Übergewicht und ein generell ungesunder Lebensstil sind in Industrienationen ein wachsendes Problem. Es gibt viele Ansätze, die zum Abnehmen von Gewicht führen sollen. Hauptsächlich alternativmedizinische Disziplinen beschäftigen sich in Verbindung mit dem Bestreben, Gewicht zu verlieren, auch mit dem Säuren-Basen-Haushalt des menschlichen Körpers. Hier geht es einerseits um eine bestehende chronische, also dauerhafte, Übersäuerungen, die an einem schlechten Allgemeinbefinden beteiligt sein können. Andererseits werden die positiven Effekte, die eine Entsäuerung auch im Zusammenhang mit Abnehmen für den Körper haben kann, beschrieben. Im Folgenden werden zunächst die Grundlagen des Säuren-Basen-Haushalts übersichtlich erläutert. Anschließend wird noch auf die Entstehung von akuten und chronischen Übersäuerungen sowie mögliche Gegenmaßnahmen eingegangen [1][2][3][5].

Übersicht zum Säuren-Basen-Haushalt

Der Vorgang der Übersäuerung geht auf die chemischen Grundlagen der unzähligen verschiedenen Moleküle zurück, die ständig im menschlichen Körper aktiv sind. Vereinfacht ausgedrückt sind die meisten dieser Moleküle, abhängig von ihrer Ladung, entweder Säuren oder Basen; wenige sind genau dazwischen, also neutral. Wichtig ist aber, dass die Enzyme im Körper auf ein genaues Gleichgewicht der Säuren und Basen angewiesen sind. Dieses lässt sich indirekt mit dem pH-Wert abschätzen, der die Konzentration von sauren Wasserstoffionen darstellt. Im Blutkreislauf sollte er zwischen 7,37 und 7,45 liegen. Um dies sicher zu stellen, greifen mehrere komplexe Regelkreisläufe ineinander, die in verschiedenen Organen aktiv sind. Hauptsächlich daran beteiligt sind die Lunge, Säuren oder Basen können dabei abgeatmet werden. Auch über die Leber sowie nachgeschaltet die Niere erfolgt hier die Ausscheidung über den Urin.

 

Störungen dieses Systems erfolgen ständig, beispielsweise über die Nahrungsaufnahme und den anschließend gesteigerten Stoffwechsel, körperliche Aktivität oder Erkrankungen. Normalerweise können all diese Einflüsse aber innerhalb von Minuten oder Stunden abgefangen werden und der Säuren-Basen-Haushalt bleibt ausgeglichen. Kommt es doch einmal zum deutlichen Überschuss an Säuren, so spricht man von einer Übersäuerung oder Azidose (pH-Wert unter 7,37); bei einem Zuviel an Basen von einer Alkalose (pH-Wert über 7,45) [1][2][3][4].

Chronische Übersäuerung

Akute Azidosen oder Alkalosen werden im Normalfall entweder schnell ausgeglichen oder sie entwickeln sich, falls eine schwerwiegendere Ursache vorliegt, schnell zu einem offensichtlichen Gesundheitsrisiko. Es kann dabei zu Übelkeit, Erbrechen, Schwäche oder im Extremfall zu Bewusstseinsverlust kommen. In diesem Fall ist das schnellstmögliche Aufsuchen eines Arztes empfehlenswert. Sowohl die Schulmedizin, vor allem aber die Alternativmedizin, beschäftigen sich mit dem Zustand der chronischen, also dauerhaften Übersäuerung. Eine unausgeglichene Ernährung, der Konsum von Genussmitteln und ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Bewegung sollen den Körper permanentem Stress und auch einer anhaltenden Übersäuerung aussetzen. Diese Annahmen werden von verschiedenen Gegebenheiten gestützt. Viele Lebens- und Genussmittel haben eher saure Eigenschaften und bei den meisten normalen Körperfunktionen fallen eher Säuren an. Die Regelsysteme arbeiten also viel stärker und häufiger gegen eine Azidose, als gegen eine Alkalose. Die chronische Übersäuerung soll zu Abgeschlagenheit, Unwohlsein und Immunschwäche führen. Eine Behandlung, entweder mit basischer Ernährung, basischen Tabletten oder einer Lebensstiländerung, soll positive Effekte auf das Abnehmen, aber auch auf häufig mit Übergewicht verbundene Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus oder Gicht haben. Wissenschaftliche Nachweise dieser Annahmen gibt es allerdings kaum [1][2][3][4][5].

Entsäuerung und Abnehmen am Beispiel Heilfasten

Aufgrund der oben beschriebenen Überlegungen entstanden viele Theorien zu Verhaltensweisen oder speziellen Diäten, die die Gesundung des Körpers, die Salutogenese, unterstützen sollen. Ein typisches Ziel ist dabei Abnehmen, was den Stoffwechsel des Körpers aber noch zusätzlich durch die Reduktion der Übersäuerung entlasten soll. Dies wird oft als Entsäuerung oder Entschlacken bezeichnet. Ein Beispiel dafür ist das Heilfasten, das den Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel mit der Zufuhr von Glaubersalz kombiniert. Neben dem Abnehmen von Gewicht soll es dabei auch zu einer Regulation der Verdauungssäfte und einer Darmreinigung kommen. Heilfasten so wie auch anderen Entsäuerungsprozeduren, etwa Phytotherapien, gehen eher auf altertümliche Überlieferungen und Einzelerfahrungen von Ärzten oder Heilpraktikern zurück; Wissenschaftliche Studien gibt es wenige. Die Durchführung bleibt also eine individuelle Entscheidung.

Es soll auch darauf hingewiesen werden, dass die chronische Übersäuerung und die Therapie dieser nicht mit einer akuten Azidose gleichgesetzt werden darf. Im letztgenannten Fall kann Lebensgefahr bestehen. Bei Hinweisen darauf, sollte also keine Eigenmedikation vorgenommen werden, sondern zunächst ein Arzt aufgesucht werden. Auch bei starkem Übergewicht, das eventuell mit Heilfasten behandelt werden soll, ist eine vorausgehende schulmedizinische Abklärung anzuraten [1][2][3][4][5].

Quellen

  • [1] Rainer Klinke, Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagel: Physiologie. Thieme Verlag, 2010, S. 315–327.
  • [2] Florian Lang, Philipp Land: Basiswissen Physiologie. Springer Verlag, 2007, S. 129–137.
  • [3] Michael Gekle, et al.: Taschenlehrbuch Physiologie. Thieme Verlag, 2010, S. 320–330.
  • [4] Keikawus Arastéh et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme Verlag, 2009, S. 431–440.
  • [5] Elvira Bierbach: Naturheilpraxis heute. Elsevier Urban & Fischer Verlag, 2009, S. 190–191.