Um die Homöostase (Gleichgewichtszustand) des Organismus und ein ordnungsgemäßes Funktionieren einer Vielzahl an biologischen Prozessen zu gewährleisten, wird der Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Körpers innerhalb sehr enger Grenzen konstant gehalten. So beträgt der pH-Wert des Blutes, welcher ein Maß für den sauren Charakter einer wässrigen Lösung darstellt, unter physiologischen Bedingungen 7,37 bis 7,43. Sinkt der pH-Wert unter diesen Normbereich, so spricht man in der Medizin von einer Azidose. Diese wird umgangssprachlich häufig als Übersäuerung bezeichnet. Eine bestimmte Form der Azidose, nämlich insbesondere die respiratorische Azidose, kann oft mit Kopfschmerzen einhergehen. Migräne jedoch, als eine Art von primären Kopfschmerzen, deren Ursachen bis heute nicht geklärt sind, scheint dahingegen nicht in direktem Zusammenhang mit einer Azidose zu stehen.

Medizinische Fakten

Störungen des Säure-Basen-Haushaltes kann man, je nachdem ob ein Überschuss an Säure oder Base vorliegt, grundlegend unterscheiden in Azidose und Alkalose. Sinkt der pH-Wert unter 7,37, so spricht man von einer Azidose. Eine Azidose wiederum, kann weiter klassifiziert werden in respiratorische und metabolische Azidose, je nachdem ob Störungen der Atmung (Respiration) oder im Stoffwechsel (Metabolismus) für ihre Entstehung verantwortlich sind. Insbesondere im Verlauf einer respiratorischen Azidose kann es häufig zu Kopfschmerzen kommen, weshalb hier nur auf diese näher eingegangen werden soll. An dieser Stelle sei abermals darauf hingewiesen, dass Kopfschmerz nicht mit Migräne gleichzusetzen ist, was an späterer Stelle noch erläutert werden soll.

Die Ursache einer respiratorischen Azidose liegt in einer verminderten alveolären Ventilation. Dies bedeutet, dass die Belüftung der Lungenbläschen als basaler Prozess einer funktionierenden Atmung, gestört ist. Typische Ursachen können Zustände sein, bei denen die Atmung beeinträchtigt sein kann. Dazu gehören zum Beispiel pulmonale (die Lunge betreffende) Erkrankungen wie Asthma. Typisch für eine respiratorische Azidose ist die Veränderung bestimmter Kenngrößen im Blutbild, welche im Regelfall von ärztlicher Seite zur Diagnose herangezogen werden. So kommt es durch eine Störung der Atemfunktion und damit des Gasaustausches in der Lunge zu einem Anstieg der Konzentration von Kohlendioxid im Blut, des sogenannten CO2-Partialdruckes (pCO2) , weil das Abatmen von Kohlendioxid gestört ist. Dieses ist stets begleitet von einer Hypoxämie, einem Sauerstoffmangel im Blut. Ebenso kommt es meist kompensatorisch zu einem Anstieg der Bikarbonat-Konzentration. Die Symptome der respiratorischen Azidose ergeben sich vor Allem aus der Mangelversorgung mit Sauerstoff. So kommt es meist zu Dyspnoe (Atemnot), Tachykardie und Blutdruckanstieg. Ebenso kann es häufig zu einer Erweiterung von Blutgefäßen im Gehirn (zerebrale Vasodilatation) kommen. Ein solcher Zustand geht oft mit  Kopfschmerzen einher. Bei schweren Formen können auch Bewusstseinsstörungen und Verwirrtheit bis hin zum Koma auftreten.

Migräne ist eine der häufigsten Erkrankungen in der modernen Gesellschaft. Besonders bedeutsam ist die Erkrankung auch deshalb, weil sie zu den besonders schwer behindernden Leiden zählt. Sie geht oft mit einer nachhaltigen Reduktion der Lebensqualität einher.

Migräne zählt zu den primären Kopfschmerzen, bei welchen die zugrunde liegende Ursache unbekannt ist. Sie ist eine chronische Erkrankung, bei welcher es aufgrund einer vermutlich genetischen Veranlagung zu rezidivierenden (wiederkehrenden) Schmerzattacken kommt. Diese gehen obligat (zwingend, üblicherweise) mit einer vegetativen (das vegetative Nervensystem betreffend) Begleitsymptomatik wie Übelkeit und Erbrechen und/oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher, sowie fakultativ (nicht zwingender Weise) mit neurologischen (das Nervensystem betreffend) Symptomen, welche man als Aura bezeichnet. Dahingehend werden zwei Formen unterschieden, nämlich die Migräne mit und ohne Aura, wobei mit etwa 80–85% die Migräne ohne Aura die häufigste Form darstellt. Typisch für den Kopfschmerz bei einer Migräneattacke ist, dass er mindestens 2 von 4 Kriterien erfüllt: Er ist halbseitig, hat eine mäßig starke bis starke Intensität, einen pulsierenden Charakter und verstärkt sich bei körperlicher Anstrengung. Begleitend treten, wie bereits angesprochen, Übelkeit und Erbrechen sowie eine Licht- und Geräuschempfindlichkeit auf. Die Migräne mit Aura ist häufig mit Wahrnehmungsstörungen verbunden. Dabei treten, meistens vor dem Einsetzen der Kopfschmerzen, Gesichtsfeldausfälle, Sehstörungen, Gefühlsstörungen (z. B. Kribbeln) in den Armen und andere neurologische Ausfälle auf. Von chronischer Migräne spricht man, wenn man an mehr als 15 Tagen im Monat und dies über mehr als 3 Monate hinweg unter einer Migräne leidet.

Behandlung

In der Therapie der Migräne lässt sich unterscheiden zwischen der Behandlung von Migräneattacken und ihrer Prophylaxe (Vorbeugung). Ebenso stehen jeweils medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen zur Verfügung. So kommt auf der nichtmedikamentösen Seite die Vorbeugung durch Identifizierung und Vermeidung von sogenannten Triggerfaktoren und Aggravierungsfaktoren zum Einsatz. Triggerfaktoren, d. h. Auslöser, erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Migräneattacke innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Dies können beispielsweise das Auftreten der Menstruation bei Frauen oder die Einnahme bestimmter Nahrungsmittel wie z. B. Schokolade sein. Aggravierende Faktoren hingegen können eine Migräne verschlimmern, indem sie zu einem länger anhaltenden (üblicherweise Wochen bis Monate) Anstieg der Schwere und der Häufigkeit der Attacken führen. Beispiele für häufig angegebene aggravierende Faktoren sind psychosozialer Stress, häufiger Alkoholkonsum oder andere Umweltfaktoren. Bei einem Migräneanfall ist dagegen der Rückzug in eine ruhige und abgedunkelte Umgebung, körperliche und psychische Ruhe, sowie lokale Kälte- und/oder Wärmeanwendung oft hilfreich. Auf Ebene der Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung) kommen bei leichten Attacken überwiegend Schmerzmittel aus der Klasse der Nicht-Opioid-Analgetika (Zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen) und Antiemetika (Mittel gegen Erbrechen wie beispielsweise Metoclopramid) zum Einsatz. Bei schweren Migräneanfällen werden darüber hinaus häufig Arzneistoffe mit vasokonstriktorischen (Gefäß verengenden Eigenschaften) angewendet, wie zum Beispiel Sumatriptan oder Naratriptan aus der Klasse der Triptane. Prophylaktisch können unter anderem Wirkstoffe eingesetzt werden, die auch bei anderen Indikationen Anwendung finden, wie Metoprolol aus der Klasse der Betarezeptorenblocker, welches auch zur Therapie der Hypertonie (Bluthochdruck) verwendet wird oder Valproinsäure, welche man zu den Antiepileptika (Mittel gegen Epilepsie) zählt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Substanzen auch zur Prophylaxe der Migräne geeignet sind.

Die Therapie einer respiratorischen Azidose hat die Behebung des Sauerstoffmangels und damit die möglichst rasche Beseitigung der respiratorischen Störung zum Ziel. So kommen insbesondere bei schweren Verläufen die mechanische oder maschinelle Beatmung sowie die Gabe von Sauerstoff zum Einsatz. Letztere sollte jedoch mit Vorsicht durchgeführt werden, da der Sauerstoffmangel an sich einen wichtigen Beitrag zum Atemantrieb in solchen Situationen darstellt und dieser durch eine zu rasche Gabe von Sauerstoff vermindert werden könnte. Auftretende Kopfschmerzen werden in der Regel nicht gesondert behandelt, sondern durch die Beseitigung der zugrundeliegenden Ursache therapiert, welche in diesem Fall eben die Unterversorgung mit Sauerstoff darstellt.

Zu beachten

Eine respiratorische Azidose als eine Folge einer eingeschränkten und damit gestörten Atemfunktion kann beispielsweise bei Personen auftreten, welche an chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Atemwege leiden, wie das bereits erwähnte Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung, umgangssprachlich oft als „Raucherlunge“ bezeichnet). Auch eine medikamentös verursachte Störung des Atemantriebs (Atemdepression), wie sie unter Anderem beim Einsatz von starken Schmerzmitteln aus der Klasse der sogenannten Opioide (z. B. Morphin) möglich ist, kann die Ursache einer solchen Erkrankung darstellen.

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Circa 6-8% der Männer und 12-14% der Frauen leiden unter der Krankheit. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit der Migräne 4-5%, wobei Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen sind. Die meisten Migräneattacken treten aber zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. Insbesondere ist zu erwähnen, dass Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Zusätzlich sind die Migräneattacken bei Frauen auch meist länger und intensiver. Vertreter des weiblichen Geschlechtes haben also statistisch gesehen ein höheres Erkrankungsrisiko

Quellen

  • O. Witzke, U. Heemann: „Diagnose und Therapie von Störungen des Säure-Basen-Haushaltes“, Springer Medizin Verlag 2006, S. 113 ff.
  • Schaefer, Roland M.;Kosch, Markus: „ Störungen des Säure-Basen-Haushalts: Rationale Diagnostik und ökonomische Therapie“, Deutsches Ärzteblatt 2005
  • Prof. Dr. H. Göbel, A. Heinze, K. Heinze-Kuhn: „Vorbeugung und Akutbehandlung der Migräne“, Der Schmerz 2006/6, Springer Verlag 2006
  • J. Schriever, M. Bühlen, K. Broich: „Aktueller Kenntnisstand und Entwicklungen in der akuten und prophylaktischen Therapie der Migräne“, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bundesgesundheitsblatt 2014
  • H.C. Diener, H. Kaube,V. Limmroth: „Migräne – Klinik, Diagnostik, medikamentöse Therapie“, Anaesthesist 1999/48: S. 845–856, Springer Verlag 1999