Regulationsmechanismen in verschiedenen Organen des menschlichen Körpers versuchen dauerhaft, ein Gleichgewicht zwischen sauren und basischen Molekülen herzustellen. Diese entstehen bei den meisten Vorgängen durch chemische Reaktionen, etwa beim Umwandeln, Spalten oder Zusammenfügen von Nährstoffen, Hormonen oder Zellbestandteilen. Es gibt viele Einflussfaktoren, die dieses Gleichgewicht zugunsten der Säuren bewegen können, ab einem gewissen Grad als Azidose bezeichnet. Verschiebt es sich in Richtung der Basen, wird dies im Extremfall als Alkalose bezeichnet. Beispiele dafür sind starke Infektionen, körperliche Anstrengung, aber auch strenge Diäten oder Fasten. Im Folgenden wird auf die Grundlagen des Säure-Basen-Haushalts eingegangen und anschließend der Zusammenhang zum Abnehmen durch verringerte Nahrungsmittelaufnahme hergestellt [1][2][3].

Grundlagen des Säuren-Basen-Haushalts und Störungen

Ein genau eingestelltes Gleichgewicht zwischen sauren Molekülen (Säuren) und basischen Molekülen (Basen) ist für die optimale Funktion der Enzyme notwendig; bei starken Abweichungen stellen diese ihren Dienst ein. Der pH-Wert kann dabei helfen, das Verhältnis von Säuren und Basen abzuschätzen. Er drückt die Konzentration von Wasserstoffionen aus, die wiederum mit der Menge an Säuren zusammenhängen. Der pH-Wert sollte, im Blut gemessen, zwischen 7,37 und 7,45 liegen. Die strenge Regulation wird durch verschiedene Moleküle und aufwendige Kreisläufe sichergestellt. Dieses System ist permanent vielen äußeren Störfaktoren ausgesetzt. Mehrere Organe arbeiten miteinander daran, den pH-Wert trotzdem relativ konstant zu halten. Dazu muss jeweils der Überschuss an Säuren oder Basen aus dem Körper entfernt werden. Dies kann einerseits über die Lunge passieren, indem mehr oder weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) abgeatmet wird. Eine Funktionseinschränkung der Lunge kann also auch den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen, meist kommt es dabei zur Übersäuerung (Azidose). Eine weitere Möglichkeit für die Entsorgung von sauren oder basischen Teilchen sind die Leber und direkt nachgeschaltet die Niere. Hier können Stoffe zunächst mit chemischen Reaktionen bearbeitet werden und dann über den Urin ausgeschieden werden [1][2][3].

Verschiedenste Störfaktoren wirken auf das Säuren-Basen-Gleichgewicht, von Stoffwechselvorgängen über körperliche Aktivität bis zu Erkrankungen und Infektionen. Als Faustregel gilt, dass die meisten Vorgänge eher zu einem Überschuss an Säuren führen oder im Extremfall zu einer Azidose. Im Normalfall kommt es aber nicht dazu und das Regulationssystem hält den pH-Wert konstant. Erst bei extremen Belastungen oder Abweichungen vom Normalfall, beispielsweise im Bereich Ernährung, sind die ausgleichenden Organe überlastet. In diesem Fall sollte schnellstmöglich die Ursache beseitigt werden, sonst kann sowohl eine Azidose als auch eine Alkalose lebensbedrohlich sein [1][2][3].

Nahrungsaufnahme und Diäten

Ständige Einflussfaktoren auf den Säuren-Basen-Haushalt stellen die Nahrungsaufnahme, aber auch die fehlende Nahrungsaufnahme und die daran gekoppelten Stoffwechselvorgänge dar. Das Zusammenspiel aller Nahrungsbestandteile und der vielen Abbauenzyme des Körpers ist äußerst komplex. Dies wird hier lediglich in einer Übersicht dargestellt. Grundsätzlich lässt sich aufgenommene Nahrung in Kohlenhydrate (z. B. Zucker, Kartoffeln), Eiweiße (z. B. Fleisch) und Fette (z. B. Butter, Öl) einteilen. Ausgewogenes und maßvolles Zuführen einer Kombination dieser Grundbestandteile ermöglicht im Normalfall einen ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt. Verringerte Nahrungsaufnahme, etwa um Gewicht abzunehmen, führt nun einerseits zu einer anderen Menge an aufgenommener Nahrung. Andererseits kommt es zum Anbrechen von körpereigenen Reserven, etwa dem Zuckerspeicher in der Leber oder eben, wie meistens gewünscht, der Fettreserven. Wird die Diät mit körperlicher Betätigung kombiniert, kann es zu Zuständen der Übersäuerung kommen [1][2][3].

 

Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Bei reduzierter Kohlenhydratzufuhr und dem vermehrten Abbau von Fettspeichern fallen größere Mengen saurer Moleküle an. Diese verschieben wie oben beschrieben den pH-Wert in den sauren Bereich. Auch die Verwertung von Eiweiß, beispielsweise aus Fleisch oder Milchprodukten, die bei manchen Diätplänen vermehrt gegessen werden, setzt Säuren frei. Wird dann auch noch durch Sport der Energiebedarf erhöht, starten unökonomische Prozesse, die schnell Energie freisetzen können. Dabei kommt es allerdings zur Bildung von Milchsäure, die auch zu einer Übersäuerung beitragen kann. Kommen all die genannten Gegebenheiten bei einem strikten Diätplan mit zusätzlichen Trainingseinheiten zusammen, kann das Säuren-Basen-Regulationssystem tatsächlich an seine Grenzen stoßen [1][2][3].

Ernsthafte gesundheitliche Risiken und Gefahren einer Azidose oder Alkalose

Schwach ausgeprägte Störungen des Säuren-Basen-Haushalts können in der Regel direkt oder innerhalb von Stunden ausgeglichen werden. Bei einer beginnenden Azidose, etwa wie im oben beschriebenen Fall, kommt es normalerweise zu so starkem Unwohlsein, dass die Aktivität abgebrochen werden muss. Oder aber es besteht starkes Verlangen nach mehr Nahrung. Die Gefahr, tatsächlich in eine lebensgefährliche Übersäuerung zu geraten, ist also gering. Bei absolutem Fasten kann dies allerdings passieren, zusätzlich zu anderen Gesundheitsrisiken. Ein moderater Mittelweg ist also empfehlenswert, um keinen ernsthaften Schaden am Körper anzurichten [1][2][3].

Quellen

  • [1] Rainer Klinke et al.: Physiologie. Thieme Verlag, 2010, S. 315–327.
  • [2] Florian Lang: Basiswissen Physiologie. Springer Verlag, 2007, S. 129–137.
  • [3] Michael Gekle et al.: Taschenlehrbuch Physiologie. Thieme Verlag, 2010, S. 320–330.