinische Fakten

Von einer Übersäuerung (Azidose) wird gesprochen, wenn der pH-Wert des menschlichen Blutes einen Wert von 7,36 unterschreitet. Eine derartige Entgleisung kann verschiedene Ursachen haben. So kann es zum Beispiel bei längeren Phasen von Durchfall und Erbrechen zu einem übermäßigen Verlust von Basen kommen (Subtraktionsazidose). Bei Nierenversagen werden nicht genug Säuren ausgeschieden (Retentionsazidose) und bei verschiedenen zehrenden Erkrankungen wie Krebs, aber auch bei Diabetes und Hungerzuständen fallen vermehrt Säuren als Nebenprodukte der Energiegewinnung an (Additionsazidose). All diesen Formen von Übersäuerung ist gemeinsam, dass sie über die Bereitstellung körpereigener Basen sowie durch eine vertiefte Atmung ausgeglichen werden können (respiratorische Kompensation). Allerdings kann die Lunge eine Übersäuerung aber auch selbst verursachen, indem nicht genügend Kohlendioxid abgeatmet wird (respiratorische Azidose), wie dies beispielsweise bei Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) der Fall ist. Der Körper versucht, hier gegenzusteuern, indem er mithilfe der Nieren die Basenspeicher des Körpers zusätzlich auffüllt.

Eine lang anhaltende Übersäuerung egal welcher Ursache führt neben unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Leistungsknick nicht zuletzt zu einer vermehrten Infektanfälligkeit, weil die Abwehrzellen des Körpers in einem sauren Milieu weniger effizient arbeiten als im annährend neutralen Bereich. Daneben kann es auch zu brüchigen Nägeln und Haarausfall kommen, weil der Köper bei dem Versuch, den pH-Wert zu korrigieren, verschiedene Mineraldepots angreift, zu denen auch Haarbalg und Nagelbett zählen.

Außerdem kann eine langanhaltende Tendenz zur Übersäuerung die Gelenkbeschwerden bei rheumatoider Arthritis verstärken. Das körpereigne Abwehrsystem greift bei dieser Autoimmunerkrankung (es werden Antikörper gegen körpereigene Zellen oder Proteine gebildet) bestimmte Bestandteile der Gelenkhaut (Synovialmembran)  an. Die Entzündungszellen werden durch den niedrigen pH-Wert zusätzlich stimuliert, ihre Botenstoffe an das Gewebe abzugeben. Durch diese chemischen Signale werden die Schmerzrezeptoren (Schmerzfühler) der Gelenke aktiviert, was die Beschwerden bei Rheuma verschlimmert.

Gicht wird durch einen langfristig erhöhten Harnsäurespiegel (Urat) mit entsprechend niedrigem pH-Wert des Blutes verursacht, wobei unter anderem eine fleischreiche Ernährung diesen Zustand herbeiführen kann. Bei der Verdauung von Fleisch entsteht reichlich Urat. Ab einer bestimmten Urat-Konzentration fallen Säurekristalle aus, die sich bevorzugt in den kleinen Gelenken – oft ist das Zehengrundgelenk betroffen – ablagern und dort im Rahmen eines sogenannten Gichtanfalls stärkste Schmerzen verursachen können.

Behandlung

Sollten die oben beschriebenen Symptome einer Übersäuerung auftreten, empfiehlt es sich, den pH-Wert des Morgenurins mit einem Teststreifen aus der Apotheke zu bestimmen. Die erste Messung darf sich in einem leicht sauren Bereich von 6,5–7 bewegen. Zwei Stunden nach dem Frühstück sollte sich der pH-Wert in den leicht basischen Bereich verschoben haben. Bleibt der Urin sauer, sollten konsequent stark säurebildende Nahrungsmittel wie Wurst, Fleisch, Eier, Käse sowie Zucker, Süßigkeiten und Softdrinks gemieden werden. Auch auf Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol sollte verzichtet werden. Leicht säurebildende Lebensmittel wie Pilze, Milch  oder Trockenobst sollten nur in Maßen konsumiert werden.

Den Großteil des Speiseplans sollten basenbildende Lebensmittel ausmachen. Hierzu zählen Kartoffeln, verschiedene Obst- und Gemüsesorten sowie Tee und Mineralwasser. Auch Mineralien wie Kalium, Calcium und Magnesium können Säuren binden und so einen Beitrag zum Ausgleich einer Tendenz zur Übersäuerung leisten. Eigens zu diesem Zweck hergestellte Basenpulver aus der Apotheke oder der Drogerie sollten jedoch nicht in Eigenregie, sondern erst nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Darüber hinaus kann eine vertiefte Atmung durch die dadurch vermehrte Abgabe von Kohlendioxid dazu beitragen, den pH-Wert zu senken. Aus diesem Grund kann eine regelmäßige leichte sportliche Betätigung der Tendenz zur Übersäuerung vorbeugen.

Zu beachten

Eine schwerwiegende Übersäuerung geht mit einer deutlichen Verschlechterung der oben geschilderten Symptomatik einher und muss von einem Arzt behandelt werden. Im Vordergrund steht in diesem Fall nicht nur die Korrektur des pH-Wertes, sondern es wird auch nach der Ursache für diese Entgleisung gesucht.

Quellen