Der Säure-Basen-Haushalt des Körpers ist ein komplexes System, das für die Aufrechterhaltung der Gesundheit von fundamentaler Bedeutung ist. Störungen dieses Systems sind meist schleichende Prozesse und machen sich zunächst durch relativ unspezifische Symptome bemerkbar. Die in der Bevölkerung am häufigsten vorkommende Entgleisung des Säure-Basen-Systems ist die Übersäuerung (Azidose). Die typischen Symptome sind Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen sowie Übelkeit und lassen den Betroffenen in der Regel zunächst nicht an eine Übersäuerung denken. Um das Säure-Basen-System im Gleichgewicht zu halten, empfehlen viele Ratgeber sich basenreich und besonders säurearm zu ernähren. Doch ist dies wirklich nötig oder handelt es sich hierbei um einen Irrglauben? Der folgende Artikel soll diese Frage klären und einen Überblick über basische Lebensmittel verschaffen [1].

Biologische Zusammenhänge

Das Säure-Basen-System des menschlichen Körpers muss stets im Gleichgewicht gehalten werden. Nur so kann es seine Aufgabe erfüllen: den pH-Wert des Blutes im Normbereich halten und anfallende Stoffwechselprodukte zu eliminieren. Der optimale pH-Bereich liegt zwischen 7,37 und 7,45. Ein pH-Wert über 7,45 verursacht das Krankheitsbild einer sogenannten Alkalose, da das Blut zu basisch wird. Ein Sinken des pH-Wertes unter 7,37 führt zu einer Übersäuerung des Blutes und es kommt zu einer Azidose. Die meisten sauren Stoffe entstehen durch den Stoffwechsel selbst und werden nicht mit der Nahrung aufgenommen. Um den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten, besitzt der Körper drei Regulationsmechanismen: Saure Stoffe können relativ schnell und sicher durch freie Pufferbasen abgepuffert werden. Diese befinden sich in einer großen Menge im Blut. Die Lunge leistet über die Abatmung von Kohlenstoffdioxid (CO2) ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Eliminierung von sauren Metaboliten. Zu guter Letzt kann die Niere durch die Ausscheidung von Säuren oder Basen in den Stoffwechsel eingreifen und helfen, das System im Gleichgewicht zu halten. Erkrankungen, die einen oder mehrere dieser Regulationsmechanismen einschränken, können daher zu einer dauerhaften Entgleisung des Säure-Basen-Haushalts führen [1][3].

 

Medizinische Fakten

Bei einer Übersäuerung unterscheidet man zwei Subtypen:

  • Respiratorische Azidose

Bei dieser Form der Übersäuerung wird zu wenig CO2 abgeatmet (Hypoventilation). Die Ursache hierfür ist meist eine unzureichende Kapazität der Lunge (respiratorische Insuffizienz). Durch die Anreicherung von CO2 im Blut wird das Säure-Basen-System aus dem Gleichgewicht gebracht. Der pH-Wert des Blutes sinkt in den sauren Bereich. Diese Form der Azidose kann sowohl akut als auch chronisch auftreten.

Typische Symptome sind Schwäche sowie Desorientiertheit bis zu Koma [1].

  • Metabolische Azidose

Die metabolischen Form der Übersäuerung ist bedingt durch eine zu niedrige Konzentration der basischen Ionenverbindung Bikarbonat im Blut. Aufgrund des Mangels an basischen Ionen, können die anfallenden sauren Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend abgepuffert werden. Der pH-Wert sinkt ab und es entsteht eine Azidose.

In der Regel zeigen metabolische Störungen ihre Auswirkungen langsamer als respiratorische. Sie können sowohl akut als auch in chronischer Form auftreten [1].

Die Azidose kann mittels einer Blutgasanalyse diagnostiziert werden. Dem Patienten wird hierzu peripheres arterielles Blut, meist aus dem Ohrläppchen, entnommen und analysiert. Der pH-Wert, die Teildrücke von Sauerstoff und CO2 sowie die Konzentration des Bikarbonats geben die entscheidenden Hinweise zur Diagnose [2].

Lebensmittel und Säure-Basen-Haushalt

Lebensmittel, die sauer schmecken, müssen im Körper nicht zwangsläufig auch sauer reagieren. Zitronen und Orangen beispielsweise schmecken zwar sauer, zählen aber zu den basischen Lebensmitteln. Dies liegt daran, dass im Körper das wirkt, was nach der Verdauung übrig bleibt und nicht das, was zunächst geschmeckt wird. Früchte haben z. B. durch die vielen enthaltenen organischen Säuren einen sauren Geschmack. Diese werden vom Körper jedoch schnell verstoffwechselt. Was bleibt, sind basische Mineralstoffe wie Magnesium und Kalium. Diese Mineralstoffe sind auch in großen Mengen in Gemüse und Salaten wie Rucola enthalten, weshalb diese Lebensmittel als basisch angesehen werden.

Lebensmittel wie Fleisch, Fisch oder Milch– und Getreideprodukte hingegen sind sehr proteinreich und enthalten viele saure Aminosäuren. Diese werden vom Körper unter anderem zu Sulfaten verstoffwechselt, welche mit Phosphor und Chlorid eine saure Wirkung im Körper entfalten.

In der heutigen Gesellschaft ist der Speiseplan von Fleisch-, Milch- und Getreideprodukten dominiert. Diese Lebensmittel wirken allesamt sauer. Ein gesunder Körper ist dennoch in der Lage durch seinen enormen Vorrat an freien Pufferbasen (Verhältnis 20:1), die anfallenden Säuren effektiv abzupuffern. Ob durch die falsche Ernährung eine Übersäuerung entstehen kann, ist nach wie vor ein kontrovers diskutiertes Thema. Das Konzept der basischen Ernährung ist dennoch sinnvoll, da mehr Obst und Gemüse, aber weniger Fleisch und Süßigkeiten auf dem Speiseplan stehen. Dies fördert eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, was letzten Endes dem ganzen Körper zugutekommt [4][5].

Übersicht basischer Lebensmittel

Der sogenannte PRAL-Wert gibt an, ob ein Lebensmittel sauer oder basisch auf den Körper wirkt. Ein positiver PRAL-Wert zeigt an, dass ein Lebensmittel sauer wirkt, ein negativer dementsprechend basisch. Hierbei ist zu beachten, dass der PRAL-Wert keine Aussage über den pH-Wert vor dem Verzehr macht [6].

 

Gemüse PRAL-Faktor Obst PRAL-Faktor Getränke PRAL-Faktor Andere PRAL-Faktor
Spinat -14,0 Rosinen -21,0 Orangensaft -2,9 Haselnüsse -2,8
Ruccola -7,5 Feigen (getrocknet) -18,1 Rotwein -2,4 Molke -1,6
Kohlrabi -5,5 Birne -2,9 Espresso -2,3 Konfitüre -1,5
Sellerie -5,2 Ananas -2,7 Mineralwasser -1,8 Brauner Rohrzucker -1,2
Karotten -4,9 Apfel -2,2 Kaffee -1,4 Margarine -0,5
Zucchini -4,6 Erdbeere -2,2 Weißwein -1,2 Honig -0,3
Kartoffeln -4,0 Traubensaft -1,0
Blumenkohl -4,0 Tee -0,3
Tomaten -3,1
Lauch -1,8
Eisbergsalat -1,6
Paprika -1,4
Broccoli -1,2
Gurken -0,8
Spargel -0,4

 

Quellen