Was den Körper sauer macht – wie entsteht eine Azidose?

Übersäuerung ist ein großes Thema in der westlichen Welt und hängt mit der Ernährung zusammen. Die Medizin spricht von einer Azidose, aber zu dieser akuten Form der Übersäuerung des Blutes, die lebensbedrohlich ist, kommt es nur selten.
Nachdenkliche Fau sitzt vor verschiedenen Lebensmitteln

Die meisten von uns arbeiten zu viel, schlafen zu wenig und ernähren sich im Alltag nicht ausgewogen genug. Denn auch wenn sie es gerne möchten, scheitert es oft an der Umsetzung. Aber auf genau diesen Lebensstil reagiert der Körper im wahrsten Sinne des Wortes sauer, denn dabei gerät früher oder sein sensibles Zusammenspiel von Säuren und Basen durcheinander. Und das kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Was steckt dahinter? Wie es genau dazu kommt, welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen – und wie wir den Organismus wieder in die Balance bringen können, erfahren Sie hier.

Latente Übersäuerung als Phänomen westlicher Kulturen

Übersäuert – was heißt das? Gleich vorweg: Mit der Säure einer Zitrone hat das nichts zu tun, vielmehr damit, was bei den Stoffwechselvorgängen im Körper passiert – und ob dabei am Ende Säuren oder Basen entstehen. Doch der Reihe nach. Den meisten Menschen ist der pH-Wert ein Begriff – zumindest haben sie eine Ahnung davon, sie sehen ihn auf Cremes oder Seifen. Sie wissen oder ahnen, dass er etwas darüber aussagt, ob ein Milieu sauer, basisch oder neutral ist. Vielleicht haben sie auch davon gehört, dass im Körper Säuren und Basen vorkommen (Stichwort Säure-Base-Haushalt oder -Gleichgewicht) und dass deren Verhältnis eine wichtige Rolle spielt. Aber hier endet auch meist schon der Vorstoß in die Körperchemie.

Doch das sollte sich ändern: Das Phänomen der latenten oder chronischen Übersäuerung (wobei die akute Form medizinisch Azidose genannt wird) hat sich inzwischen zu einer Art Volkskrankheit der westlichen Länder entwickelt. Die Gründe dafür liegen in unseren ungesunden Ernährungsgewohnheiten, aber nicht nur dort. Unsere gesamte Lebensweise, insbesondere Stressfaktoren und der Umgang mit ihnen spielen eine große Rolle. Um die Zusammenhänge genau zu verstehen, sollte man zunächst einen Blick in die unsichtbaren und unwillkürlichen Vorgänge unseres Körpers werfen:

Als Erstes sollte man sich vor Augen führen, dass der menschliche Körper zum Großteil aus Wasser besteht. Kein Wunder also, dass wir genügend trinken sollten – und dass so gut wie alle Stoffwechselvorgänge des Körpers in einem flüssigen Milieu stattfinden. Zum Beispiel im Blut und in den Lymphen, die ständig durch den Körper zirkulieren und die Zellen mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Außerdem existieren im Körper weitere Flüssigkeiten, wie die Verdauungssäfte – Speichel, Magensaft und Galle – außerdem Flüssigkeiten, die vom Körper ausgeschieden werden. Und hier kommen wieder die Säuren und Basen ins Spiel: Dieses überaus komplexe System kann nur dann harmonieren und reibungslos funktionieren, wenn das Verhältnis von Säuren und ihren Gegenspielern, den Basen, stimmt. Zur Erklärung: Als Säuren bezeichnet man Substanzen, die in Wasser gelöst positiv geladene Teilchen abgeben, Basen hingegen negativ geladene.

Der pH-Wert zeigt an, ob eine wässrige Lösung einen sauren oder basischen Charakter hat – der pH-Wert des Blutes liegt normalerweise bei ca. 7,4 und ist damit leicht basisch.

Ein Übermaß an Säuren schadet uns

Der Säure- und Basengehalt wird also durch den pH-Wert angegeben, auf einer Werteskala und 1 (extrem sauer) bis 14 (extrem basisch). Wasser ist pH-neutral und hat einen Wert von 7. Nun ist es so, dass wir Menschen grundsätzlich basische Wesen sind. Das heißt, dass die meisten Bereiche im Körper basisch sein müssen, um richtig arbeiten zu können. Angefangen beim Fruchtwasser in der Gebärmutter, und auch das Blut: Schon geringste Abweichungen können gefährlich sein. Daher hat der Körper Wege entwickelt, körpereigene Puffersysteme, um einen Säureüberschuss abzupuffern und somit zu neutralisieren. Bei diesen chemischen Prozessen entstehen positiv geladene Teilchen, die ausgeschieden werden müssen – ein gutes Beispiel ist der Abbau von Kohlensäure.

Über die Lunge wird das entstandene Kohlendioxid mit der Atemluft entsorgt. Für andere Säuren benötigt der Körper basenbildende Mineralien wie Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Mit ihrer Hilfe werden Säuren zu Salzen abgebaut und dann über die Nieren ausgeschieden. Allerdings können nur bestimmte Mengen gebundener Säuren nach außen abgegeben werden. Entsteht eine zu große Säurelast über einen langen Zeitraum, werden die Säuren stattdessen eingelagert, etwa im Bindegewebe. Langfristig ist das eine der Ursachen von Cellulite, wenn die Lymphe in ihrem Fluss behindert werden und die Zellen nicht mehr richtig versorgt werden können. Auch an den Gelenken lagern sich Säuren ab. Übersäuerung steht im Verdacht, an der Entstehung von Arthrose beteiligt zu sein.

Mehr Artikel zum Thema Übersäuerung

Säuren sammeln sich an den Gefäßwänden an

Besorgniserregend ist die Ablagerung an den Gefäßwänden – eine Gefäßverengung führt schlimmstenfalls zu Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Nieren und Galle können sich als Folge der latenten, chronischen Azidose Nieren- und Gallensteine bilden. Letztlich ist es eine Folge von starker und chronischer Übersäuerung, dass der Körper dazu übergeht, seine Mineralstoff-Vorräte anzuzapfen. Zur Neutralisierung der Säuren benötigt er so viele basische Mineralien, dass diese aus Knochen, Knorpeln, Zähnen, Sehnen, Bindegewebe und Haarboden entnommen werden. Daraus kann sich ein gefährlicher Mangel entwickeln. Die Folgen sind deutlich spürbar. Meist fühlen wir uns dann regelrecht „ausgelaugt“, müde, antriebslos und schlapp. Wir bekommen Kopfweh, Muskelschmerzen und unreine Haut. Alles Folgen des Fehlens genügend basischer Mineralien. Die wichtigste Rolle spielt – neben einem gesunden Maß an Bewegung, Schlaf und dem emotionalen Gleichgewicht – die Ernährung.

Die Hauptursache einer latenten Azidose: zu viele tierische Lebensmittel

Auf zu viel Fleisch, Wurst und Fisch, Eier und Käse, Weißmehl, Gebäck, Süßigkeiten, Limonaden und Alkohol, Fertiggerichte und Fastfood reagiert der Körper sauer – allesamt Lebensmittel, bei denen durch den Stoffwechsel als Nebenprodukt viele ungute Säuren entstehen. Daher werden sie auch als säurebildend bezeichnet. Der Geschmack sagt also meist wenig darüber aus, ob ein Lebensmittel basen- oder säurebildend ist. Obst inklusive saure Zitrusfrüchte sind sehr gute Basen-Lieferanten, genau wie das meiste Gemüse, Salat oder Kartoffeln, während zuckerhaltige Kost im Körper viel schlechte Säure bildet.

Wie entsäuert man den Körper ansonsten am besten?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt (grober Richtwert), täglich 1,5 bis 2,5 Liter Wasser zu trinken. Dabei sollte das Wasser still sein, Kohlensäure wirkt sauer. Zudem eignen sich Kräutertees (ohne Zucker) aus Brennesseln, Schafgarbe, Löwenzahn und Melisse optimal und unterstützen die Nieren bei ihrer Arbeit. Außerdem sind Sport in Form moderater Bewegung und regelmäßiger Stressabbau (z. B. durch Entspannungspraktiken wie Yoga und Meditation) wichtig, um einer Übersäuerung dauerhaft entgegenzuwirken.

Weiterführende Informationen zum Thema basische Ernährung:

Das könnte Sie auch interessieren:

Kochen mit basischen Lebensmitteln

Saure und basische Lebensmittel | Übersicht & Vergleich

Eine Klassifikation von Lebensmitteln nach sauer und basisch kann über unterschiedliche Skalen erfolgen. Am bekanntesten dürfte der sogenannte pH-Wert sein. Er beschreibt den Anteil an sauer wirkenden H3O+-Ionen in einer Flüssigkeit. Hierbei handelt sich um eine logarithmische Skala. Dies bedeutet, dass eine Änderung des pH-Werts um 1 jeweils eine Verzehnfachung der Menge an H3O+-Ionen und damit auch eine Verzehnfachung des sauren Charakters einer Flüssigkeit darstellt. Eine Flüssigkeit mit einem pH von 6 enthält also zehnmal so viele sauer wirkende Teilchen wie eine Flüssigkeit mit einem pH von 7.

Weiterlesen
Blutzuckermessung

Diabetiker

Etwa sechs Millionen Deutsche leiden an der „Zuckerkrankheit“ Diabetes mellitus, davon 95 Prozent an Typ-2-Diabetes. Berücksichtigt man auch das Frühstadium der Erkrankung, erkennt man eine regelrechte Epidemie. Den Erkenntnissen der KORA-Studie zufolge, bei der rund 1500 Männer und Frauen zwischen 55 und 74 Jahren untersucht wurden, ist fast jeder zweite Mann dieser Altersgruppe und jede dritte Frau von Diabetes oder einer Glukosestoffwechselstörung betroffen.

Weiterlesen
Symptome einer Übersäuerung

Alles im sauren Bereich? Symptome einer Übersäuerung

Über Abgeschlagenheit, verspannte Muskeln, Kopfschmerzen und schlechten Schlaf klagen wir alle von Zeit zu Zeit. Häufig nehmen wir diese Symptome im stressigen Alltag nicht ernst, dabei können sie alle Anzeichen einer Übersäuerung des Körpers sein. Wie diese zustande kommt und anhand welcher Symptome Sie eine Übersäuerung erkennen und ihr entgegenwirken können, erfahren Sie hier.

Weiterlesen