Übersäuerung (Azidose) ist eine Verschiebung des Säure- Basen- Haushalts. Gemessen wird dieses Gleichgewicht über den pH- Wert im Blut. Ein pH- Wert von 7,4 zeigt, dass Säuren und Basen im Gleichgewicht stehen, wobei die Basen immer leicht überwiegen. Sinkt der pH- Wert auf unter 7,35 liegt eine Übersäuerung vor.

Die chronische Azidose, bei der überschüssige Säuren im Bindegewebe akkumulieren, steht meist im Zusammenhang mit einer eingeschränkten Nierenfunktion. Die Niere ist dann nur bedingt in der Lage, Säuren über den Urin auszuscheiden (eliminieren). In diesem Fall kann durch eine erhöhte Zufuhr von säurebildenden Nahrungsmitteln, z. B. Milchprodukten, eine chronische Übersäuerung beschleunigt werden.

Medizinische Fakten

Gesunde Menschen können eine erhöhte Säurezufuhr (Protonen), beispielsweise nach einer säurelastigen Mahlzeit (z. B. Milch, Eier, Fleisch, Alkohol) durch die im Körper herrschenden Puffersysteme (Bicarbonatsystem) neutralisieren. Die gebildeten Protonen werden an körpereigene Pufferbasen (Bicarbonat) gebunden und anschließend in Form von Phosphat und Ammonium über die Niere ausgeschieden, ebenso entsteht dabei flüchtiges Kohlendioxid, welches über die Lunge abgeatmet wird. Auf diesem Weg stellt der Körper sicher, dass die Basenkonzentration und somit der pH-Wert konstant bei 7,4 bleibt und es nicht zu einer Übersäuerung kommt.

Bei bestimmten Krankheiten, z.B. eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), entgleiste Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann es sein, dass dieses Puffersystem nicht mehr einwandfrei funktioniert. Die betroffenen Personen weisen dann eine erniedrigte Bicarbonatkonzentration auf und können Säuren schlechter neutralisieren und ausscheiden. Die Folge ist eine Übersäuerung des Körpers (metabolische Azidose).

Symptome, die auf eine Übersäuerung hindeuten können:

  • übermäßige und vertiefte Atmung (Hyperventilation)

Auf diesem Weg wird versucht, über die Lunge vermehrt das saure Kohlendioxid abzuatmen um der Azidose entgegenzuwirken.

  • Knochenbrüche, Osteoporose

Ein übersäuerter Körper versucht alle „basischen Reserven“ zu mobilisieren, die ihm zu Verfügung stehen, dazu zählt unter anderem das Calcium in den Knochen. Es wird herausgelöst, um die überschüssigen Säuren zu neutralisieren, das wiederum schwächt die Stabilität der Knochen und die Knochendichte sinkt. Wird dieser Zustand über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten, steigt das Risiko Osteoporose zu entwickeln und Knochenbrüche zu erleiden an.

  • Verminderte Leistungsfähigkeit

Durch eine chronische Übersäuerung ist es möglich, dass der Kaliumspiegel im Blut steigt. Das kann unter Umständen zu Herzrhythmusstörungen und Muskelzuckungen führen. Es kommt zu einer verminderten Leistungsfähigkeit, zu Konzentrationsstörungen und Schwindelanfällen.

Behandlung

Allgemeine Maßnahmen

Welche Maßnahmen sind sinnvoll um einer Übersäuerung entgegenzuwirken?

Hier muss ausdrücklich erwähnt werden, dass gesunde Menschen durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung (u.a. viel Obst, rohes Gemüse, frisch zubereitete Speisen und sparsamer Umgang mit Proteinen), ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige körperliche Betätigung im Allgemeinen keine Gefahr laufen zu „übersäuern“.

Personen mit den beschriebenen Symptomen sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen, um eine adäquate Behandlung zu erhalten. Im Vordergrund steht primär die Grunderkrankung zu therapieren. Dadurch wird der Körper meistens wieder von selbst in der Lage sein, das Problem der Übersäuerung zu regulieren. In manchen Fällen ist es aber nötig, den Körper bei der Regulierung der Übersäuerung durch Einnahme von Basentabletten wie Natriumbicarbonat zu unterstützen; dies sollte immer nur in Absprache mit einem Arzte erfolgen.

Zusätzlich sollte auf eine basenreiche Ernährung geachtet werden, um die Niere zu entlasten. So genannte basische Lebensmittel können sein: Mandeln, Sesam, Kürbis, Löwenzahn, Ruccola, Brennnesseln, Reis, Avocado, Karotten, Bananen, Äpfel, Papaya, trocken Früchte.

Säurebildende Nahrungsmittel, wie Milchprodukte, Fleisch, Alkohol, Eier und alle Produkte mit einem hohen Weizenmehlanteil, sollten in Maßen konsumiert werden.

Hausmittel /Anwendungen

Einige Hausmittel können hilfreiche sein, den Körper bei der Entsäuerung zu unterstützen.

Brennnesseltee

bei Übersäuerung durch Nierenleiden

  • harntreibende Wirkung, unterstützt die Ausscheidung von Säuren

Anwendung und Dosierung:

  • frische Brennnesselblätter sammeln, waschen, Stiele abbrechen und die Blätter nach Belieben kleinhacken
  • 1- 2 EL in eine Tasse geben, anschließend heißes noch kochendes Wasser aufgießen
  • 10-15 Min. ziehen lassen, vor dem Trinken die Blätter mit einem Löffel heraus nehmen
  • 3 Tassen pro Tag, wobei die erste Tasse vor dem Frühstück eingenommen werden sollte

Basisches Bad

bei verminderter Leistungsfähigkeit durch Übersäuerung

  • hilft die Muskulatur zu entspannen
  • sehr einfache Anwendung

Anwendung und Dosierung:

  • heißes Bad einlassen
  • 3- 4 EL Speisenatron und ca. 100 g Meersalz hinzufügen
  • empfehlenswert je nach Symptomatik 1- 2 Mal pro Woche

Nieren- Ingwer- Wickel

bei Übersäuerung durch eine eingeschränkte Nierenfunktion

  • fördert die Durchblutung der Niere
  • Ausscheidungsvermögen der Niere wird verbessert
  • Entgiftungsleistung steigt und überschüssige Säuren werden besser eliminiert

Anwendung und Dosierung:

  • ein ca. walnussgroßes Stück Ingwerknolle klein mahlen
  • mit etwas heißem Wasser übergießen und rühren, sodass ein dünnflüßiger Ingwerbrei entsteht
  • Baumwolltuch in den Ingwerbrei tränken und auswringen
  • das Tuch auf die Nieren legen (Vorsicht, nicht dass es zu heiß ist!)
  • über das warme Baumwolltuch ein zweites gleichgroßes, trockenes Tuch legen
  • anschließend in Rückenlage mit einer Wolldecke zudecken
  • 30 Min. ruhen
  • Wickel entfernen und weitere 30 Min. zugedeckt ruhen
  • im Anschluss darauf achten, über den Tag verteilt zusätzlich zur normalen Trinkmenge ca. 500- 800 ml Wassser trinken
  • die Wickel sollten über einen längeren Zeitraum (ca. 4 Wochen) regelmäßig durchgeführt werden

Zu beachten

Vor einer Übersäuerung (metabolische Azidose) können vor allem Patienten mit einer Niereninsuffizienz, einem nicht eingestellten Diabetes mellitus und chronischem Durchfall (Diarrhö) betroffen sein. Diese Patienten sollten sich grundsätzlich in medizinische Behandlung begeben.

Die hier beschriebene Behandlung bezieht sich auf das Krankheitsbild einer metabolischen Azidose; unbedingt zu beachten ist, dass es noch weitere Formen der Übersäuerung gibt, beispielsweise die respiratorische Azidose. Hier wird die Übersäuerung durch eine gestörte Kohlenstoffdioxid- Abatmung verursacht. Betroffene Personen können Asthmatiker oder Menschen mit einer chronischer Bronchitis sein. Bei dieser Form der Übersäuerung erfolgt grundsätzlich eine andere Behandlung; manche Maßnahmen, z.B. das Zuführen von Bicarbonat, ist bei dieser Form der Azidose sogar kontraindiziert! Daher ist es unabdingbar, bei bestehenden Symptomen schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen, um eine konkrete Diagnose und eine geeignete Therapie stellen zu lassen!

Quellen