Sodbrennen ist die häufigste Beschwerde bei der Refluxkrankheit. Hierbei fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück (Rückfluss = Reflux). Etwa ein Fünftel der Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten leidet an dieser Erkrankung, vor allem nach der Nahrungsaufnahme. Die aggressive Magensäure kann die Schleimhaut der Speiseröhre angreifen und langfristig schädigen. Dieser Text erläutert die wichtigsten medizinischen Fakten zum Sodbrennen und der Übersäuerung als eine Ursache dafür. Ferner werden einige Behandlungsansätze dargestellt und abschließend erklärt, was zu beachten ist.

Medizinische Fakten

Der Magen enthält natürlicherweise Säure. Chemisch betrachtet ist Magensäure Salzsäure. Zum einen gelingt damit eine wirksame Abtötung vieler Keime, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Zum anderen finden in der sauren Umgebung des Magens und unter dem Einfluss anderer Wirkstoffe wichtige Schritte bei der Verdauung statt. Sie machen die Aufnahme von Nährstoffen über den Darm aus der Nahrung erst möglich.

Anders als der Magen besitz die Speiseröhre keine speziell gegen die Säure geschützte Schleimhaut. Der Übergang der Speiseröhre in den Magen verfügt über einen speziellen Aufbau, aus der Muskulatur des Speiseröhrenschließmuskels (Ösophagussphinkter) und dem spitzen Winkel (His’scher Winkel), in dem die Speiseröhre in den Magen mündet. Diese Gegebenheiten schützen normalerweise vor dem Aufsteigen der Magensäure in die Speiseröhre. Es gibt verschieden Gründe, warum dieser Schutzmechanismus bisweilen nicht funktioniert und es durch zurückfließende Magensäure in der Speiseröhre zu sauer wird.

Teilweise liegt die Ursache z.B. in einer Schwäche der Muskulatur ​des Schließmuskels, der den Rückfluss aus dem Magen verhindern soll. Auch kann im Rahmen einer Schwangerschaft durch das wachsende Kind die Lage von Magen und Speiseröhre verändert werden und so bei der werdenden Mutter Sodbrennen auslösen.

Eine weitere häufige Ursache für den Reflux ist eine Übersäuerung im Magen. Sie kann Folge einer übermäßigen Säureproduktion sein, aber auch durch eine zu langsame Entleerung des Magens verursacht werden. Beides ist häufig Folge einer ungünstigen Ernährung. Alkohol, süße Speisen und Kaffee sind Beispiele für Lebensmittel, die die Säureproduktion im Magen anregen. Zugleich können sie und Stoffe wie Nikotin aus Zigarettenrauch die Spannung der Muskulatur verringern, die den Weg zur Speiseröhre verschließen soll. Verstärkt wird dies, wenn der Magen sehr voll ist und somit der Druck aus dem Magen die Schließmuskulatur überwindet. Fette Speisen müssen länger verdaut werden, so dass der Magen sich langsamer entleert und der säurereiche Inhalt des stark gefüllten Magens auf diese Wiese leichter in die Speiseröhre gelangen kann. Auch flaches Liegen, z.B. nachts nach einem üppigen Abendessen, kann den Reflux der Magensäure begünstigen.

Die Salzsäure führt zu einer Reizung der Schleimhäute in der Speiseröhre. Das häufigste Symptom ist ein Brennen hinter dem Brustbein (Sternum), das Sodbrennen genannt wird. Oft kommt es auch zu einem Druckgefühl in diesem Bereich. Auch saures Aufstoßen und ein übler Geschmack im Mund kommen vor. Der Reiz durch die Säure kann auch die Stimmbänder und Atemwege reizen und so zu Heiserkeit (Dysphonie) und Husten (Tussis) führen.

Behandlung

Auch bei gesunden Menschen kann es gelegentlich zu Sodbrennen kommen. Oft lassen sich bestimmte Lebensmittel als Auslöser feststellen, wie z.B. Alkohol oder Kaffee. Idealerweise sollten diese Nahrungsmittel gemieden oder auf ein für den Betroffenen erträgliches Maß reduziert werden.

Ansonsten kann es helfen, kleinere Portionen zu essen und spät am Abend keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Wer Übergewicht hat, kann die Beschwerden durch Gewichtsreduktion oft bessern und auch vermehrte körperliche Aktivität kann gegen Sodbrennen helfen. Erklärt wird dies mit einer gesteigerten Muskelaktivität insgesamt, die auch den Verschluss der Speiseröhre zum Magen hin verbessern helfen soll. Wie bei vielen Krankheiten gilt auch beim Sodbrennen: Raucher sollten möglichst mit dem Rauchen aufhören.

Rezeptfrei sind zur raschen Selbsthilfe säurebindende Medikamente erhältlich, sogenannte Antazida. Bei ausgeprägten Beschwerden sollte jedoch von einer eigenmächtigen Medikation abgesehen werden und eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Häufig empfiehlt sich eine Abklärung unter anderem durch eine endoskopische Untersuchung. Bei diesen Untersuchungen kann die Beschaffenheit der Speiseröhre und des Magens mit einer Kamera untersucht und auch der Säuregehalt in der Speiseröhre bestimmt werden. Gibt es keine krankhaften (pathologische) Veränderungen, können spezielle Arzneimittel, in der Regel sogenannte „Protonenpumpeninhibitoren“, die Säureproduktion verringern. In schweren Fällen kann es bisweilen sogar nötig sein, den Rückfluss der Magensäure durch eine Operation zu unterbinden.

Das ist zu beachten

Wer durch Übergewicht, Rauchen oder ungünstige Ernährung zu Sodbrennen neigt, sollte zunächst diese Ursachen beseitigen. Dies kann sich schwierig gestalten und bisweilen treten selbst dann immer wieder Refluxbeschwerden auf. Bei der selbstständigen Einnahme rezeptfreier Medikamenten sind die Anwendungshinweise des Produkts und Empfehlungen der Apotheke unbedingt zu berücksichtigen.

Ist die Lebensqualität trotz alledem durch regelmäßig auftretendes Sodbrennen beeinträchtigt, sollte ärztlicher Rat gesucht werden. Dies gilt umso mehr, wenn die Symptome Schmerzen im Herzbereich ähneln. Hier sollte eine Erkrankung des Herzens ausgeschlossen werden. Wer an Sodbrennen und zugleich seit längerer Zeit an einem trockenen Husten leidet, sollte ebenfalls klären lassen, ob dies in Zusammenhang steht, oder eine andere Ursache für den Husten in Frage kommt.

Besteht der Reflux über sehr lange Zeit, kann es zu Veränderungen der Zellen der Schleimhaut der Speiseröhre kommen. Entarten diese Zellen, kann dies sogar zu einer bösartigen Neubildung von Gewebe im Bereich der Speiseröhre führen, weshalb ein Arztbesuch bei lang anhaltenden Symptomen unbedingt angeraten ist.

Quellen

  • Herold, Gerd, Innere Medizin, Gerd Herold Verlag 2012
  • Blank-Koppenleitner, Andrea, Sodbrennen, Apotheken Umschau, http://www.apotheken-umschau.de/Sodbrennen, zuletzt abgerufen am 21.01.2015.
  • Messmann, Helmut (Hrsg.), Klinische Gastroenterologie, Georg Thieme Verlag 2011, S. 215.
  • Block, Berthold, Gastrointestinaltrakt, Georg Thieme Verlag 2006