Durch die Ernährung wird der Säure-Basenhaushalt des Gesamtkörpers wenig beeinflusst. Es kommt selten zu einer deutlichen Verlagerung des pH-Wertes. Um einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt zu erreichen, wird ein Verhältnis von 70% an basenbildenden zu 30% an säurebildenden Lebensmitteln empfohlen. Obwohl ein Übermaß an Kaffee häufig zu einer vermehrten Säurebildung im Magen führt, kann nach heutigem Kenntnisstand klar verneint werden, dass im Gesamtorganismus eine Übersäuerung von Kaffee (metabolische Azidose) ausgelöst werden kann. 

Kaffee und Säurebildung

Bei der Betrachtung einer Übersäuerung durch Kaffee muss unterschieden werden zwischen der Wirkung von Kaffee auf den gesamten Organismus und der lokalen auf den Magen. Kaffee selbst wirkt für den Gesamtorganismus nicht säurebildend, sondern leicht basisch: Sein potenzieller Säurebelastungswert (PRAL-Faktor) der Niere beträgt -1.4. Negative Werte der PRAL-Faktoren (Potential Renal Acid Load) sind als basenbildend, positive Werte als säurebildend anzusehen. Somit kann die früher oft formulierte Aussage, dass eine Übersäuerung von Kaffee ausgelöst würde, zumindest für den Gesamtorganismus klar widerlegt werden.

Anders sieht es mit der Beziehung von Kaffee und dem Magen aus. Kaffee gehört zu den Faktoren, die die Salzsäureproduktion des Magens ankurbeln. Eine Übersäuerung durch Kaffee kann im Magen dann entstehen, wenn viel Kaffee getrunken wird und zusätzliche weitere Faktoren, wie Nikotin, Alkohol oder bestimmte Medikamente die Salzsäurebildung im Magen stimulieren. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, sind Schäden an den Schleimhäuten von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm oft nicht zu vermeiden, z. B.:

  1. Magenentzündungen (Gastritis)
  2. Entzündungen der Speiseröhre durch Rückfluss von Magensäure (Refluxösophagitis)
  3. Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcus duodeni).

Bei Magengeschwüren scheinen auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen. Je nach vorliegender Schädigung kann bei akuten Prozessen Druckgefühl, Sodbrennen bis zu starken Schmerzen auftreten. Auch Übelkeit und Erbrechen sind nicht selten. Ein direkter Bezug zwischen Übersäuerung mit Kaffee und Schleimhautschäden konnte in einer neueren japanischen Studie mit mehr als 8000 Teilnehmern nicht belegt werden. Eine weitere Studie konnte nachweisen, dass unterschiedliche Röstverfahren des Kaffees auch veränderte Magensäurebildung zur Folge hatte, wodurch z. B. das Risiko für Refluxbeschwerden gemindert wurde.

Maßnahmen bei Übersäuerung mit Kaffee

Werden nicht mehr als zwei Tassen Kaffee pro Tag getrunken, stellt dies für den gesunden Magen kein Problem dar. Da die Verträglichkeit von Kaffeeprodukten (Espresso, schwarzer Kaffee, Cappuccino) sehr individuell ist, können sich verschiedene Röstungen unterschiedlich auswirken. Ein zusätzlich bereitgestelltes Glas Wasser kann ebenfalls einer Übersäuerung durch Kaffee entgegenwirken. Die Einnahme von Säureblockern (Antazida) bringt oft schnelle Hilfe, ist als Dauermedikation jedoch ungeeignet. In manchen Fällen kann auch mit pflanzlichen oder homöopathischen Arzneimitteln eine deutliche Besserung erzielt werden.

Risiken einer Übersäuerung durch Kaffee

Wird täglich eine große Menge an Kaffee getrunken, zusätzlich reichlich alkoholische Getränke konsumiert oder möglicherweise auch noch geraucht, kann dies – besonders bei einseitiger Ernährung oder strikter Diät – die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts stark belasten. Durch unkontrollierte Einnahme von Säureblockern kann eine vorhandene Grunderkrankung verschleiert werden.

Quellen