Mit sogenannten Teststreifen (pH-Indikatorpapier) kann der Säurewert jeglicher Lösungen ermittelt werden. Sie stellen somit eine einfache und schmerzfreie Möglichkeit dar, den pH-Wert (s. u.) des Urins zu messen. Besonders im Rahmen des sogenannten „Basenfastens“ wird diese Methode oft empfohlen, um daraus Rückschlüsse über den Säurehaushalt des Körpers zu ziehen [1][2]. Leider stehen dem jedoch erhebliche Nachteile gegenüber. Zwar wird auch im klinischen Rahmen eine Messung des pH-Wertes des Urins regelmäßig durchgeführt; dies ist jedoch nicht mit dem primären Ziel den Säurehaushalt des Körpers zu bewerten. Die Diagnose einer Übersäuerung (Azidose) geschieht ausschließlich über die Auswertung von Blutwerten [3]. Warum dies der Fall ist und was die eigentliche Aussagekraft des pH-Wertes des Urins ist, wird im folgenden Artikel näher erläutert.

Der pH-Wert im Körper

Der pH-Wert gibt an wie sauer oder basisch (alkalisch) eine Lösung ist. Der Wert 7,0 ist auf der pH-Skala von 0 bis 14 als neutral definiert. Alles darunter befindet sich im sauren, alles darüber im alkalischen Bereich. Säuren und Basen stellen chemische Gegenspieler dar, die sich gegenseitig neutralisieren können. Dies macht sich der Organismus zunutze, um den pH-Wert des Blutes stabil zu halten. Es müssen stets Werte von 7,35–7,45 eingehalten werden, damit die Stoffwechselvorgänge in den Zellen optimal funktionieren. Ein pH-Wert außerhalb dieses Bereichs ist gesundheitsgefährdend. Werte unter 7,0 sind mit dem Leben nicht vereinbar [4]!

Der pH-Wert des Urins ist dagegen ständigen Schwankungen unterlegen. Nahrungsabhängig kann er Werte von 4,6 bis 8,0 annehmen [5]. Dies liegt an der wichtigen Aufgabe der Nieren, den pH-Wert des Körpers in Balance zu halten. Nimmt der Organismus über verschiedene Mess-Rezeptoren beispielsweise einen Überschuss an Säuren im Blut wahr, so reagieren die Nieren mit einer gesteigerten Ausscheidung dieser über den Urin. Folglich steigt der Säuregehalt des Urins, während der Körper von Säuren befreit wird. Der pH-Wert des Urins darf somit nicht mit dem pH-Wert des Blutes gleichgesetzt werden [6]. Eine gesteigerte Säureausscheidung muss nicht zwangsläufig eine Übersäuerung des Körpers darstellen. Sie beweist vielmehr die gesunde Fähigkeit des Körpers, anfallende Säuren auszuscheiden.

Neben der Ernährung existieren weitere Faktoren, die den pH-Wert des Urins beeinflussen. So führt beispielsweise die Einnahme von bestimmten Medikamenten (z. B. Säurehemmern) zu einem Ansäuern des Urins [5]. Bakterielle Harnwegsinfekte oder Asthma können dagegen den pH-Wert des Urins in den basischen Bereich verschieben [5].

Des Weiteren ist der pH-Wert des Urins bei unterschiedlichen Nierenerkrankungen „verfälscht“ und erlaubt keinerlei Aussage über den Säurehaushalt des Körpers [6]. Dies liegt daran, dass kranke Nieren gegebenenfalls nicht mehr in der Lage sind, die Säureausscheidung gezielt zu kontrollieren.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass extreme Werte (unter 5) durchaus Anzeichen für eine ernsthafte Übersäuerung sein können [7]. Sie sollten daher immer von ärztlicher Seite abgeklärt werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Urin-pH in gewissem Maße einen Aussagewert über den Säurehaushalt besitzt, dies jedoch nur in Zusammenschau mit anderen Parameter und möglichen Störfaktoren.

Fakten zu erhältlichen Teststreifen

Sogenannte pH-Teststreifen sind in Drogerien oder Apotheken frei erhältlich. Beim Übergießen mit jeglichen Flüssigkeiten zeigt sich eine Farbveränderung des Papiers, die für den jeweiligen pH-Wert charakteristisch ist (siehe Packungsbeilage) [1]. Ein Nachteil solcher Teststreifen ist die Tatsache, dass sie nur einen geringen Teil der ausgeschiedenen Säuren messen [6]. Die meisten Säuren im Urin sind an Trägermoleküle (z. B Phosphat) gebunden und entziehen sich somit einer Messung [6].

Anwendung von Teststreifen

In der „Basenmedizin“ wird die Meinung vertreten, dass auch bei normalen Blutwerten eine Übersäuerung des Gewebes vorliegen kann und sich dies negativ auf die Gesundheit auswirkt. Entsprechende Literatur empfiehlt, trotz oben genannter Nachteile, eine Messung des Urins mit Teststreifen durchzuführen, um sich ein Bild des Säurehaushalts zu schaffen [1]. Wenn eine solche Messung gewünscht ist, müssen dabei folgende Dinge beachtet werden:

  • Um nicht nur eine Momentaufnahme zu gewinnen, wird empfohlen, an wenigstens drei aufeinanderfolgenden Tagen den pH-Wert vor und nach jeder Mahlzeit zu messen. Dies führt zu einem Tagesprofil, welches mit „gesunden Tagesprofilen“ verglichen werden kann [1]. Entsprechender Literatur können mehr Informationen zu solch „gesunden Tagesprofilen“ entnommen werden.
  • Die Teststreifen sollte einige Sekunden lang direkt unter den Urinstrahl gehalten werden. Der Urin darf vor der Messung nicht stehen gelassen werden. Nur frischer Urin wird einen richtigen Wert angeben, da der Urin bei Zimmertemperatur spontan alkalisch wird [7]!
  • Der Farbumschlag des Teststreifens kann mit entsprechenden Farbskalen auf der Verpackung oder Packungsbeilage verglichen werden. Jeder Farbe ist ein pH-Wert zugeordnet.

Tipp

Besteht der Wunsch, im Rahmen des Basenfastens eine genauere Aussage über den Säurehaushalt des Körpers zu gewinnen, stehen andere Methoden zur Verfügung. Diese können nicht selbstständig durchgeführt werden, da es Labordiagnostik benötigt [1]. Ein Therapeut, der sich mit dieser Thematik auskennt, ist in diesem Falle von Nöten.

Quellen

  • [1] S. Wacker, A. Wacker: Basenfasten! Die Wacker-Methode. Trias Verlag, 2011.
  • [2] M. Worlitschek: Säure-Basen-Fitness: geschmeidiger Körper, feste Muskeln, straffe Haut. Haug Verlag, 2005, S. 35.
  • [3] C. P. Thomas: „Metabolic Acidosis“, http://emedicine.medscape.com/article/242975-overview, 15.01.2016
  • [4] S. Silbernagel, A. Despopoulos: Taschenatlas Physiologie. Thieme Verlag, 8. Auflage, 2012, S. 146.
  • [5] „Urine Test“, http://www.webmd.com/a-to-z-guides/urine-test?page=3, 14.01.2016
  • [6] J. van Limburg: Moderne Säure-Basen-Medizin: Physiologie – Diagnostik – Therapie. Hippokrates Verlag, 2008, S. 66.
  • [7] W. Siegenthaler: Siegenthalers Differenzialdiagnose: Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. ThiemeVerlag, 19. Auflage, 2005, S. 852.