„Von allen Zusammensetzungen unserer Körpersäfte wirkt sich die Säure zweifellos am schädlichsten aus.“ Mit diesen Worten beschrieb Hippokrates, der Urvater aller Ärzte, bereits etwa 400 Jahre vor Christus das Problem der Übersäuerung des Körpers. Er definierte Krankheit als eine fehlerhafte Mischung der Körpersäfte.

Im Körper werden täglich Säuren produziert, die über die Nieren ausgeschieden werden müssen, um das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen aufrecht zu erhalten. Für die Korrektur einer chronisch latenten Azidose existieren unterschiedliche Substanzen. Aus der Chemie weiß man, dass eine Lauge bzw. Base in der Lage ist, eine Säure zu neutralisieren.

Basentherapeutika

Es existieren unterschiedliche Substanzen und Gemische, die zur Vorbeugung oder Behandlung einer latenten Azidose eingesetzt werden. Dazu zählen:

  • Citrate
  • Heilerde
  • Kombipräparate mit diversen Mineral- und Vitaminsupplementen
  • Natriumbicarbonat

Das Gesamtverhältnis von Basen und Säuren im menschlichen Körper beträgt 20:1! Daraus wird ersichtlich, wie bedeutsam ein Schutz vor Säuren ist.

Citrate

Citrate (z.B. Kalium-, Calcium-, Natrium- oder Magnesiumcitrat) sind die Salze der Zitronensäure. Zur Regeneration der Blutpuffersysteme benötigt der Organismus diese Basenbildner, da bei der Verstoffwechslung von Citraten Säure verbraucht und dadurch die ernährungsbedingte Säurebelastung vermindert wird.

Citrat wie z.B. Kaliumcitrat gelangt dabei in den Dünndarm und dissoziiert bei pH 8 in 3 Kalium-Kationen (K+) und in das Citrat-Anion (C6H5O7)3-. Das Citrat-Anion kann nun Säure (genau 3 H+ pro Citrat-Anion) aus dem Stoffwechsel aufnehmen, wodurch formal Zitronensäure gebildet wird. Die Zitronensäure wird in der Zelle in einen natürlichen Stoffwechselweg (Zitronensäurezyklus) eingeschleust und zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut. Das Wasser wird über die Niere durch den Urin ausgeschieden, das Kohlendioxid über die Lunge abgeatmet. Dieses Wirkprinzip erlaubt die aktive Entfernung von Säure aus dem Körper.

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Citrate haben den Vorteil, dass sie den Magen unbeschadet überwinden, da die Umwandlung der Citrate dabei nicht schon im Magen, sondern erst im oberen, leicht alkalischen Dünndarmabschnitt erfolgt. Es kommt also nicht zu einer nennenswerten Neutralisierung von Magensäure.

Auch die Zusammensetzung des Citrats spielt eine Rolle, da die daran gebundenen Mineralien  Magnesium, Calcium, Kalium und Natrium auch eine positive Wirkung im Körper haben.

Magnesium ist an mehr als 300 Enzymreaktionen beteiligt und wichtig für das Herz, den Muskel aber auch den Knochen. Es ist das Antistressmineral.

Calcium ist bedeutsam für den Knochen und die Herzfunktion. Ein Überschuss kann sich aber auch negativ auf Herz- oder Hirnerkrankungen auswirken.

Zink verbessert die Immunabwehr und beeinflusst die Aktivität des Enzyms Carboanhydrase, das eine wichtige Rolle im Basenhaushalt spielt.

Natrium ist wichtig für die Weiterleitung von Nervenimpulsen, es findet sich besonders außerhalb der Zellen. Natrium ist in Verruf gekommen, den Blutdruck zu steigern. Dies gilt jedoch nicht, wenn es als Natriumcitrat vorkommt. Lediglich in Form von Natriumchlorid (Kochsalz) kann es bei einigen Anwendern in höheren Konzentrationen den Blutdruck steigern.

Kalium ist ein bedeutsames Ion innerhalb der Zellen. Dort ist seine Konzentration bis zu 40-mal höher als außerhalb der Zelle. Kommt es innerhalb der Zelle zu einem Kaliummangel, wandern H+-Ionen in die Zelle, „verstecken“ sich dort und führen zu einer intrazellulären Azidose. Würde jetzt der pH-Wert im Plasma gemessen werden, wäre dieser sogar basisch (!), weil sich die H+-Ionen nicht im Plasma, sondern in der Zelle befinden. Diese wiederum leidet unter der Azidose.

Dies lässt primär den Schluss zu, dass besonders das Kaliumsalz der Zitronensäure für eine Basentherapie sinnvoll ist. Allerdings kommt ein Kaliummangel äußerst selten vor, zudem – wie so oft in der Medizin – macht die Dosis das Gift. Eine Hyperkaliämie, also ein erhöhter Kaliumwert, kann dem Organismus gefährlich werden. Es kann zu Rhythmusstörungen des Herzens kommen, allerdings ist die Dosis in Basentherapeutika dafür in aller Regel zu niedrig. Bei Unsicherheit besprechen Sie Anwendung und Dosis immer mit Ihrem Arzt. Bei einer stark eingeschränkten Nierenfunktion besteht die Gefahr einer Ansammlung von Mineralstoffen. Patienten mit einer schweren Niereninsuffizienz sollten deshalb grundsätzlich vor einer Basentherapie ihren Arzt befragen.

Kombinationen sind sinnvoll

Bei der Basentherapie mit Citraten ist eine Kombination verschiedener Citrate wesentlich sinnvoller als eine Monotherapie. Geeignete Basenpräparate sollten immer eine Mischung aus Magnesium-, Calcium-, Natrium- und Kaliumcitrat enthalten. Einerseits um die synergistischen Effekte der unterschiedlichen Mineralstoffe zu nutzen, andererseits um ein Ungleichgewicht im Mineralstoffhaushalt zu verhindern und damit der Überdosierung mit einem Mineral entgegenzuwirken.

Heilerde

Heilerde hat eine schwache Säurebindungskapazität und wirkt überwiegend im Magen neutralisierend, daher findet sie vor allem bei Sodbrennen Einsatz.

Bicarbonate

Häufig findet man in Basentherapeutika anorganische Mineralverbindungen wie z.B. Natriumhydrogencarbonat, auch bekannt als Natriumbicarbonat. Es kommt beispielsweise als „Natron“ beim Backen zum Einsatz. Bicarbonate lösen sich bereits im Magen auf. Sie werden durch den sauren pH im Magen abgebaut und führen zu einer Neutralisierung der Magensäure, der pH-Wert im Magen steigt. Die basische Wirkung findet also komplett im Magen statt. Die Folge ist eine Aufspaltung des Natriumhydrogencarbonats in Natriumchlorid (Kochsalz) und das Gas Kohlendioxid im Magen. Das freigesetzte Gas kann zu unangenehmem Aufstoßen bis hin zu Magenschmerzen führen.

Die verbrauchte Magensäure wird in der Folge in einer enzymatischen Reaktion (Carboanhydrase) sofort in den Belegzellen der Magenschleimhaut verstärkt nachproduziert (Acid-rebound). Neben der Säure entsteht bei dieser Reaktion gleichzeitig auch Bicarbonat. Die Säure wird in den Magen gepumpt und das gebildete Bicarbonat gelangt in das Blut (Basenfluten). Dies führt zu einem schnellen, allerdings nur kurzzeitig anhaltenden basischen Effekt, der schnell über den Urin wieder verloren geht.

Negativer Einfluss auf den Magen

Die bereits im Magen stattfindende Aufspaltung der Bicarbonate hat noch weitere Nachteile. Die Magensäure spielt  nicht nur bei der Verdauung der Speisen eine wichtige Rolle, sie tötet auch krankmachende Bakterien ab. Außerdem ist sie an der Verwertung von lebensnotwendigen Vitaminen wie z.B. Vitamin B12 beteiligt. Wird die Magensäure neutralisiert, kann der Körper das Vitamin nicht mehr aus der Nahrung isolieren und aufnehmen.

Besser dünndarmlöslich

Deshalb sind nur solche Basentherapeutika sinnvoll, die sich erst im Dünndarm auflösen. Im Gegensatz zu Citraten, die von Natur aus im Magen stabil sind, trifft dies für Bicarbonate nicht zu. Diese sollten nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie mit einem magensaftresistenten Überzug versehen sind. In Nahrungsergänzungsmitteln werden Bicarbonate jedoch nicht in magensaftresistenter Form angeboten. Die Wirkung von magensaftresistenten Zubereitungen wird im Abschnitt Arzneimittel beschrieben.

Literatur

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