Die chronisch latente Azidose ist ein schleichend eintretender Prozess, der weder typische Symptome hervorruft, noch einfach mit einem Urin-Test festzustellen ist. Vielmehr ist ein Mangel an basischen Puffersubstanzen eine typische Begleiterscheinung bestimmter Erkrankungen.

Medizinische Einteilung der Azidose

…nach Ursache

  • Bei der „Metabolischen Azidose“ sinkt der pH-Wert durch Erkrankungen wie Diabetes, Nebenwirkungen von Medikamenten oder schweren Nierenerkrankungen. Je nachdem, welche Säuren sich anhäufen, spricht man von einer Ketoazidose (Ketonkörper, siehe hierzu Abschnitt Diabetes) oder Lactatazidose (Milchsäure).
  • Die „Respiratorische Azidose“ entsteht dann, wenn über die Lunge nicht ausreichend Kohlendioxid abgeatmet werden kann. Es kommt zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts ins Saure. Die Ursache können Lungenerkrankungen, bestimmte Medikamente oder ein verminderter Atemantrieb sein.

…nach Schweregrad

  • Die „chronisch latente Azidose“ (CLA) ist nach F.F. Sander ein Zustand, bei dem die basischen Pufferreserven im Blut teilweise bereits verbraucht sind, es aber noch nicht zu einer pH-Wert-Veränderung gekommen ist. Körpereigene Reserven werden angegriffen und Mineralsalze, die in Knochen und Zähnen eingelagert sind, werden freigesetzt. Dieser Zustand kann unterschiedliche Erkrankungen begünstigen oder verschlimmern. Obwohl die Ergebnisse zahlreicher Studien eine größere Beachtung des Säure-Basen-Haushalts verdienen würden, ist die latente Azidose schulmedizinisch nicht immer anerkannt. Im Rahmen der komplementären (ergänzenden, alternativen) Medizin gilt die Funktionsstörung hingegen als akzeptiert.

Zunehmend erkennen aber auch Schulmediziner die Existenz einer latenten Azidose an. So zu lesen beispielsweise im Deutschen Ärzteblatt:

„Störungen des Säure-Basen-Haushalts sind häufig, sie werden jedoch in der Praxis oft übersehen. […] Besonders bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Diabetes, einer Leberzirrhose, einem Emphysem, Diarrhöen oder chronischem Erbrechen sowie unter bestehender Diuretikatherapie ist an Störungen des Säure-Basen-Haushaltes zu denken.
Quelle: Schäfer, R.: Dtsch Arztebl 2005; 102: A 1896; 1899 [Heft 26]

  • Bei der „kompensierten Azidose“ laufen die Ausscheidungsorgane auf Hochtouren. Dabei werden die Puffersysteme bis auf das Äußerste strapaziert, ohne dass der pH-Wert im Blut unter den kritischen Wert von 7,35 sinkt.
  • Die „dekompensierte Azidose“ ist dann zu diagnostizieren, wenn die Alkalireserve unter den Normalwert gesunken ist, Blut und Gewebe die Säureflut nicht mehr bewältigen können und die „Vergiftung“ des Körpers durch Säuren einsetzt, wie es die Folge von chronischen Krankheiten sein kann. Auch beim diabetischen Koma oder bei längerem Herz-Kreislauf-Stillstand spricht man von einer dekompensierten Azidose.

Literatur:

  1. Androgue HJ, Wesson DE: Concepts in acid-base metabolism. In: Narins RG, ed.: Clinical disorders of fluid and lectrolyte metabolism (5th ed.). New York: McGraw-Hill 1994: 1–48.
  2. Battle D, Kurtzman NA: Acid-base physiology and pathophysiology. Contemp Nephrol 1995; 3: 191– 121.
  3. Jörgensen HH: Sind wir wirklich alle übersäuert? Der Naturarzt 2004; 3: 16–9.
  4. Jones NL: Blood gases and acid-base Physiology. 2nd ed. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 1982.
  5. Schaefer, R., Kosch, M: Störungen des Säure-Basen-Haushalts: Rationale Diagnostik und ökonomische Therapie, Dtsch Arztebl 2005; 102(26): A-1896
  6. Vasey C: Das Säure-Basen-Gleichgewicht. Die Quelle für Vitalität und Wohlbebfinden. München: Midena 1995.