Der gesamte menschliche Körper besteht aus Säuren und Basen. Für Gesundheit und Wohlbefinden ist es wichtig, dass sich der Säure-Basen-Haushalt innerhalb der Körperflüssigkeiten und Gewebe im Gleichgewicht befindet. Ist dies nicht der Fall, kann sich das Ungleichgewicht in Erschöpfungszuständen, allgemeinem Unwohlsein, Gicht, Muskelschmerzen und anderen Befindlichkeitsstörungen äußern [1][2]. Eine Übersäuerung kann sogar richtig krank machen.

Um diese Symptome und mögliche Krankheiten zu vermeiden, kann es hilfreich sein, sich an verschiedenen Tipps zu Ernährung, Bewegung und Lebensstil zu orientieren.

Medizinische Fakten

Säuren und Basen

Körperflüssigkeiten, Gewebe und Nahrungsmittel bestehen entweder aus sauren oder basischen Stoffen. Säuren haben einen Überschuss an Wasserstoffionen (H+). In wässrigen Lösungen sind sie dadurch positiv geladen und können Wasserstoffionen abgeben. Basen haben einen Überschuss an Hydroxidionen (OH) und sind in wässrigen Lösungen negativ geladen. Sie können Wasserstoffionen aufnehmen. Dadurch findet ein ständiger Austausch von Wasserstoffionen zwischen Säuren und Basen statt. Diese chemische Reaktion hat Einfluss auf den pH-Wert [3].

Der pH-Wert

Der pH-Wert ist ein Maß für die Wasserstoffionenkonzentration. Das Zusammenspiel aus Säuren und Basen und deren Wasserstoffionenaustausch bestimmen den pH-Wert. Der pH-Wert gibt an, ob eine Substanz einen sauren (pH < 7), basischen (pH > 7) oder neutralen (pH = 7) Charakter hat [3]. Eine Übersäuerung wird als Azidose bezeichnet und kann eine schädliche Wirkung auf den Körper haben.

Ursachen für ein Ungleichgewicht

Störungen des Säure-Basen-Haushalts können vielfältige Ursachen haben.

So können

  • ballaststoffarme Ernährung,
  • schnelles Essen,
  • unzureichende Bewegung,
  • psychischer Stress,
  • Alkohol und andere säuernde Nahrungsmittel, aber auch
  • ernstzunehmende Erkrankungen

zu einem Ungleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts führen [1][4].

Zu beachten

Schwerwiegende Erkrankungen wie Nierenversagen, Diabetes und Durchfallerkrankungen (Diarrhöen) können ebenfalls zu Veränderungen im Säure-Basen-Haushalt führen. Sollten die im Folgenden beschriebenen Tipps keine Besserung bewirken oder neue Symptome wie Desorientiertheit, Bewusstseinsstörungen oder starke Atembeschwerden hinzukommen, ist ein Arztbesuch dringend anzuraten. Die genannten Erkrankungen und Symptome bedürfen dann einer umgehenden ärztlichen Behandlung [4].

Ernährung

Häufig kann es durch eine ungesunde oder unausgewogene Ernährung zu Störungen des Säure-Basen-Haushalts kommen. Um dies zu vermeiden, wird eine Ernährung mit basenbildenden und säurebildenden Lebensmitteln im Verhältnis von 80:20 empfohlen. Dies bedeutet, dass der Anteil der am Tag aufgenommenen basischen Nahrungsmittel 80 und der Anteil der säurebildenden Nahrungsmittel 20 Prozent betragen sollte [2].

Es wird außerdem empfohlen, langsam zu essen, gründlich zu kauen, abends nur kleine und leichte Mahlzeiten zu verzehren und zwischen den Mahlzeiten Pausen von vier bis fünf Stunden einzuhalten [5].

Basische Nahrungsmittel

  • Karotten, Sellerie, grüne Bohnen, Zucchini, Blumenkohl, Kürbis, Tomaten, Spinat
  • Salzkartoffeln
  • frisches reifes Obst (z. B. Äpfel, Ananas, Erdbeeren, Himbeeren, Bananen)
  • Sojamehl, -brot, -bohnen
  • Haselnüsse, Mandeln, Rosinen
  • Tee (z. B. Fenchel, Kümmel, Salbei)
  • frische Gemüse- und Obstsäfte (z. B. Möhrensaft, Tomatensaft, Apfelsaft)

Neutrale Nahrungsmittel

  • Broccoli, Spargel, Lauch, Gurken, Zwiebeln
  • Bratkartoffeln
  • Wassermelone, Heidelbeeren, Orangen, Zitronen
  • Sojamilch, Sojanudeln, Buttermilch, Frischkäse, Butter
  • selbstgemachte Früchtemarmelade, Honig
  • Leinöl, Rapsöl, Olivenöl, Balsamico
  • Kräuter-, Früchtetee, grüner Tee
  • Kirschsaft, Orangensaft, Kakao, Pils

Saure Nahrungsmittel

  • Gemüse aus Konserven
  • Hülsenfrüchte
  • Pommes
  • frische Milch, Joghurt, Quark, Schmelzkäse
  • Erdnüsse, Torte
  • Eier, Nudeln, Mayonnaise, Weißmehl
  • Cola, Limonade, Getränke mit Kohlensäure [5]

Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung hält nicht nur den Kreislauf in Schwung, dient unserer Fitness oder dem Abnehmen einzelner Kilos. Bewegung und Sport kurbeln auch den Nährstofftransport und die Säureausscheidung an. So verliert der Körper beim Sport über den Schweiß reichlich Säure. Die Anstrengung während des Sports führt außerdem zu einer vermehrten und schnelleren Atmung (Hyperventilation). Dadurch atmet der Körper vermehrt Kohlenstoffdioxid ab, das ebenfalls einer Erhöhung des pH-Wertes und damit der Entsäuerung dient [6].

Eine Bewegungseinheit sollte etwa 15 bis 30 Minuten umfassen und drei- bis viermal in der Woche wiederholt werden. Empfohlen werden z. B. Joggen, Radfahren und Schwimmen [7].

Psyche und Seele

Psychischer Stress kann eine Übersäuerung bewirken. Durch den Stress schüttet die Nebenniere vermehrt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese wirken u. a. auf Verdauungssystem und Durchblutung und können deren Funktionen und damit auch den Säure-Basen-Haushalt beeinträchtigen.

Saunabesuche, Thermalbäder, Yoga und andere Entspannungsverfahren können helfen, den Stress zu vermindern. Regelmäßige Zeiten für Hobbys können Erholung bringen und damit Stress und Übersäuerung reduzieren [2][8].

Quellen

  • [1] Eva-Maria Kraske: Säure-Basen-Balance für Körper & Seele. Gräfe und Unzer, 2006, S. 34–38, S. 20.
  • [2] Die Ernährung für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt“, www.ganzimmun.de/seiten/download_file.php?download_id=552, 23.01.2016
  • [3] Andreas von Usedom: Chemie bis zur 10. Klasse. Säuren, Basen und Salze, Redoxsysteme, Luft und Wasser. Mentor, 2003, S. 20.
  • [4] Gerd Herold et al.: Innere Medizin. Gerd Herold Verlag, 2014, S. 590–592.
  • [5] Maria Lohmann: Der Basen-Doktor: Basische Ernährung: gezielte Hilfe bei den häufigsten Beschwerden. Georg Thieme Verlag, 2013, S. 20–22.
  • [6] John van Limburg Stirum: Moderne Säure-Basen-Medizin: Physiologie – Diagnostik – Therapie; 17 Tabellen. Georg Thieme Verlag, 2008, S. 49.
  • [7] Hermann Straubing: Säure-Basen-Balance. Kompakt-Ratgeber: Bewährte Tipps und Programme zur Entsäuerung. Mankau Verlag GmbH, 2015, S. 120.
  • [8] Sabine Wacker, Andreas Wacker: 300 Fragen zur Säure-Basen-Balance. Gräfe und Unzer, 2012, S. 228.