Fasten klingt für die meist erstmal nach Verzicht. Vor allem auf feste Nahrung. Ganz anders beim Basenfasten, denn hier handelt es nicht um den totalen Verzicht auf richtiges Essen, sondern auf die Vermeidung säurebildender Lebensmittel

Warum wir sind, was wir essen: saure versus basische Lebensmittel

Unzählige Faktoren wirken sich auf das Gleichgewicht in unserem Körper aus – auch auf den Säure-Basen-Haushalt. Was wir essen, wie und in welcher Intensität wir uns bewegen, wie wir uns fühlen (und wie hoch unser Level des Stresshormons Cortisol gerade ist), wie lange und gut wir schlafen. Auch wenn es sich beim Säure-Basen-Haushalt um innere Vorgänge des Körpers handelt, spüren wir mehr und weniger bewusst, ob sich dieser im Gleichgewicht befindet. Wer sich ausgewogen ernährt, viel Wasser trinkt, Sport treibt, ohne sich zu verausgaben und nicht unter Dauerstress leidet, der wird sich insgesamt fitter und energiegeladener fühlen als ein Mensch, der übersäuert ist und – was meist einher geht – unter Nährstoffmangel leidet. Auch über den Zustand der Haut zeigt uns der Körper, wie es ihm geht. Über Schmerzen.

Die wohl größte Rolle spielt dabei die Ernährung. Unsere Ernährung ist sehr stark von tierischen Produkten bestimmt – und von Zuckerhaltigem. Viele Menschen, trotz einer wachsenden Zahl von Vegetariern und Veganern, nehmen zu viel Fleisch und Wurst, zuckerhaltige Getränke und andere stark verarbeitete Lebensmittel sowie Milch und Käse zu sich. Außerdem zu viele Kohlenhydrate in Form von Brot, Brötchen, Kuchen, Gebäck, Süßigkeiten oder Alkohol. Das große Problem dabei ist: Bei ihrer Verdauung und Verstoffwechselung entstehen große Mengen an Säuren, die den Körper stark belasten und ihm langfristig sogar schaden können. Zwar braucht dieser auch eine gewisse Menge an Säuren, die meisten aber muss er wieder mühsam ausscheiden. Die ständigen Ausscheidungsprozesse belasten Organe wie Nieren und Leber, die auf Hochtouren arbeiten müssen, um die Säureflut abzuwehren.

Chronischer Säureüberschuss bedeutet Stress für den Körper

Zunächst gibt es Entwarnung: Säuren nehmen wir alle zu uns, und das ist auch völlig normal und richtig (dazu später mehr). Ein einziges säurehaltiges Gericht führt auch nicht gleich zu einer gefährlichen Übersäuerung (Azidose) des Körpers, bei der der pH-Wert des Blutes unter 7,3 fällt. Zum einen benötigt der Körper gewisse Mengen an Säuren, um alle seine Funktionen aufrechterhalten können, und daher stellen diese auch kein Problem dar, solange der Säureüberschuss nicht zum Dauerzustand wird. Über verschiedene Puffersysteme kann unser Körper die überschüssigen Säuren mithilfe der basenbildenden Mineralstoffe Magnesium, Eisen, Kalzium, Natrium und Kalium neutralisieren und wieder abbauen. Über die Entgiftungsorgane – Haut, Nieren, Leber und Darm – werden sie schließlich ausgeschieden.

Gelangen jedoch insgesamt zu wenige Basen über die Nahrung in den Organismus, wird es kritisch, denn dann greift dieser auf seine körpereigenen Mineralstoff-Reserven an – zulasten der Knochensubstanz. Weniger Stress bereiten dem Körper dagegen pflanzliche und damit basische Lebensmittel wie Obst und Gemüse. Werden diese verdaut, entstehen Basen. Wenn wir darauf achten, was (und vor allem in welchem Maße) wir essen, können wir unseren Körper im wahrsten Sinne des Wortes entlasten und ihn dabei unterstützen, überflüssige Säuren abzubauen.

Wie basisch sind basische Lebensmittel? Warum Zitronen nicht „sauer“ sind

Die einfachste Regel lautet: Fast alle pflanzlichen Lebensmittel sind basisch, tierische Produkte wirken sauer – was bedeutet, dass bei ihrer Verdauung positiv geladene Teilchen entstehen, die vom Körper und dessen Puffersystem neutralisiert werden müssen, da sie sonst Schaden anrichten. Wichtig zu verstehen, denn die Tatsache, dass etwas sauer schmeckt, bedeutet eben nicht, dass es säurebildend ist. Meistens sogar ganz im Gegenteil. Orangen, Grapefruits und Zitronen weisen einen basischen Wert auf – die Zitrone ist sogar eines der basischsten Lebensmittel überhaupt. Wie sauer oder basisch ein Lebensmittel im Körper tatsächlich wirkt, wird mit dem sogenannten PRAL-Wert bestimmt. Er steht für (englisch) „Potential renal acid load“, was bedeutet: die potenzielle Säurebelastung pro 100 Gramm eines Lebensmittels für die Nieren. Beispiel: Spinat hat einen PRAL-Wert von -14 (basisch), eine Banane von -7,5. Haferflocken dagegen liegen im positiven Bereich (9,0) und wirken damit sauer, ebenso Nudeln (6,9).

Auch Mehl, Reis, Hülsenfrüchte und Brotwaren sind Säurebildner

Grundsätzlich sind Vegetarier und Veganer, was eine basische Ernährung angeht, klar im Vorteil, doch auch sie müssen für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt auf einiges achten, denn auch eine rein pflanzliche Ernährung schützt nicht automatisch vor einer Übersäuerung. Auch Vollkornbrot, Nudeln, Hülsenfrüchte wie Linsen und bestimmte Nüsse, beispielsweise Walnüsse, sind säurebildend. Was helfen kann, um den Körper bei der Entgiftung zu entlasten, ist eine Basenfastenkur. Um aber gleich mit dem wichtigsten Irrtum aufzuräumen: Eine Basenfastenkur dient „nur“ dazu, den Säure-Basen-Haushalt wieder in die Balance zu bringen. Es ist eine lang erprobte und wirksame Maßnahme, die Säurezufuhr auf Zeit zu stoppen, was aber nicht bedeutet, dass der menschliche Körper ganz ohne Säuren auskommen würde. So zählen einige Lebensmittel zu den guten Säurebildner, die also sauer verstoffwechselt werden, etwa Pseudogetreide wie Buchweizen und Hirse. Auch Linsen und Sojabohnen wirken zwar sauer, zählen jedoch zu den guten säurebildenden Lebensmitteln.

Bastenfasten – für mehr Energie und einen gesunden Säure-Basenhaushalt

Im Alltag raten Experten zu einem Verhältnis Zwei Drittel (basische Lebensmittel) zu einem Drittel (säurebildende Lebensmittel), von einer basischen bzw. basenbetonten Ernährung spricht man, wenn sogar ein Verhältnis von 80:20 vorliegt. Eine wirksame Entsäuerung und Entlastung des Körpers gelingt durch den zeitweisen kompletten Verzicht auf säurebildende Lebensmittel. Beim Basenfasten, anders als bei anderen Fastenkuren, kann im Prinzip normal gegessen werden, und es gibt zahllose Rezepte für basische Gerichte. Die Organe können in dieser Zeit in Ruhe entgiften und sich regenerieren, ohne gleich den nächsten Schub an Säuren „befürchten zu müssen“. Gerade bei starker Übersäuerung (beim Arzt über ein Blutbild feststellbar) kann sich eine solche Basenfastenkur lohnen.

Studien weisen einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislaufsystem, die Knochen, die Nieren, auch auf Allergien, Rheuma und die Haut nach. Gleichzeitig werden die Speicher des Körpers mit Nähr- und Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen wieder aufgefüllt. Wer sich müde und ausgelaugt fühlt, chronisch erschöpft ist und weitere Symptome verspürt, die auf ein niedriges Energielevel hindeuten, für den kann Basenfasten in Kombination mit moderater Bewegung und ausreichender Nachtruhe (idealerweise sieben Stunden) die richtige Methode sein, um wieder zu Kräften zu kommen. Empfohlen wird eine Dauer von 1-4 Wochen, eine Basenfastenkur kann mehrmals im Jahr nach Bedarf wiederholt werden.