Harnsäure ist das Abbauprodukt von Purinen. Purine sind Bausteine der DNS (Desoxyribonukleinsäure). Die DNS stellt den Träger der Erbinformation dar und ist in fast allen Zellen vorhanden. Wenn Zellen absterben, wird die DNS in ihre Bestandteile zerlegt. Die Purine werden zu Harnsäure abgebaut. Mit der Nahrung, insbesondere bei der Einnahme von Fleisch und Innereien, wird auch DNA aufgenommen, welche dann zu Harnsäure abgebaut wird. Diese wird dann in das Blut abgegeben und zur Niere transportiert. Harnsäure wird zu ca. 75% mit dem Urin und zu ca. 25% über Schweiß, Speichel und Darm ausgeschieden.

Was bedeutet Hyperurikämie?

Wenn zu viel Harnsäure im Blut vorhanden ist, spricht man von Hyperurikämie. Bei einer Hyperurikämie kann es dazu kommen, dass die Harnsäure sich nicht mehr im Blut lösen kann. Das führt dazu, dass Kristalle der Harnsäure ausfallen. Diese Kristalle können sich dann in Geweben ablagern. Das Abwehrsystem des Körpers behandelt die Kristalle der Harnsäure so, als ob diese pathogene Keime wären und ruft eine Entzündungsreaktion hervor. Ganz typisch sind Entzündungen an den Gelenken des großen Zehs. Dieses Krankheitsbild nennt man Gicht.

Ursachen der Hyperurikämie

Es gibt zwei Möglichkeiten, die einen Anstieg der Harnsäure im Blut bewirken. Zum einen kann die Ausscheidung der Harnsäure gestört sein, zum anderen kann zu viel Harnsäure gebildet werden.

Ein Beispiel für die verminderte Ausscheidung der Harnsäure sind Funktionsstörungen der Niere. Die Niere ist dafür zuständig, dass Harnsäure aus dem Blut in den Urin gelangt. Wenn schon eine Nierenfunktionsstörung besteht, dann kann die Harnsäure nicht mehr adäquat in den Urin abgegeben werden. Die Harnsäure bleibt dann im Blut zurück und es kommt zur Hyperurikämie.

Ein erhöhter Zellzerfall im Rahmen einer Tumorerkrankung oder Tumortherapie ist ein Beispiel für die vermehrte Bildung von Harnsäure. Bei Leukämien (Blutkrebs) sterben viele Zellen ab, die DNS wird zerlegt und die Purine zu Harnsäure abgebaut. Bei einer Chemotherapie im Rahmen einer Tumorbekämpfung gehen viele Zellen zugrunde und es kommt zu einem vermehrten Abbau von Purinen. Hierbei kann es auch zu einer Hyperurikämie kommen. Dieses Phänomen nennt man Tumorlysesydrom.

Es gibt auch genetische Ursachen, die eine Hyperurikämie hervorrufen. Mutationen können in bestimmten Enzymen auftreten, welche den Purinstoffwechsel betreffen oder für die Ausscheidung der Harnsäure in der Niere verantwortlich sind.

Was kann gegen einen erhöhten Harnsäurespiegel unternommen werden?

Es gibt drei Möglichkeiten den Harnsäurespiegel im Blut zu senken. Der erste Weg wäre die Einhaltung einer fleischarmen Diät, aber auch bestimmte Pflanzen und Medikamente können bei Gicht bzw. Hyperurikämie helfen.

Diät

Grundsätzlich wäre es hilfreich, wenn ein Normalgewicht erreicht wird. Außerdem ist es wichtig viel zu trinken. Es wird empfohlen mindestens 1,5 Liter am Tag zu sich zu nehmen. Dadurch wird vermehrt Urin ausgeschieden und damit auch Harnsäure.

Mit einer purinarmen Diät kann der Harnsäurespiegel gesenkt werden. Purinreiche Lebensmittel sind vor allem Fleisch, Innereinen, Sardinen und Meeresfrüchte. Es wird empfohlen diese Lebensmittel weniger zu essen, d.h. man sollte weniger als 300mg Purine pro Tag einnehmen.

Auch exzessiver Alkoholkonsum fördert die Anreicherung von Harnsäure im Blut. Der Grund ist zum einen, dass Bier sehr purinreich ist. Außerdem entsteht bei reichlichem Alkoholkonsum eine weitere Säure, welche die Ausscheidung von Harnsäure behindert.

Phytopharmaka

Unter den Phytopharmaka ist die Herbstzeitlose zu nennen. Diese Pflanze enthält den giftigen Stoff Colchicin. Bei diesem Inhaltsstoff handelt es sich um ein Mitosegift. Das bedeutet, dass durch Colchicin die Zellteilung unterbrochen wird und die Zellen zugrunde gehen. Im akuten Gichtanfall werden Zellen des Abwehrsystems des Körpers gehemmt, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Colchicin wird auch in der Schulmedizin bei akuten Gichtanfällen angewendet, da es relativ spezifisch bei Gichtanfällen wirkt. Es gilt allerdings aufgrund seiner Nebenwirkungen aber eher als Reservemittel. Schwerer Durchfall und Übelkeit können auftreten, aber auch Knochenmarksschädigungen. Bei einer schweren Vergiftung kann es zu einem Multiorganversagen kommen. Es wird abgeraten das Mittel während der Schwangerschaft und Stillzeit einzunehmen.

Schmerzlindernde Wirkung auf die Gelenke hat die Weidenrinde. Ein Inhaltsstoff ist das Salicin, das in chemisch veränderter Form als Acetylsalicylsäure (ASS) zu den wichtigsten Schmerzmedikamenten gehört. Salicin wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Es wird bei Beschwerden an Gelenken, Kopfschmerzen und fieberhaften Erkrankungen angewendet. Dieses Mittel kann man als Extrakt erwerben und mit viel Flüssigkeit einnehmen. Weidenrinde gilt als gut verträglich, allerdings kann es zu Magenschleimhautreizungen kommen. Wichtig zu wissen ist, dass die Inhaltsstoffe der Weidenrinde mit anderen Medikamenten interagieren. Die Wirkung von Blutverdünnern und blutzuckersenkenden Medikamenten wird durch die gleichzeitige Einnahme von Weidenrindenextrakten verstärkt. Personen, die Asthma bronchiale, Nieren- und Leberschäden haben, sollten dieses Phytopharmka nicht einnehmen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte man auf Weidenrinde verzichten.

Eine Pflanze, welche die Harnsäureausscheidung erhört, ist die Brennnessel. Die Blätter dieser Pflanze wirken antientzündlich und harntreibend.

Medikamente

Es gibt auch Medikamente, die gegen einen erhöhten Harnsäurespiegel wirken. Es ist allerdings nötig, einen Arzt zu konsultieren. Dieser kann individuell entscheiden, welches Mittel am besten hilft.

Quellen

  • Joachim Rassow et al.: Duale Reihe – Biochemie. Georg Thieme Verlag, 2008, S. 421.
  • „Blutbild – Erklärung Harnsäure“, http://www.internisten-im-netz.de/de_harns-ure_1357.html , 24.02.2015
  • Matthias Bastigkeit, „Harnsäure runter, Gicht beseitigt“, http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=35638, 24.02.2015
  • Gerd Herold et al.: Innere Medizin 2. Gerd Herold Köln, 2014, S. 701.
  • Siegfried Bäumer: Heilpflanzenpraxis heute. Elsevier Health Science Germany, 2013, S. 354 ff.
  • M. Wiesenauer: PhytoPraxis. Springer-Verlag, 2013, S. 284.
  • Jan C. Behrends et al.: Duale Reihe – Physiologie. Georg Thieme Verlag, 2012, S. 303.
  • Hanns Ackermann et al.: AllEx – Alles fürs Examen Band C. Georg Thieme Verlag, 2014, S. 432.