Der Säure-Basen-Haushalt des Körpers hat Einfluss auf nahezu alle Stoffwechselprozesse. Nur wenn ein ausgewogenes Gleichgewicht von sauren und basischen Stoffen herrscht, können körpereigene Eiweißstoffe alle Körperfunktionen ausführen. Das Säure-Basen-Gleichgewicht lässt sich mit Hilfe des sogenannten pH-Wertes darstellen (pH – pondus Hydrogenii). Ein pH-Wert unter 7 charakterisiert Säuren, ein pH-Wert über 7 definiert eine Base. Im Normalfall liegt der pH-Wert im menschlichen Blut zwischen 7,37 und 7,45. Das heißt, das Säure-Basen-Gleichgewicht liegt normalerweise leicht im basischen Bereich. Eine Übersäuerung (Azidose) zeichnet sich durch einen pH-Wert unter 7,37 aus [1][2]. Der folgende Artikel informiert über die Möglichkeit zur Testung einer möglichen Übersäuerung.

Beeinflussbarkeit des pH-Wertes

Der pH-Wert im Körper ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren. Maßgeblich wird er durch verschiedene Blutsalze, gelöste Atemgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2) und Protonen (Wasserstoff) bestimmt. Das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen wird durch die Atmung sowie den Stoffwechsel reguliert. Dementsprechend können beispielsweise Stresssituation eine Übersäuerung verursachen. Stress kann sowohl in psychischer Form auftreten als auch durch körperliche (Über-) Belastung oder Krankheit [2]. Speziell im Rahmen der Alternativmedizin wird auch der alltäglichen Ernährung ein entscheidender Anteil am Gleichgewicht von Säuren und Basen im Körper zugeschrieben [3].

Die Übersäuerung (Azidose) testen lassen

Der pH-Wert lässt sich im Blut testen. Am besten eignet sich dazu arterielles Blut, da dieses am Anfang des Blutkreislaufs noch nicht bei den Organen des Körpers angelangt ist. Arterielles Blut ist im Gegensatz zum venösen Blut noch nicht mit den Abbauprodukten der Organe sowie reichlich saurem Kohlenstoffdioxid beladen. Arterielles Blut kann beispielsweise am Handgelenk aus der Speichenschlagader gewonnen werden. In Schlagadern pulsiert das Blut mit großem Druck. Daher ist eine Blutentnahme hier nur durch geschultes medizinisches Personal zu empfehlen. Zudem besteht bei jeder Blutentnahme unter hygienisch nicht einwandfreien Bedingungen das Risiko für eine Infektion. Aus einer Schlagader gewonnenes Blut kann dann in einem sogenannten Blutgas-Analysegerät auf Übersäuerung und weitere Messwerte untersucht werden. In der Regel reichen wenige Milliliter frischen Blutes und das Ergebnis liegt innerhalb weniger Minuten vor. Technisch gesehen handelt es sich bei einem Blutgas-Analysegerät um ein Kombinationsmessgerät. Mit Hilfe verschiedener Messsonden werden in erster Linie der pH-Wert ermittelt sowie auch der Anteil des im Blut gebundenen Sauerstoffs und des Kohlenstoffdioxids (Atemgase). Über spektroskopische Verfahren, die sich das Licht-Brechungsverhalten bestimmter Stoffe zunutze machen, können weitere Messwerte im Blut bestimmt werden [4]. Die Blutgasanalyse ist der einzige medizinisch verlässliche Übersäuerungstest.

Auswirkungen einer Übersäuerung

Das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper bewegt sich in aller Regel in einem sehr engen Bereich um das Idealmaß von pH 7,4. Bereits sehr geringe Schwankungen von 0,2–0,4 machen sich oft bemerkbar und können einen Hinweis auf eine Übersäuerung geben. Typische Beschwerden einer Übersäuerung sind ein abnehmendes Wohlbefinden, Konzentrationsstörungen oder Müdigkeit. Diese Anzeichen sind jedoch sehr unspezifisch, sodass die Erkennung eines möglichen Zusammenhangs mit einer Übersäuerung kompliziert ist.

Bei einer sehr schweren Übersäuerung mit einem pH von 7,2 oder tiefer sind Luftnot, Atmungsstörungen sowie ein kompletter Bewusstseinsverlust möglich. Die Behandlung solcher lebensgefährlichen Zustände sollte im Krankenhaus erfolgen [5].

Tipps zur Selbsthilfe

Bei unsicheren Übersäuerungs-Beschwerden wie Konzentrationsschwäche kann oft eine gezielte Stressreduktion mit Entspannungstechniken wie der Muskelrelaxation nach Jacobsen Linderung verschaffen [6]. Alternativmedizinisch kann auch eine Ernährungsanpassung unter Beachtung sogenannter basischer oder gegebenenfalls saurer Lebensmittel in Erwägung gezogen werden [3]. Sollten die Beschwerden jedoch ohne plausible Erklärung länger als etwa eine Woche anhalten, besonders stark sein oder an Intensität deutlich zunehmen, ist eine genaue ärztliche Untersuchung generell zu empfehlen.

Die gemachten Angaben sind gewissenhaft recherchiert, können den Rat eines Arztes jedoch nicht ersetzen.

Quellen

  • [1] Thomas DuBose et al.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag, 2012, S. 391 ff.
  • [2] Rainer Klinke et al.: Physiologie. Thieme, 2010, S. 316 ff.
  • [3] Sabine Waker, Andreas Wacker: Allergien: endlich Hilfe durch Basenfasten. Haug Verlag, 2004, S. 52 ff.
  • [4] Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. Springer Verlag, 2014, S. 827 ff.
  • [5] Gerd Herold: Innere Medizin. Gerd Herold Verlag, 2015, S. 589 ff.
  • [6] Adalbert Olschewski: Progressive Muskelentspannung: Streßbewältigung und Gesundheitsprävention mit klassischen und neuen Übungen. Haug Verlag 1996, S. 60 ff.