Der Magen (Gaster) ist ein muskuläres Hohlorgan, in welchem die Nahrung aufgefangen und verdaut wird. Das Innere des Magens ist von einer speziellen Schleimhaut überzogen, welche Zellen enthält, die für die Produktion von Magensäure verantwortlich sind. Jene Magensäure stellt einen wichtigen Bestandteil des Verdauungsprozesses dar und ist ferner der Grund, warum im Mageninneren von Natur aus ein sehr saures Milieu herrscht. Eine Überproduktion jener Magensäure führt folglich zu einer Magenübersäuerung.

Hierdurch wird die Entstehung einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder auch das Risiko von Magenblutungen durch Magenschleimhautdefekte (Magenulkus) erhöht. Ein zu saurer Magen sollte folglich behandelt werden. Langezeit wurde angenommen, dass basische oder weniger saure Lebensmittel, wie beispielsweise Milch, einen positiven Effekt auf die Magenübersäuerung ausüben, da sie die Säuren puffern und somit das Milieu im Magen wieder ins Gleichgewicht bringen können. Jedoch haben wissenschaftliche Studien zu diesem Thema gezeigt, dass gerade Milch die Magensäureproduktion zusätzlich anregt, was dem Therapieziel entgegenwirkt. Es gibt jedoch noch eine Reihe anderer Möglichkeiten, welche sich zur Behandlung der Magenübersäuerung und den damit verbundenen Beschwerden eignen.

Wann ist der Magen zu sauer?

Die Magensäure ist eine chemische Salzsäureverbindung (HCl), die durch sogenannte Parietalzellen in der Magenschleimhaut gebildet wird. Jene Zellen sitzen an der Grenzschicht zum Mageninneren (Lumen) und pumpen Wasserstoff-Ionen (H+ Ionen) in den Magenhohlraum hinein, wodurch das Milieu im Inneren einen sehr sauren pH-Wert von rund 2 erreicht. Der pH-Wert kann im Allgemeinen auf einer Skala von 0-14 ermittelt werden. Ein neutraler pH-Wert liegt bei 7. Während Werte von 0-7 als sauer (azidotisch) bezeichnet werden, gelten pH-Werte von 7-14 als basisch (alkalisch). Hierdurch wird deutlich, dass im Magen bereits unter gesunden Umständen ein ausgesprochen saures Milieu herrscht. Werden die Parietalzellen jedoch vermehrt dazu angeregt Magensäure zu produzieren, kann der pH-Wer im Magen weiter absinken und Werte bis zu 1 annehmen .

Welche Folgen kann eine Magenübersäuerung haben?

Ein zu saurer Magen kann vielerlei Beschwerden verursachen. Besonders typisch sind Symptome, welche im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) stehen. Etwa 20% der Bevölkerung in westlichen Industrieländern leiden an jener Erkrankung, worunter der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verstanden wird. Klassischerweise werden die Beschwerden 30-60 Minuten nach den Mahlzeiten oder auch im Liegen verstärkt. Hierzu zählen:

  • Sodbrennen: Schmerzen im Oberbauch (epigastrisch) oder hinter dem Brustbein (retrosternal)
  • Aufstoßen von Nahrungsbrei (Regurgitation)
  • Mundgeruch (Foetor ex ore)
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie)

Darüber hinaus, kann eine Magenübersäuerung auch zu Schleimhautschäden in der Magenwand führen. Der Magen schützt sich normalerweise durch Produktion einer speziellen Schleimschicht (bestehend aus Bicarbonat und Prostaglandinen) vor der aggressiven Säure und verhindert dadurch seine Selbstverdauung. Die Produktion von basischer Schleimschicht und aggressive Magensäure steht beim Gesunden  im Gleichgewicht. Kommt es jedoch zu einer Dysbalance, wird die Magenschleimhaut durch die Magensäure angegriffen und gereizt. Hierdurch kann eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) hervorgerufen werden. Bei Fortschreiten der Entzündung kann es zum Entstehen von Schleimhautdefekten (Erosion, später Ulkus) kommen. Dadurch können Magenblutungen hervorgerufen werden, welche sich durch folgende Symptome äußern:

  • stechende Oberbauchschmerzen
  • Übelkeit (Nausea)
  • Bluterbrechen (Hämatemesis)
  • evtl. Kreislaufschwäche

Wodurch kann eine Magenübersäuerung ausgelöst werden?

Normalerweise wird die Magensäureproduktion in kontrolliertem Maße durch die Aufnahme von Nahrung angeregt, um die Verdauung zu unterstützen. Hierbei führt vor allem eiweißreiche (proteinhaltige) Nahrung zur Produktion von Magensäure, wodurch der pH-Wert im Magen abnimmt.
Abhängig vom pH-Wert der Lebensmittel selbst, kann es zu unterschiedlich starken Absenkung des pH-Wertes im Mageninneren kommen. Lebensmittel, welche einen eher sauren pH-Wert aufweisen, gehen folglich mit einer stärkeren Absenkung des pH-Wertes einher, als es bei basischen Nahrungsmittel beobachtet werden kann. Typische saure Lebensmittel sind zum Beispiel:

  • Kaffee
  • Tee
  • Wein
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • Kakao (Schokolade)
  • Zitrusfrüchte

Darüber hinaus regen bestimmte Nahrungs- und Genussmittel die Magensäureproduktion zusätzlich an, was ebenfalls in eine Übersäuerung des Magens resultieren kann. Hierzu zählen vorrangig:

  • Nikotin
  • koffeinhaltige Getränke
  • alkoholhaltige Getränke
  • stark gewürzte Speisen
  • fetthaltige Lebensmittel

Zu jenen fetthaltigen Lebensmitteln, welche eine Magenübersäuerung auslösen können, zählen auch Milchprodukte, wie internationale Studien mehrfach belegen konnten.

Was bewirkt der Verzehr von Milch?

Lange Zeit wurde angenommen, dass Milch als relativ pH-neutrales Lebensmittel (pH 6,5) einen Puffereffekt auf die Magensäure ausüben würde. Amerikanische Wissenschaftler konnten dies jedoch in einer ausgebreiteten Studie widerlegen. Sie bestimmten hierzu den pH-Wert von 38 verschiedenen Getränken, worunter sich auch verschiedene Milchsorten befanden und untersuchten anschließend bei rund 400 Teilnehmern die Auswirkungen nach deren Verzehr.

Untersucht wurde in diesem Zusammenhang die Häufigkeit von Beschwerden wie Sodbrennen (s.o.), welche durch eine Magenübersäuerung ausgelöst werden. Aus den Resultaten der Studie wird deutlich, dass besonders fettreiche Milch bei beinahe 40% der Teilnehmer zu Magenbeschwerden führte, während fettarme Milch bei nur rund 20% der Teilnehmer Sodbrennen auslöste. Folglich wird angenommen, dass der Fettgehalt in Milchprodukten die Magensäureproduktion anregt, was zu einer Übersäuerung des Magens führen kann, die sich dann durch Symptome wie Sodbrennen äußert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Beschwerden, welche mit einer Magenübersäuerung einhergehen, können sehr gut mit sogenannten Lifestyle Changes (Veränderungen des Lebensstils) therapiert werden. Hierzu gehören folgende Faktoren:

  • Gesunder Ernährung
    Besonders saure Lebensmittel oder Speisen und Getränke, welche die Magensäureproduktion stimulieren (s.o.), sollten bestenfalls gemieden oder nur in geringem Maße aufgenommen werden.
  • Mehrere, kleinere Mahlzeiten pro Tag
    Ausgiebige Mahlzeiten, welche ein Überfüllungs- oder Übersättigungsgefühl auslösen, sollten vermieden werden. Stattdessen empfehlen sich mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt.
  • Verzicht auf Nikotin
    Rauchen ist grundsätzlich sehr schädlich für den Körper und sollte deshalb in jedem Fall unterbunden werden. Da Nikotin jedoch zusätzlich stimulierend auf die Magensäureproduktion wirkt, stellt das Vermeiden von Rauchen eine wichtige Behandlungsoption gegen Magenübersäuerung dar.

Reichen diese Ansätze nicht aus, kann eine zusätzliche medikamentöse Therapie hilfreich sein. Besonders vielversprechend in der Therapie der Magenübersäuerung sind die sogenannten Protonenpumpeninhibitoren (PPI), welche das Pumpen von Wasserstoff-Ionen in das Mageninnere verhindern, wodurch die Magensäureproduktion eingeschränkt wird.

Zu beachten

Das regelmäßige Einnehmen von bestimmten Schmerzmitteln, wie Asperin® oder Paracetamol®, führt zu einer verminderten Produktion der die Magenschleimhaut schützenden Schleimschicht. Hierdurch können Reizungen der Magenschleimhaut auch ohne Magenübersäuerung auftreten.

Quellen

  • Rainer Klinike, Hans-Christian Pape: Physiologie, 2009, Thieme Verlag, S. 434 ff.
  • H. Renz-Polster, S. Krautzig, Basislehrbuch Innere Medizin, Urban & Fischer-Verlag, 2013, S. 487 ff.
  • Pubmed: Mark Feldmann, Cora Barnett, Relationships Between the Acidity and Osmolality of Popular Beverages and Reported Postprandial Heartburn, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7806034 , 22.05.2015