Warum führt eine chronisch latente Übersäuerung zur Verschlimmerung von Gicht?

Dass Gicht durch zu hohen Fleischkonsum entstehe, sich aber durch eine Diät leicht in den Griff bekommen ließe, ist nur einer von vielen Irrtümern zum Thema Gicht. In den meisten Fällen ist die Ursache für diese Stoffwechselerkrankung erblich bedingt. Der Körper scheidet zu wenig Harnsäure über die Nieren aus und/oder produziert zu viel. Laut einer aktuellen Studie der Universität Oxford spielt die Ernährung dabei eine geringere Rolle als lange Zeit angenommen.

Darum ist eine Azidosekorrektur bei Gicht sinnvoll:

  • Die Entzündung bei der Gicht macht das Gewebe sauer.
  • Harnsäureablagerungen mindern die Funktion der Niere, sodass diese ihre Aufgabe als Pufferorgan weniger effizient erfüllen kann. Dadurch werden Harnsäure und andere saure Produkte schlechter ausgeschieden: Der pH-Wert im Urin sinkt.
  • Eine Basentherapie kann sich positiv auf chronische Schmerzerkrankungen auswirken.
  • Eine Korrektur der Säure-Basen-Balance steigert die Ausscheidung von Harnsäure.

Harnsäure: Der Grenzwert liegt bei 6,4

Steigt die Harnsäurekonzentration über einen Wert von 6,4 mg/dl oder sinken Körpertemperatur und/oder pH-Wert, können Harnsäurekristalle in Form von Natriumurat ausfallen. Das Harnsäuresalz löst eine Kaskade entzündlicher Prozesse aus. Auf Kristalle in Geweben reagiert das Immunsystem wie auf eingedrungene Keime. Meist meldet sich der erste Gichtanfall im großen Zeh. Das Großzehengrundgelenk ist die kälteste Stelle des Körpers, die Temperatur weicht dort um bis zu 10 Grad Celsius ab, deshalb ist es meist beim ersten Gichtanfall betroffen: Das Gewebe ist entzündet – der pH-Wert sinkt.

Die Ernährung kann die Übersäuerung fördern – oder verhindern

„Die Entstehung der Gicht wird durch Über- und Fehlernährung begünstigt. Aus diesem Grunde gilt es in erster Linie, das Körpergewicht zu normalisieren, die Purinzufuhr mit der Nahrung einzuschränken, auf Alkoholkonsum möglichst zu verzichten sowie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten“, so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, DGE. Ein Therapieziel ist das Erreichen eines Normalgewichts (BMI < 25). Wer als Gichtpatient Übergewicht hat, schleppt einen weiteren Risikofaktor mit sich herum. Vor einer Crashdiät sollte der Patient aber unbedingt gewarnt werden. Der Fettabbau bei einer Diät führt zur Bildung saurer Stoffwechselprodukte. Die Niere steht nun vor der Wahl, ob sie diese sauren Produkte (Ketone) oder Harnsäure ausscheidet: Sie wird sich für die Ausscheidung der sauren Ketonkörper entscheiden und hält die Harnsäure zurück. Dies lässt den pH-Wert sinken und macht den Organismus „sauer“.

Basentherapeutika als Ergänzung zur Gichttherapie

Eine Basentherapie in Kombination mit der Standardmedikation Allopurinol führte bei Gichtpatienten zu einem verstärkten Absinken des Harnsäurespiegels und einer verbesserten Filtrationsrate der Niere. Diese kann Harnsäure dann effizienter ausscheiden, das ergab eine Studie von Saito et al. Nicht alle Basenpräparate sind indes für Gicht- und Nierenpatienten geeignet.

Was ist sonst noch sinnvoll für Gichtpatienten?

Bestimmte Mikronährstoffe können den Organismus gezielt unterstützen.

Mikronährstoff Funktion bei Gicht
Coenzym Q10 Harnsäure vermindert den Gehalt an gefäßaktiven Substanzen (Stickstoffmonoxid), Q10 steigert diesen.
Magnesium Gicht löst häufig Niereninsuffizienz aus, die wiederum den Blutdruck steigert. Magnesium wirkt sich positiv auf Blutdruck und Niere aus.
Vitamin C Ascorbinsäure senkt das Risiko für Gicht dramatisch. Ferner hat sie eine antioxidative Wirkung und schützt die Gefäße.

 

Literatur

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