Bei einer Übersäuerung im Blut (Azidose) kommt es zu einem Absinken des pH-Werts des Blutes, der normalerweise im neutralen Bereich (7,35 – 7, 45) liegt. Ursachen dafür sind Veränderungen des Stoffwechsels oder der Atmung. Grundsätzlich kommen Störungen des Säure-Basenhaushaltes relativ häufig vor und haben – je nach Schweregrad der Ausprägung – unterschiedliche Auswirkungen. Ob bereits eine Vorstufe der messbaren Übersäuerung des Blutes (latente metabolische Azidose) durch gezielte Ernährung und bestimmte Lebensmittel beeinflussbar ist, wird kontrovers diskutiert.

Metabolische und respiratorische Azidose

Eine Übersäuerung bei Stress entwickelt sich häufig schleichend. Die Symptome können sehr unspezifisch sein und werden oftmals nicht mit einer Übersäuerung des Körpers in Zusammenhang gebracht. Betroffenen klagen zum Beispiel über Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder eine generelle Antriebslosigkeit. Auch können Veränderungen an Haaren oder der Haut auftreten. Der Grund sind gestörte Stoffwechselvorgänge, die durch einen gestörten Säuren-Basen-Haushalt verursacht werden.

Damit der menschliche Körper optimal funktionieren kann, benötigt er den richtigen pH-Wert. Dieser wird auf einer Skala von 0 bis 14 gemessen. Ein Wert von 7 gilt als neutral, Werte darunter als sauer und Werte darüber als basisch. Der ideale pH-Wert des Blutes liegt bei 7,4, also im basischen Bereich. Schon geringe Abweichungen können körperliche Schäden hervorrufen. Eine Übersäuerung, medizinisch auch Azidose genannt, kann verschiedene Ursachen haben. Eine davon kann Stress sein.

Symptome einer Übersäuerung im Blut

Bei der metabolischen Azidose entstehen Symptome in den Bereichen Herz, Atmung und Nervensystem: Das Atemvolumen verstärkt sich (Kussmaul-Atmung), der Herzschlag kann sich verändern, Kopfschmerzen und Lethargie können auftreten. Kennzeichnend bei Diabetikern ist oft ein fruchtiger Azetongeruch aus dem Mund. In schwerwiegenden Fällen kommt es zum Koma. Bei einer respiratorischen Azidose zeigen sich häufig blaue Lippen und zunehmende Atemnot sowie ein Anstieg der Herzfrequenz. Auch Angstzustände, Psychosen und Halluzinationen können auftreten. In milderen Fällen zeigen sich Schlafstörungen, Koordinationsprobleme, Gedächtnisverlust, aber auch Störungen der Bewegung, wie Zittern und Zuckungen.

Diagnose

Die Azidose wird durch eine Blutgasanalyse festgestellt. Dabei werden verschiedene Parameter im Blut gemessen: der Partialdruck von Sauerstoff und Kohlendioxid, der pH-Wert und das Säure-Basen-Verhältnis. Meist wird dazu arterielles Blut (z. B. aus dem Ohrläppchen) verwendet.
Zusätzliche Untersuchungen, wie Lungenfunktionstests, sind bei einer respiratorischen Azidose sinnvoll.

Risiken

Ohne gezielte ärztliche Behandlung kann eine Azidose schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Behandlung

Die metabolische Übersäuerung im Blut wird entsprechend ihrer Ursachen therapiert: Beim diabetischen Patienten wird im allgemeinen Insulin verabreicht – meist ergänzt durch Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr -, wodurch eine schnelle Erholung erreicht wird. Bei Nierenpatienten ist häufig eine Dialyse erforderlich.
Eine respiratorische Azidose wird zunächst durch eine Unterstützung der Atmung behandelt (z. B. mechanische Beatmung). Bei chronischen Formen ist die Verbesserung der Lungenfunktion manchmal durch Verzicht auf Rauchen, Physio- und Sauerstofftherapie und unterstützende Medikamente möglich.

Quellen

Fauci, Braunwald et al.: Harrisons innere Medizin