Permanente hohe, pfeifende Töne in den Ohren sind unangenehm und lästig. Diese Erscheinungen werden als Tinnitus bezeichnet. Was genau unter einem Tinnitus zu verstehen ist, wie er entsteht und was eine Übersäuerung in diesem Kontext für eine Rolle spielen kann, zeigt der folgende Text.

Medizinische Fakten

Tinnitus aurium (sog. Klingeln in den Ohren oder Ohrensausen) sind Ohrgeräusche, die von der betroffenen Person subjektiv wahrgenommen, jedoch durch keine äußerliche Schallquelle hervorgerufen werden. Sie können sich als sehr hohe pfeifende Töne äußern und viele Ursachen haben. Bei komplexen Hörstörungen sind sie meistens ein Hauptsymptom. Sie können aber auch ganz alleine ohne weitere Krankheitserscheinungen auftreten und werden dann nicht mehr als Symptom, sondern als Syndrom bezeichnet.

Die Ursachen von Klingeln in den Ohren können sehr verschieden sein. Wenn die Geräusche nur wenige Minuten anhalten, wurden sie meist durch ein lautes Geräusch ausgelöst und vergehen von alleine. Wenn die Geräusche mehrere Tage andauern, deutet das auf eine komplexere Störung des Gehörs hin. Oft ist die Ursache dann im Innenohr zu finden.

Bei Störungen des Innenohrs tritt ein Tinnitus oft gemeinsam mit Schwerhörigkeit (Hypakusis) und Bewegungsschwindel (Vertigo) auf. Das Innenohr (Corti-Organ) ist der Ort, an dem der Schall verarbeitet und dann ins Gehirn weitergeleitet wird, also der Ort, an dem Geräusche für den Menschen auch wirklich hörbar werden.

Die Schallweiterleitung erfolgt im Innenohr über eine nährstoffreiche Flüssigkeit (Lymphe), die durch Schwingung kleinste Haarzellen (Stereozilien) in Bewegung setzt. Diese Härchen leiten den Schall dann ins Gehirn weiter, wo er zu einem wahrnehmbaren Geräusch verarbeitet wird. Das Innenohr kann auch Informationen über Lage und Bewegungen des gesamten Körpers an das Gehirn weitergeben, da die Flüssigkeit bei Bewegungen zu schwingen beginnt und die Haarzellen erregt werden. Eine Störung im Innenohr bewirkt deshalb oft nicht nur subjektive Hörschäden, sondern auch Schwindel.

Störungen im Innenohr können unter anderem entweder die Haarzellen selbst oder die nährstoffreiche Flüssigkeit betreffen. Es wird in Fachkreisen diskutiert, dass eine Entgleisung des Säure-Basen-Haushalts des Körpers, bedingt durch falsche Ernährung oder diverse Erkrankungen, die Ursache für eine Änderung der Zusammensetzung der Flüssigkeit im Innenohr sein könnte. Nach einer bereits mehrmals publizierten Theorie hat die Flüssigkeit bei Übersäuerung des Körpers (Azidose) nicht mehr das richtige Verhältnis zwischen Nährstoffen und Wasser und kann den Schall deshalb nicht mehr richtig weiterleiten. Weil die Haarzellen nun keine Schwingungen mehr empfangen, erzeugen sie diese selbst und so kommt es zu subjektiv wahrgenommenen Ohrgeräuschen.

Viel häufiger wird der Tinnitus allerdings durch eine Durchblutungsstörung des Innenohrs ausgelöst, wodurch die Haarzellen nicht mehr richtig versorgt werden und falsche Signale ans Hirn weiterleiten. Die genauen Auslöser für einen langanhaltenden Tinnitus sind oft unbekannt.

Behandlung

Nachdem der Tinnitus verschiedenste Ursachen haben kann, gibt es keine generell wirksame Therapie. Je nachdem, wo die Schädigung liegt, muss gezielt therapiert werden. Beispielsweise können durchblutungsfördernde Arzneimittel einen Tinnitus, der durch Durchblutungsstörungen ausgelöst wurde, abschwächen; bei einem Tinnitus durch Übersäuerung wären sie aber wirkungslos. Welche Therapie die richtige ist, entscheidet der Facharzt durch spezifische Gehörtests.

Ohrensausen, das durch Lärm ausgelöst wurde, vergeht meistens nach wenigen Tagen von selbst.
Um das lästige Geräusch abzuschwächen, wird geraten, extrem laute Geräusche und komplette Stille zu vermeiden.

Zu beachten

Bei subjektiven Ohrgeräuschen, die über mehrere Tage hindurch bestehen, sollte unbedingt ein Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde aufgesucht werden. Störungen im Innenohr können nur vorübergehend sein oder zu permanenten Schäden mit Hörminderung führen. Deshalb ist bei Begleitsymptomen wie Schwindel ein Arztbesuch dringend anzuraten.

Quelle

  • Dietmar Thurnher, Matthäus Grasl, Boban Erovic, Piero Lercher: HNO-Heilkunde. Springer, 2011, S. 264–265.
  • Gerhard Hesse: Tinnitus. Georg Thieme Verlag, 2008, S. 9.
  • Rudolf Probst, Gerhard Grevers, Heinrich Iro: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Georg Thieme Verlag, 2008, S. 149, 154.
  • Friedrich Anderhuber, Franz Pera, Johannes Streicher: Waldeyer – Anatomie des Menschen. De Gruyter, 2012, S. 929–944.