Bei einer Übersäuerung (Azidose) liegt ein erniedrigter pH-Wert im Blut vor. Der normale pH-Wert des Blutes bewegt sich zwischen 7,37 und 7,45. Der Säure-Basen-Haushalt des Körpers kann Schwankungen um diesen Bereich ausgleichen. Vor allem die Lunge und die Nieren haben dabei wichtige regulatorische Funktionen. Sind aber zu viele Säuren vorhanden, kann der pH-Wert sinken und eine Übersäuerung entstehen. Diese kann verschiedene Symptome hervorrufen [1]. Im Folgenden wird auf die entstehenden Beschwerden und deren Behandlung näher eingegangen.

Welche Symptome treten bei einer Übersäuerung auf?

Die Entstehungsarten einer Übersäuerung des Körpers werden in zwei Untergruppen unterteilt. Zum einen können metabolische Ursachen, d. h. den Stoffwechsel betreffende, der Azidose zugrunde liegen. Zum anderen ist eine respiratorische, d h. die Atmung betreffende, Form der Azidose bekannt. Entsprechend unterscheiden sich auch die Beschwerden.

Die Symptome einer metabolischen Azidose können vielfältig sein und sind nicht in jedem Fall spezifisch für eine Blutübersäuerung. Eine vertiefte, schnelle Atmung (Kußmaul-Atmung) ist möglich. Der Körper versucht dabei, die angefallenen Säuren über die Lunge abzuatmen. Weiterhin können Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Übersäuerung hemmt möglicherweise die Kontraktionskraft der Herzmuskulatur. Außerdem reagiert das Gehirn auf den veränderten pH-Wert. Dabei können Symptome wie Müdigkeit bis hin zum Koma vorkommen. Auch der Kaliumspiegel des Blutes kann durch die Azidose erhöht sein (Hyperkaliämie) [2]. Zu viel Kalium im Blut bewirkt in einigen Fällen einen veränderten Herzrhythmus [3]. Liegt eine chronische Form der metabolischen Azidose vor, kann ein erhöhter Knochenabbau (Osteoporose) die Folge sein. Kalzium wird aus dem Knochen gelöst, um die erhöhte Säure im Blut zu senken [2].

Anzeichen für eine respiratorische Azidose können denen der metabolischen Azidose ähneln. Jedoch ist in diesem Fall die Abatmung der Säureprodukte nicht möglich [4]. Daher ist hier der erhöhte Anteil von Kohlendioxid (CO2) im Blut wegweisend. Das Gehirn reagiert sehr empfindlich auf die erhöhte CO2-Konzentration. Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Angst sind mögliche Symptome. Da bei der respiratorischen Azidose eine Störung der Lungenfunktion vorliegt, treten in einigen Fällen auch Atemnot und eine Blaufärbung der Lippen und des Gesichtes auf. Die chronische Form kann zu Bluthochdruck und einer Herzbelastung führen [5].

Wie wird eine Übersäuerung behandelt?

Die Behandlung einer Azidose sollte immer in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Sollten oben genannte Beschwerden vorliegen, muss ebenfalls umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Sowohl bei der respiratorischen als auch bei der metabolischen Übersäuerung sollte die Grunderkrankung erkannt und behandelt werden. In einigen Fällen ist allein dadurch eine Normalisierung des Säure-Basen-Haushalts möglich. Der pH-Wert und weitere Blutparameter sowie der Kaliumwert sollten dabei überwacht werden [6]. Bei bestimmten Formen der metabolischen Azidose kann die Gabe von Bikarbonat überschüssige Säure neutralisieren. Eine mögliche Einnahme dieses Arzneimittels sollte aber nur auf Anraten eines Arztes erfolgen [7].

Liegt eine respiratorische Übersäuerung vor, muss eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleistet werden. Auch hier sollte die Grunderkrankung therapiert werden [7].

Quellen

  • [1] Gerd Herold: Herold – Innere Medizin. Verlag Gerd Herold, 2015, S. 589–592.
  • [2] Martin Wehling: Klinische Pharmakologie. Thieme Verlag, 2011, S. 165–166.
  • [3] Wolfgang Gerok, Christoph Huber, Thomas Meinertz, Henning Zeidler: Innere Medizin – Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer Verlag, 2007, S. 818.
  • [4] Berthold Block: Facharztprüfung Innere Medizin. Thieme Verlag, 2012, S. 425.
  • [5] Alexander Bob, Konstantin Bob: Innere Medizin Sonderausgabe. Thieme Verlag, 2001, S. 587.
  • [6] Eric Klingelhöfer, Cajus Wacker: Endspurt Klinik Innere und Chirurgie. Thieme Verlag, 2013, S. 144.
  • [7] Jürgen Schölmerich: Medizinische Therapie 2005/2006. Springer Verlag, 2005, S. 971.