Immer wieder liest und hört man von einer gesunden Ernährung, die vor allem auf basischen Lebensmitteln basiert und saure Lebensmittel eher vermeidet. Dem Verzehr von übermäßig vielen sauren Lebensmitteln und der dadurch entstehenden Übersäuerung des Körpers werden viele Zivilisationskrankheiten wie Gicht, Rheuma, Asthma oder Krebs zugeschrieben. Abhilfe könnte eine dreifach höhere Aufnahme von basenbildenden gegenüber säurebildenden Lebensmitteln verschaffen [1].

Doch was sind eigentlich saure oder basische Lebensmittel?

Säurebildende Lebensmittel müssen nicht geschmacklich sauer sein. Zum Beispiel gehört der Zitronensaft zu den basischen Lebensmitteln. Es geht vor allem darum, wie das Lebensmittel im Körper wirkt und welche Stoffe bei seinem Abbau entstehen. Bilden sich durch die Verstoffwechselung eher Säuren, handelt es sich um ein säurebildendes Lebensmittel, zum Beispiel Fleisch oder Fisch. Entstehen bei der Verstoffwechselung jedoch basische Stoffe oder wird der Körper selbst zur Basenbildung angeregt, wird von einem basenbildenden, also basischen Lebensmittel gesprochen.

Was sind saure Lebensmittel?

Saure Lebensmittel zeichnen sich in erster Linie durch einen hohen Eiweißgehalt aus, der die Säurebildung im Stoffwechsel verstärkt:

  • Fleisch, Wurstwaren
  • Fisch, Meeresfrüchte
  • Eier
  • Käse und Milchprodukte, außer Molke (basisch)
  • Brot
  • Nudeln
  • Getreideprodukte
  • Colagetränke: Neben dem hohen Zuckergehalt belastet der Phosphorsäuregehalt das Säure-Basen-Gleichgewicht.
  • Hülsenfrüchte, außer grüne Bohnen (basisch)
  • Alkohol
  • raffinierte Öle und tierische Fette
  • Industriekost und -getränke [2][3]

Die Auswirkungen von sauren Lebensmitteln

Bei einer chronischen Übersäuerung kann der Körper aufgrund unzureichender Pufferkapazitäten des Blutes und der Körperzellen die anfallenden Säuren und Giftstoffe nicht vollständig entfernen. Wird die Säurebelastung langfristig nicht kompensiert, kann sich dies negativ auf den Kalziumhaushalt und damit auch auf die Knochenstruktur auswirken [4]. Denn um die Säuren abzupuffern, entnimmt der Körper Kalzium aus dem Knochen und eine Osteoporose (Knochenschwund) kann entstehen [5]. Ist der Eiweißkonsum sehr hoch und die Kalziumzufuhr sehr niedrig, ist das Risiko dafür höher [6].

Der Körper verfügt nur über eine bestimmte Kapazität, Säuren zu neutralisieren. Ist diese erschöpft, weil zu viele Säuren zugeführt werden, werden die Säuren im Binde- und Fettgewebe zwischengelagert, um zu einem späteren Zeitpunkt neutralisiert und entsorgt zu werden. Werden dem Körper nun permanent Säuren zugeführt oder produziert er selbst immer mehr, ohne sie ausscheiden zu können, kann dies zu unterschiedlichen Beschwerden führen. Bindegewebe und Haut altern und erschlaffen vorzeitig. Faltenkönnen sich bilden und Cellulite kann entstehen. Auch das Blut wird saurer: Die flexiblen roten Blutkörperchen können starr und unverformbar werden und dadurch Schwierigkeiten bekommen, sich durch die kleinsten Blutgefäße zu zwängen. Dadurch können zum Beispiel kalte Hände und Füße entstehen. Säuren beeinflussen außerdem das vegetative Nervensystem, das für Herzschlag, Verdauung, Schlaf und Atmung verantwortlich ist. Die Folgen können beispielsweise Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit oder eine erhöhte Zahl an Stresshormonen sein [7].

Eine Übersäuerung kann eine Vielzahl an Hauterkrankungen verstärken oder mitverursachen, zum Beispiel Akne, Neurodermitis oder Ekzeme. Akne kann durch die verstärkte Hornschicht, die durch eine Übersäuerung des Gewebes verursacht wird, entstehen. Die Ausbreitung der Neurodermitis korreliert mit der Übersäuerung. Entzündungen sowie erhöhte psychische Belastungen bewirken eine vermehrte Säurebildung. Diese Säure muss der Organismus zusätzlich über die Haut ausscheiden. Offene Beine (Ulcus cruris) können ebenfalls auf eine Übersäuerung hindeuten, wenn die normalen Ausscheidungsorgane überlastet sind und der Körper versucht, die Säuren und Giftstoffe auf anderen Wegen loszuwerden.

Durch die Ausscheidung bildet sich ein saures Milieu auf der Haut und den Schleimhäuten und bietet ideale Bedingungen für die Besiedlung und Vermehrung von Pilzen. So können sich Mykosen (Pilzinfektionen) der Haut, Nägel, des Darms und der Scheide entwickeln.

Säureablagerungen führen erst dann zu spürbaren Beeinträchtigungen wie Schmerzen und Entzündungen, wenn die Säurespeicher nicht mehr ausreichen und sich die Salze als Kristalle in Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern, Bandscheiben, Nerven und Gefäßen ablagern. Säurekristalle können in den Muskeln abgelagert werden, was zu Verspannungen führen kann. Setzen sich die Kristalle in den Geweben oder innerhalb der Gelenke ab (Gicht), führt das zu heftigen Entzündungen, die nicht nur äußerst schmerzhaft sind, sondern auch die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Gelenke erheblich einschränken [8].

Tipps zum Umgang mit sauren Lebensmitteln

Es empfiehlt sich, saure bzw. säurebildende Lebensmittel möglichst immer mit basischen Lebensmitteln zu kombinieren, um die Säurebildung so gering wie möglich zu halten. Es gibt Lebensmittel, die zwar Säure bilden können, aber trotzdem sehr gesund sind. Dies ist zum Beispiel bei Nüssen, Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide der Fall. Diese „guten Säurebildner“ sollen im Gegensatz zu den „schlechten Säurebildnern“, die keine positiven Effekte verzeichnen, auch in eine hauptsächlich basische Ernährung integriert werden [9]. Auf „schlechte Säurebildner“, beispielsweise Softgetränke, Süßigkeiten, weißer Zucker, Farb- und Aromastoffe, Alkohol und Weißmehlprodukte, kann getrost verzichtet werden. Sie belasten den Stoffwechsel mehr als die „guten Säurebildner“ und sollten daher nur sehr begrenzt verzehrt werden. Fisch oder Fleisch können ruhig 2- bis 3-mal die Woche auf dem Speiseplan stehen. Isst der Betroffene dazu aber Berge von Nudeln, trinkt eine gesüßte Limo und gönnt sich hinterher ein Stück Kuchen, ist das ein Cocktail aus schlechten Säurebildnern und definitiv zu viel [10].

Quellen

  • [1] Kurt Widhalm: Ernährungsmedizin. Deutscher Ärzteverlag, 2009, S. 731.
  • [2] Jürgen Vormann: Säure-Basen-Balance. Gräfe und Unzer, 2014.
  • [3] „Nahrungsmitteltabelle“, http://www.saeure-basen-forum.de/pdf/IPEV-Nahrungsmitteltabelle.pdf, 09.01.2016
  • [4] „Säure-Basen-Forum: Häufige Fragen“, http://www.saeure-basen-forum.de/, 09.01.2016
  • [5] Robert Kopf: Osteoporose – Knochenschwund behandeln und vorbeugen mit Homöopathie und Schüsslersalzen (Biochemie): Ein homöopathischer, naturheilkundlicher und biochemischer Ratgeber. BookRix, 2015.
  • [6] Reiner Bartl: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie. Georg Thieme Verlag, 2010.
  • [7] Eva Dimmendaal: Borreliose: Das Selbsthilfe-Programm. Gräfe und Unzer, 2012.
  • [8] Christine Wahler: Natron: Das Milieu ist alles. Books on Demand, 2015.
  • [9] Andreas Wacker, Sabine Wacker: 300 Fragen zur Säure-Basen-Balance. Gräfe und Unzer, 2012.
  • [10] Sabine Wacker: Basenfasten – Das große Kochbuch: Gesund abnehmen und entschlacken mit über 170 Rezepten. Georg Thieme Verlag, 2014, S. 128–129.