Der Säure-Basen-Haushalt ist ein wichtiges Regulationssystem im Körper. Der Messwert für den Säuren-Basen-Haushalt ist der pH-Wert. Er gibt an, ob ein neutrales (pH-Wert 7), saures (pH-Wert <7) oder basisches (pH-Wert >7) Milieu vorliegt. Im Blut liegt der pH-Wert bei 7,4 und schwankt normalerweise nur in dem engen Bereich zwischen 7,35 und 7,45. Eine Übersäuerung (Azidose) liegt vor, wenn der pH-Wert im Blut unter 7,35 sinkt. Bei einem pH-Wert über 7,45 spricht man von einer Untersäuerung des Körpers (Alkalose). In beiden Fällen können Stoffwechselprozesse nur mehr eingeschränkt stattfinden, körperliche und psychische Beeinträchtigungen können folgen.

Medizinische Fakten

Obwohl der menschliche Körper durch verschiedene Puffersysteme und durch Lunge und Niere den Säure-Basen-Haushalt regulieren und dadurch den pH-Wert konstant halten kann, kann es zu einer dauerhaften Säureüberlastung kommen. Vor allem bei falscher Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, Umweltgifte und Stress kann es über Jahre hinweg zu einer chronischen Übersäuerung kommen. Zeichen einer Übersäuerung sind unter anderem Müdigkeit, Nervosität, geringere Belastbarkeit, Muskel- und Gelenkbeschwerden, mangelnde Spannkraft von Haut und Bindegewebe.

Bei einer chronischen Übersäuerung arbeiten alle Puffersysteme des Körpers zusammen; die Lunge atmet mit forcierter Atmung saures Kohlendioxid ab, Niere und Darm scheiden Säuren aus und die Haut sondert sauren Schweiß ab. Auch die Knochensubstanz wird abgebaut, da die gelösten Phosphate und Kalzium aus dem Knochenmaterial basisch wirken. Sind die Kapazitäten erschöpft, werden schließlich die Mineraldepots der Kopfhaut angegriffen. Die Mineralstoffe dienen dabei der Säureneutralisation. Dem Haarboden werden wichtige Mineralstoffe entzogen, die Haarwurzeln werden durch den Mineralstoffmangel total unterversorgt, zudem lagern sich sogenannte Schlacken (neutralisierte und abgelagerte Säuren) im Haarboden ab. Der Mineralstoffmangel und die Verschlackung des Haarbodens lassen die Haarwurzeln verkümmern, die Haare wachen nicht mehr nach und fallen schließlich aus.

Behandlung

Eine chronische Übersäuerung entwickelt sich meist über mehrere Jahre durch eine ungesunde und unausgewogene Lebensweise. Da die chronische Übersäuerung eine lange Zeit unbemerkt stattfindet, spricht man auch von einer latenten Übersäuerung. Um die Ursachen einer Übersäuerung zu beseitigen, kann eine Ernährungsumstellung hilfreich sein. Ob ein Nahrungsmittel säure- oder basenbildend ist, kann man nicht schmecken. Jedoch können die Stoffwechselprodukte, die bei der Verwertung der Nahrung entstehen sauer oder basisch sein. Werden vermehrt säurebildende Nahrungsmittel gegessen, fallen saure Stoffwechselprodukte an, die der Körper versucht über die Nieren auszuscheiden. Um eine chronische Übersäuerung zu diagnostizieren, ist deshalb eine Blutprobe wenig sinnvoll, da durch den Säure-Basen-Haushalt der pH-Wert im Blut konstant gehalten wird. Vielmehr kann eine Messung des pH-Wertes im Urin hilfreich sein.

Säurebildende Nahrungsmittel sollten weniger oft gegessen werden:

  • Fleisch- und Wurstwaren, Fisch, Innereien, Milchprodukte, Eier und Hülsenfrüchte.
  • Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Schwarztee und Cola.
  • Süßigkeiten, gesüßte Getränke und Weißmehlprodukte.
  • Nikotin und Alkohol.
  • Zusatzstoffe in vorgefertigte Nahrungsmittel (beispielsweise Konservierungsmittel und Emulgatoren).

Auf säurebildende Lebensmittel sollte jedoch nicht vollständig verzichtet werden, da sie wichtige Bestandteile wie Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Basenbildende Nahrungsmittel sind beispielsweise Obst, Gemüse, Kartoffel, Kohl und Salat. Ein Verzehr von fünf Portionen Obst und Gemüse täglich kann helfen einer Übersäuerung entgegenzuwirken.

Mithilfe einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge können die Nieren saure Stoffwechselprodukte ausscheiden. Dabei wird eine Trinkmenge von zwei Litern in Form von stillem Wasser oder ungezuckerten Kräutertees empfohlen.

Auch Bewegungsmangel kann eine Übersäuerung fördern. Bei einer moderaten körperlichen Belastung wird tiefer geatmet, der Körper wird somit mit mehr Sauerstoff versorgt und das saure Kohlendioxid kann vermehrt abgeatmet werden. Zusätzlich wird durch das Schwitzen vermehrt saurer Schweiß abgesondert. Eine körperliche Belastung kann einer Darmträgheit entgegenwirken und somit zu einer vermehrten Ausscheidung von sauren Stoffwechselprodukten führen.

Bei Stress und Dauerbelastung werden vermehrt körpereigene Stresshormone ausgeschüttet, bei deren Verarbeitung ebenfalls Säuren anfallen können. Wenn möglich sollte deshalb Stress und Ärger vermieden werden.

Diese Maßnahmen können bewirken, dass weniger Säuren aufgenommen werden, vermehrt Säuren neutralisiert und ausgeschieden werden und so einem Haarausfall entgegenwirken. In vielen Fällen wird eine chronische Übersäuerung jedoch nur langsam abgebaut.

Zu beachten

Es bestehen gravierende Unterschiede zwischen einer chronischen und akuten Übersäuerung. Eine chronische Übersäuerung entsteht über mehrere Jahre durch falsche Ernährungsgewohnheiten und ungesunden Lebensstil. In den meisten Fällen kann diese durch eine Ernährungsumstellung und Anpassung der Lebensgewohnheiten behoben werden. Eine akute Azidose ist meist die Folge von Diabetes oder einer bestehenden Erkrankung der Lunge oder Niere. Sie ist lebensbedrohlich und sollte immer von einem Arzt behandelt werden. Symptome einer akuten Azidose sind unter anderem Blaufärbung der Lippen, Atemnot, Herz-Kreislauf-Störungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen.

Quellen