Der Säurehaushalt stellt ein hochkomplexes und dazu überlebenswichtiges Geschehen im menschlichen Organismus dar. Durch Vorgänge, wie z. B. dem Stoffwechsel oder der Verdauung, fallen im Körper ununterbrochen neue Säuren an. Verschiedene Mechanismen, auf die im folgenden Artikel näher eingegangen wird, sind dafür verantwortlich, überfällige Säuren auszuscheiden. Geraten diese Vorgänge durch äußere oder körpereigene Einflüsse aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die Gesundheit.

Schulmedizin, Ernährungswissenschaft und Naturheilkunde vertreten in mancher Hinsicht unterschiedliche Meinungen darüber, wie der Säurehaushalt in Balance gehalten wird und wann von einer „Übersäuerung“ gesprochen wird. Der folgende Artikel wird dies, so gut wie möglich, berücksichtigen!

Der pH-Wert des Körpers

Der pH-Wert gibt an wie sauer oder alkalisch (basisch) eine Lösung ist. Er wird auf einer Skala von null bis 14 ausgedrückt. Der Wert sieben wird als neutral definiert. Alles darunter bezeichnet einen sauren Bereich, das heißt einen Überschuss an Säuren gegenüber Basen. Alles über sieben definiert eine Lösung als basisch.


Der pH-Wert des Blutes liegt zwischen 7,35 und 7,45 [1]. Das heißt, das Blut ist immer leicht alkalisch. Würde der Wert im Sinne einer „Übersäuerung“ in den tatsächlich sauren Bereich unter sieben fallen, so wäre dies mit dem Leben nicht vereinbar [2]. Werte anderer Bereiche des Körpers wie z. B. die der Haut oder des Magens liegen durchaus im sauren Bereich. Dies ist in diesem Falle wünschenswert. Die Säure der Haut stellt einen Säureschutzmantel dar, welcher gegen das Eindringen von Krankheitserregern schützt. Der Magen benötigt ein saures Milieu, um Keime abzutöten und Nahrung effektiv zu verdauen.
Da das Blut alle Zellen des Körpers erreicht, ist es von großer Wichtigkeit, dass dessen pH-Wert stabil gehalten wird. Dies ist nötig, um die Zellen und deren Stoffwechselvorgänge zu schützen.

 

Wie reguliert der Körper den Säurehaushalt?

Es bestehen drei Mechanismen, die den Säurehaushalt im Körper regulieren: die Ausscheidung von Säuren über die Nieren, das Abatmen von „flüchtigen“ Säuren (CO2) über die Lunge und ein sogenanntes Säure-Basen-Puffersystem im Blut [1].

Die Nieren nehmen hier eine herausragende Rolle ein. Wird im Körper durch unterschiedliche „Mess-Rezeptoren“ beispielsweise ein Überschuss an Säuren wahrgenommen, so reagieren die Nieren mit einer erhöhten Säure-Ausscheidung. Basen werden hingegen vermehrt im Körper gehalten, indem sie in den Nieren aus dem Urin in das Blut zurückgeführt werden. Säure und Basen sind chemische Gegenspieler, die einander neutralisieren können [3]. Durch mehr Basen im Körper, kann somit ein Überschuss an Säuren ausgeglichen werden.

Die Atmung kann nur in geringem Maße gesteigert oder minimiert werden, daher stellt sie zwar einen wichtigen Faktor dar, um Säuren abzuatmen, kann einen Überschuss oder Mangel an Säuren jedoch nur schwer kompensieren. Das Puffersystem im Blut kann überschüssige Säuren oder Basen „abpuffern“ und somit einen schnellen Anstieg oder Abfall des pH-Werts direkt „ausbalancieren“.

Wann liegt eine „Übersäuerung“ vor?

Durch bestimmte Einflüsse oder Krankheitsvorgänge kann es dazu kommen, dass die oben genannten Mechanismus überfordert oder funktionsunfähig sind. Die schulmedizinische Diagnostik orientiert sich vor allem an verschiedenen Parametern im Blut. Wenn das Blut pH-Werte unter 7,35 annimmt, so liegt eine Übersäuerung (dekompensierte Azidose) vor. Dies stellt einen gesundheitsgefährdenden Zustand dar und benötigt eine strenge medizinische Kontrolle! Auslöser für eine schwere Azidose können beispielsweise eine gestörte Atmung oder eine Nierenerkrankung sein.

Ein normaler pH-Wert ist jedoch nicht immer mit einem normalen Säurehaushalt gleichzusetzen, sondern zeigt nur an, dass die Kompensationsmechanismen noch funktionieren [1].

Die Ernährungswissenschaft und Naturheilkunde vertreten die Meinung, dass beispielsweise durch die Aufnahme von zu vielen Säuren über die Nahrung die natürlichen Puffermechanismen an ihre Grenzen geraten [3]. Folge ist keine bedrohliche Azidose, sondern eine dauerhaft unterschwellige Übersäuerung des Körpers. Diese Theorie konnte in schulmedizinischen Studien bewiesen werden: Eine Ernährung mit überwiegend säureliefernden Lebensmittel führt dazu, dass sich die Werte des Blutes in den unteren Bereich des noch gesunden Fensters (7,36–7,38) verschieben, ohne eine manifeste Azidose auszulösen [4].

Tipps für einen gesunden Säurehaushalt

Aus Sicht aller medizinischen Schulen ist eine gesunde Lebensführung wichtig, um den Säurehaushalt des Körpers in Balance zu halten. Dazu gehören eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und ausreichend Wasser [3]. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft fördert die Durchblutung, treibt den Stoffwechsel an, führt zu einer guten Sauerstoffversorgung des Körpers. All das unterstützt den Körper in seiner Aufgabe, Säuren aus dem Gewebe zu transportieren und diese auszuscheiden [3].

Personen mit einer Blutzuckerkrankheit, schwerem Nierenleiden, Muskelschwäche, die zu einer schwachen Atmung führt oder anhaltendem Durchfall, sind in Gefahr eine Azidose zu entwickeln [1]. Eine entsprechende Aufklärung durch den Arzt, über eine richtige Lebensführung und dem Erkennen von Warnsignalen ist daher sehr zu empfehlen!

Quellen

[1] G. Herold: Innere Medizin. Herold Verlag, 2010, S. 568 ff.

[2] S. Silbernagel, A. Despopoulos: Taschenatlas Physiologie. Thieme Verlag, 8. Auflage, 2012, S. 146.

[3] I. Hammelmann: Säure-Basen, kurz & bündig. Haug Verlag, 2007, S. 11, 14, 22, 26.

[4] I. Forrest Robey: „Examining the relationship between diet-induced acidosis and cancer“, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3571898/, 09.01.2016