Mit dem Alter steigt das Risiko einer Übersäuerung. Aber: Die chronisch latente Azidose ist keine Krankheit im engeren Sinn.

Warum eine latente Azidose im Alter bedenklich ist

  • Im Alter nimmt die Nierenfunktion stetig ab und damit die Fähigkeit, Säuren auszuscheiden.
  • Ein Basenmangel kann wiederum die Nierenfunktion mindern.
  • Eine verminderte Nierenfunktion begünstigt Bluthochdruck und Gicht, vor allem der Harnsäurespiegel steigt bei einer latenten Azidose.
  • Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko für Osteoporose. Eine chronisch latente Azidose trägt zum Knochenabbau bei.

Nieren und Leber vom Altern besonders betroffen

Mit zunehmendem Lebensalter leiden viele Körperfunktionen. Man sieht schlechter, das Gehör lässt nach, die Haut wird trockener und faltiger.
All diese Aspekte werden in den Medien episch und werbewirksam vermarktet. Dass aber auch die Nieren zu den Organen gehören, die unter und mit dem Alter leiden, ist vielen gar nicht bewusst. Im Alter von 55 Jahren scheiden die Nieren etwa 90 ml Kreatinin pro Minute aus, mit 20 beträgt die Ausscheidungsrate noch etwa 120 ml! Der Wert ist wichtig, weil durch ihn erkennbar ist, ob und wie stark die Nierenfunktion eingeschränkt ist. Je weniger Kreatinin mit dem Urin ausgeschieden wird, desto schlechter arbeiten die Nieren.

Kommen dazu noch Bluthochdruck oder Diabetes, schreitet der Leistungsabfall deutlich schneller und stärker voran. Je weniger die Niere in der Lage ist, ihre Aufgabe als Ausscheidungsorgan zu erfüllen, desto stärker leidet die Säure-Basen-Balance. Die Folge ist ein Teufelskreis: Es gelingt der Niere immer weniger, Säureüberschüsse aus der Ernährung oder aus Stoffwechselprozessen über den Urin auszuscheiden. Damit steigt die Gefahr einer latenten Azidose, die wiederum die Nierenleistung mindert.

Der Knochen leidet unter einer trägen Niere

Der Körper versucht die pH-Dysbalance durch Mobilisierung von Calciumsalzen aus dem Knochen zu regulieren. Dies geht mit einer verstärkten Entmineralisierung („Entkalkung“) und einem gesteigerten Osteoporoserisiko einher. Auch die Achse Niere-Osteoporose macht deutlich, wie bedeutsam eine Azidosekorrektur sein kann.

Typische „Alterserkrankungen“ wie Bluthochdruck, Osteoporose, Gicht und eine verminderte Nierentätigkeit stehen mit einer chronischen latenten Azidose in Zusammenhang.
Eine Basentherapie ist sicherlich kein Mittel, um das Altern an sich aufzuhalten. Die Zufuhr von Puffersubstanzen wie Citraten oder magensaftresistentem Natriumbicarbonat greifen aber am „kleinsten gemeinsamen Nenner“ der Erkrankungen an, unter denen gerade betagte Patienten leiden. Nicht selten nehmen viele ältere Patienten zahlreiche unterschiedliche Medikamente ein. Deshalb sind Basenpräparate mit Natriumhydrogencarbonat, die die Magensäure neutralisieren, wenig sinnvoll: Diese können das Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen steigern. Im Alter kann eine Basentherapie mit Citraten die Lebensqualität durchaus verbessern, wenn diese mit Bedacht an die Bedürfnisse des Patienten angepasst wird.

Literatur

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