Wenn bereits die medizinische Benennung einer Störung der Körperfunktionen nicht eindeutig ist, sind Irrtümer und Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert. Eines aber ist klar: Eine Übersäuerung im Magen ist spürbar. Sie zieht Sodbrennen nach sich. Eine chronische Azidose verläuft hingegen schleichend und ohne offensichtliche Beschwerden.

Meinungsvielfalt ist wichtig

In der Medizin ist es nicht ungewöhnlich, dass unterschiedliche Meinungen existieren. Die Inhalte dieser Website basieren weniger auf empirischen Meinungen der Erfahrungsheilkunde, sondern auf evidenzbasierten medizinischen Studien. In der Erfahrungsheilkunde werden „Meinungen“ verbreitet, auf die sich der Volksmund beruft, aber auch manche Ärzte seit langer Zeit stützen. Das muss nicht falsch sein, grenzt sich aber von der evidenzbasierten Medizin ab. Darunter versteht man eine faktenorientierte medizinische Praxis, die sich auf zahlreiche wissenschaftlich abgesicherte Studien beruft. Die „Erkenntnisse“ der Erfahrungsheilkunde halten sich oft länger und sind populärer als medizinische Fakten. Beispielsweise ist vielfach immer noch zu lesen, dass Muskelkater die Folge einer Ansammlung von Milchsäure sei, wie es der einstige Stand der Forschung besagte. Neuere Studien zeigen jedoch, dass Mikrofaserrisse die eigentliche Ursache eines Muskelkaters sind und ein Überschuss an Milchsäure im Sport zwar eine wichtige Rolle spielt, nicht aber beim Muskelkater.

Lesen Sie hier die häufigsten Irrtümer zum Thema Übersäuerung:

  1. Wir sind alle übersäuert.

Nein, das ist nicht der Fall. Einseitige Ernährungsgewohnheiten begünstigen zwar die Entstehung einer latenten Azidose, bis die Pufferkapazitäten erschöpft sind, ist es aber ein langfristiger Prozess. Erst dann können Symptome auftreten.

  1. Ein saurer Magen führt zu einer latenten Azidose.

Mit „chronischer Azidose“ ist nicht die Übersäuerung des Magens gemeint. Dies ist nämlich eine sogenannte Hyperazidität. Der pH-Wert im Magen ist sauer und das ist gut so. Erst wenn die Schleimhaut angegriffen ist, schmerzt die Säure im Magen.

  1. Muskelkater ist ein Überschuss an Milchsäure.

Ein Muskelkater ist die Folge von Mikrorissen in der Muskulatur, beispielsweise nach zu viel sportlicher Aktivität – und hängt keineswegs mit einem Überschuss von Milchsäure im Muskel zusammen. Dennoch kann die Muskulatur durch eine Anhäufung von Laktat rascher ermüden.

  1. Eine Azidose lässt sich mittels einer pH-Messung des Urins feststellen.

Im Urin lässt sich lediglich der Urin-pH-Wert messen. Das Feststellen einer latenten Azidose ist durch einmalige Messungen jedoch nicht möglich.

  1. Saure Lebensmittel führen zu einem Anstieg des Blut-pH-Wertes.

Der pH-Wert eines Lebensmittels sagt nichts über die Wirkung auf den Säure-Basen-Haushalt im Körper aus. Zitronen schmecken sauer, werden aber durch den hohen Gehalt an basischen Mineralstoffen in Citratform basisch verstoffwechselt. Citrate, die Salze der Zitronensäure, wirken so einer latenten Azidose wirksam entgegen.

  1. Die orale Einnahme einer magensaftlöslichen Base kann den pH-Wert des Gewebes steigern.

Orale Zubereitungen mit Bicarbonat, die sich schon im Magen auflösen, wirken kurzfristig auf den pH-Wert des Blutes, nicht auf den des Gewebes. Der Magen bildet sogar mehr Säure als vorher!

  1. Eine Diät zur Gewichtsreduktion bessert eine latente Übersäuerung.

Das Gegenteil ist der Fall! Bei einer raschen und drastischen Diät sammelt der Körper saure Stoffwechselprodukte (Ketone): Es kommt zu einer Azidose.