Diät, Fasten und Übersäuerung

Im Frühjahr werden die Fenster aufgerissen, die Wohnung und das Auto geputzt und die Gartenmöbel nach draußen gestellt. Warum sollten wir also nicht auch unserem Körper mal eine innere Reinigung angedeihen lassen? Wenn die Laienliteratur nun von „entschlacken“ spricht, verbreitet sie einen Mythos. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stellt klar: „In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden.“
Füße auf einer Waage

Tatsächlich ist unser Darm nicht mit einem Ofenrohr zu vergleichen, in dem „Schlacken“ zurückbleiben und sich Giftstoffe ansammeln. Medizinisch betrachtet gibt es keine Schlacken. Heilfasten oder eine Diät zur Gewichtsreduktion können trotzdem sinnvoll sein.

Was passiert bei einer Diät und beim Fasten?

Während einer Diät und während des Fastens bedient sich der Körper zunächst an Kohlenhydraten aus der Leber und wandelt diese in Glucose und Energie um. Nach etwa einem Tag sind diese Speicher geleert und es geht den Eiweißspeichern an den Kragen. Der Körper gewinnt daraus Glucose. Später setzt die Fettumwandlung ein und der Körper schaltet in einen Eiweißsparmodus. Jetzt steigt die Fettverbrennung extrem an. Durch die Zufuhr von zwei bis drei Litern Flüssigkeit wird zudem die Niere angeregt.

Gewichtsabnahme kann sauer machen

Dass eine falsche Ernährung das Säuren-Basen-Gleichgewicht stören kann, ist leicht nachzuvollziehen. Aber auch eine drastische Diät zur Gewichtsreduktion oder Fastenzeiten können den Körper mit sauren Stoffwechselprodukten überschwemmen. Bei bestimmten Diätformen greift der Körper die Fettreserven an und wandelt sie in Ketone um. Diese lassen den pH-Wert sinken, der Betroffene übersäuert. Besonders bei der beliebten ATKINS-Diät ist die Gefahr einer Übersäuerung groß. Der Betroffene atmet die Ketone ab und hat einen „fruchtigen“ Atemgeruch. Im schlimmsten Fall kann es zu einer bedrohlichen Ketoazidose kommen, einer extremen Übersäuerung mit Ketonkörpern. Der Körper versucht verzweifelt, die Ketone über die Niere auszuscheiden und hält dafür Harnsäure zurück. Die Folge kann ein Gichtanfall sein.

Rezeptideen für eine basische Ernährung

Um eine Übersäuerung und eine Harnsäurebelastung zu vermeiden, sollte keine Radikaldiät durchgeführt werden. Sinnvoller sind eine langfristige Ernährungsumstellung und die Reduktion von Nahrungsfetten und Alkohol. Trinken Sie vor jeder Mahlzeit ein großes Glas Wasser, das steigert das Sättigungsgefühl. Und: Bewegung lässt Pfunde schmelzen. Bei einer Diät und insbesondere während einer Fastenkur sollte auf die Zufuhr basischer Mineralstoffe geachtet werden!

Weiterführende Informationen zum Thema basische Ernährung:

Literatur

  1. Manz F (2001) History of nutrition and acid-base physiology. Eur J Nutr 40: 189– 199
  2. Remer T (2000) Influence of diet on acid-base balance. Semin Dial 13: 221–226
  3. Siener R., Säure-Basen-Haushalt und Ernährung, Ernährungs Umschau 10/2011
  4. Siener R, Hesse A (2003) The effect of a vegetarian and different omnivorous diets on urinary risk factors for uric acid stone for- mation. Eur J Nutr 42: 332–337
  5. Walther B., Milchprodukte im Säure-Basen-Haushalt, Schweizer Zeitschrift für Ernährungs-medizin, 3/2011

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