Die Übersäuerung des Körpers ist in der heutigen „Fast-Food-Gesellschaft“ ein großes Thema. Doch wie kommt dieses Ungleichgewicht zustande und was kann der Körper dagegen tun beziehungsweise was kann dagegen unternommen werden? Degenerative Gelenkserkrankungen (Arthrosen), infolge von Über- und Fehlbelastungen sowie durch Unfälle, betreffen eine Vielzahl an Menschen in der Bevölkerung der westlichen Industrienationen. Da beide Krankheitsbilder in diesen Breitengraden häufig anzutreffen sind, wird ein möglicher Zusammenhang diskutiert.

Medizinische Fakten

Übersäuerung (Azidose)

Damit im Körper Stoffwechselprozesse problemlos ablaufen können, werden in verschiedenen Geweben unterschiedliche Säure-Basen-Verhältnisse benötigt. Mit der Atmung und dem Stoffwechsel verfügt der Körper über zwei Regelmechanismen, durch die er den Säure-Basen-Haushalt im Blut konstant halten kann. Der Blut-pH-Wert, welcher dieses Gleichgewicht beschreibt und über das Blut gemessen werden kann, liegt unter physiologischen Bedingungen zwischen 7,35 – 7,45. Die Übersäuerung (Azidose) ist eine Verschiebung dieses Gleichgewichts im Blut zugunsten der Säuren, der Blut-pH-Wert liegt hier unter 7,3.

Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus oder extreme Hungerzustände (Diäten/Fasten) können beispielsweise zu einer Übersäuerung des Körpers führen. Auch durch vermehrte Muskelarbeit, beispielsweise durch exzessiv betriebenen Sport, kann es zu einem Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt kommen. Mit Hilfe von Regelmechanismen, wie die Abatmung der Säure durch die Lungen oder das vermehrte Ausscheiden von Säuren über die Nieren, kann der Körper unter gesunden Bedingungen dieses Missverhältnis problemlos ausgleichen. Besteht jedoch eine chronische Grunderkrankung, wie beispielsweise eine Niereninsuffizienz oder eine Funktionseinschränkung der Lunge, so reichert sich Säure im Körper an, dies führt zu einem verminderten Blut-pH-Wert und somit zu einer Azidose. Bei extremer Ernährungsweise mit hoher Zufuhr an Proteinen (Fleisch, Fisch und Milchprodukte) und verminderter Aufnahme von Blatt- und Wurzelgemüse, einer so genannten „western diet“, kann es mit zunehmendem Alter zu einer schleichenden Übersäuerung kommen.

Arthrose (Arthrosis deformans)

Die Arthrose ist eine chronische, fortschreitende und schmerzhafte degenerative Gelenkserkrankung mit zunehmender Funktionseinschränkung. Betroffen sind nicht nur der Knorpel, sondern auch die Gelenksflüssigkeit, die Bänder, die Gelenkskapseln und der unmittelbar unter dem Knorpel liegende (subchondrale) Knochen. Grundsätzlich kann die Arthrose jedes Gelenk betreffen. Die am häufigsten betroffenen sind jedoch die großen Gelenke des Körpers wie das Knie, die Hüfte und die Schulter.

Durch ein Missverhältnis zwischen Gelenksbelastung und Belastbarkeit des Knorpels, durch Fehlstellungen, rheumatischen Erkrankungen oder infolge eines Traumas, kommt es zu einer langsamen, oft lange Zeit symptomlosen Abnützung des Gelenkknorpels. Anders als bei der rheumatoiden Arthritis, bei welcher der Knorpel über einen entzündlichen Prozess zerstört wird, verläuft die Arthrose schleichend. Als aktivierte Arthrose werden entzündliche Phasen mit Rötung, Überwärmung, Druckschmerz und eventuellem Gelenkerguss bezeichnet. Diese Entzündungsphasen ähneln einer rheumatoiden Arthritis, verlaufen aber im Gegensatz dazu nicht schubweise und treten eher selten auf. Im fortgeschrittenen Stadium können durch die zerstörten Knorpel und die Deformationen des Knochens dauerhafte Schmerzen mit starken Funktionseinschränkungen bestehen.

Übersäuerung und Arthrose

Bei gesunden Menschen ist eine Übersäuerung des Körpers im Zuge falscher Ernährung nicht üblich, da überschüssige Säure über die Nieren ausgeschieden und über die Lunge abgeatmet wird. Bei gegebener Azidose infolge chronischer Erkrankungen konnte kein Zusammenhang zur noch wenig erforschten Arthrose wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Anders als bei der Arthrose lässt sich die Gicht (Arthritis urica) auf eine Nierenerkrankung oder eine andere Grunderkrankung zurückführen. Durch eine Überproduktion der Harnsäure, oder durch eine verminderte Funktion der Nieren reichert sich die Harnsäure im Körper an, es kommt zur Ablagerung der Harnsäurekristalle in den Gelenken und dadurch zu degenerativen und entzündlichen Prozessen. Da die Harnsäure das Stoffwechselendprodukt der Proteine darstellt, kommt es durch erhöhte Zufuhr von Fleischprodukten, Fett und Alkohol zur vermehrten Bildung dieses Produktes. Somit kann der krankhafte Prozess im Zuge einer Gicht durch einseitige, proteinreiche Ernährung gefördert werden.

Sodbrennen (Gastroösophagealer Reflux) wird oft als Übersäuerung des Körpers fehlgedeutet. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Problem mit der Magensäure, welche entweder durch hohe Zufuhr an Fetten und Proteinen zu viel produziert wird oder durch die verminderte Schließfähigkeit des Mageneingangsmuskels zurück in die Speiseröhre fließt und dadurch das Phänomen des „Sodbrennens“ hervor ruft.

Behandlung

Wurde eine der genannten Gelenkserkrankungen diagnostiziert, sei es Arthrose, rheumatoide Arthritis oder Gicht, so sollte die Erkrankung primär von einem spezialisierten Facharzt/einer Fachärztin behandelt werden.

Besteht der Verdacht auf eine Azidose durch eine Grunderkrankung als Ursache, wie z. B.  Diabetes mellitus oder eine Nierenerkrankung, muss dies unverzüglich einem spezialisierten Arzt vorgestellt werden. Dieser kann dann eine notwendige Therapie einleiten.

Ein gesunder Körper sollte auch eine einseitige Nahrung problemlos verstoffwechseln können. Nichtsdestotrotz sind eine ausgewogene Kost mit viel Obst und Gemüse und weniger Fleisch, Fett, Zucker und Alkohol wichtig für die Gesundheit. Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung der Muskulatur, welche wiederum die abgenutzten Gelenke verstärkend unterstützen kann, und sollte deshalb in dem mit der Gelenkserkrankung vereinbarten Ausmaß betrieben werden.

Zu beachten

Ein erhöhtes Risiko zur Übersäuerung besteht bei Personen mit chronischen Erkrankungen (Diabetes Mellitus, Niereninsuffizienz), Sportlern und Senioren sowie Menschen mit stark einseitiger Ernährung oder im Zuge von Hungerzuständen (Diät/Fasten).

Luftnot, Benommenheit, Desorientiertheit sowie Rastlosigkeit sind Symptome einer akuten Azidose, sollten ähnliche Anzeichen und/oder eines der oben genannten Risikos bestehen ist unverzüglich ein Arzt Ärztin aufzusuchen.

Quellen

  • R. Klinke, HC. Pape, A. Kurtz, S. Silbernagel: Physiologie. Thieme, 2009, S. 316-326
  • S. Rehart, H. Lehnert: „Aktuelle Aspekte zur Arthrose“, Zeitschrift für Rheumatologie, 67/2008, S. 305-314.
  • R. Theiler: „Arthrose“, Schweiz Med Forum, 23/2002, S. 555-561.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Herold, 2015, S. 696.